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Taizé feiert sein 70-jähriges Bestehen - Echos

Am 20. August 1940, mitten in Zweiten Weltkrieg, kam Frère Roger alleine in das Dorf Taizé. Er hatte vor, eine Gemeinschaft von Brüdern zu gründen. Am 16. August 2005 starb er durch die krankhafte Tat einer jungen Frau während des Abendgebets.

Nachdem ihr nie daran gelegen war, dass in den Kirchen allzu viele Worte gemacht werden, beging die Communauté de Taizé diesen zweifachen Jahrestag – 70 Jahre Gründung der Communauté de Taizé und Frère Rogers fünfter Todestag – am Samstagabend, dem 14. August, mit einem einfachen Zeichen, einem Pilgerweg.

Um 19.30 Uhr versammelten sich die Brüder mit etwa 5000 Gästen auf einer großen Wiese am Dorfrand und feierten dort den ersten Teil des Abendgebets, mit vielen Gesängen, einem Bibeltext, der von Jugendlichen aus verschiedenen Erdteilen vorgelesen wurde und einer Zeit der Stille. Ein junger Italiener aus Trient, der für längere Zeit in Taizé lebte, wurde dabei in die Communauté aufgenommen und erhielt das weiße Gewand der Brüder.

Anschließend zogen die Brüder und die an diesem Wochentreffen anwesenden Jugendlichen aus 70 Nationen zusammen mit einigen Kindern am Friedhof bei der Dorfkirche vorbei. In der Nähe des Grabs von Frère Roger stand an diesem Abend eine Nachbildung der Freundschaftsikone, die ihm viel bedeutet hat. Danach fand in der Kirche der Versöhnung der zweite Teil des Abendgebets statt. Dabei wurde ein Text aus dem Evangeliums über die Auferstehung vorgelesen, und die Anwesenden entzündeten zum Zeichen der Hoffnung auf die Auferstehung tausende kleine Kerzen.

Anstatt einer Ansprache betete Frère Alois:

„Gott der Liebe, wir danken dir für das hingegebene Leben unseres Bruders Frère Roger, der vor fünf Jahren von uns gegangen ist und vor 70 Jahren allein in dem kleinen Dorf Taizé eintraf.
 
Er brannte darauf, aus deinem Vertrauen zu leben und deine unendliche Güte für jeden Menschen, Glaubende wie Nichtglaubende, weiterzusagen: dich, den lebendigen Gott, der nicht verurteilt, der niemanden von seiner Liebe ausschließt.
 
In diesem Vertrauen ließest du ihn die Quelle der Freude und des Friedens finden: den Frieden des Herzens, der ihn zu einem Friedensstifter unter den Menschen machte.
 
Nach dem Vorbild Johannes des Täufers wollte er Christus lediglich den Weg bereiten, wollte er dein Volk versammeln und zu allen sagen: ‚Gott ist euch ganz nahe.‘
 
Es war für ihn untrennbar, sich dir, dem Gott der Liebe, zuzuwenden und den ärmsten Menschen nahe zu sein. Leiden lindern, andere, insbesondere Jugendliche aufnehmen, zuhören, um alles vom andern zu begreifen: dies war der Weg, den du ihm erschlossen hast, damit er Jesus Christus nachfolgen und im Hören auf den Heiligen Geist leben konnte.
 
Arm und verletzlich wie er war und sich auch selbst bezeichnete, entschied er sich dafür, mit aller Kraft zu lieben.
 
Er hat deine Kirche geliebt, die die Glaubenden in einer einzigen Gemeinschaft versammelt, weit über alle politischen, sozialen oder kulturellen Grenzen hinaus. Sie war für ihn das Zeichen der Hoffnung auf eine versöhnte Menschheit.
 
Wir danken dir dafür, dass wir gemeinsam mit der ganzen Kirche seiner gedenken können. Die Grußworte Papst Benedikts gehen uns zu Herzen: ‚Sein Zeugnis einer Ökumene der Heiligkeit möge uns auf unserem Weg zur Einheit inspirieren.‘ Die Patriarchen von Konstantinopel und Moskau, der Erzbischof von Canterbury, die Verantwortlichen des Lutherischen und des Reformierten Weltbundes und viele andere sind an unserer Seite, um dir unsere Dankbarkeit zu sagen.
 
Lass uns alle aus ganzem Herzen weiterführen, was Frère Roger begonnen hat. Wie er wollen auch wir aus der Freundschaft Christi leben, und dabei ohne Aufschub etwas vom Evangelium in die Tat umsetzen, und sei es nur ein einziges Wort.
 
In der Gemeinschaft mit der ganzen weltweiten Kirche und mit allem, die uns im Glauben vorausgegangen sind, angefangen bei den Aposteln und Maria, preisen wir dich und singen:
 
‚Jésus le Christ, lumière intérieure, ne laisse pas mes ténèbres me parler.
Jésus le Christ, lumière intérieure, donne-moi d’accueillir ton amour.
(Jesus Christus, inneres Licht, lass nicht zu, dass mein Dunkel zu mir spricht,
Jesus Christus, inneres Licht, lass mich deine Liebe empfangen.)‘“

Zum doppelten Jahrestag erscheint „Leben um zu lieben“, ein kleines, bebildertes und besonders für Jugendliche gedachtes Buch mit wesentlichen Gedanken Frère Rogers. Im Vorwort schreibt Frère Alois: „Das Erbe, das Frère Roger hinterlassen hat, lebt weiter. Er hatte eine Gewissheit: Gott ist mit jedem Menschen vereint, auch mit denen, die sich dessen nicht bewusst sind. Im Vertrauen auf die Gegenwart Gottes fand er einen Frieden, den er anderen zu vermitteln versuchte.“

Frère Roger, Leben, um zu lieben. Worte des Vertrauens Verlag Herder Freiburg im Breisgau, ISBN 9783451331930

Beiliegendes Blatt wurde an alle in Taizé Anwesende verteilt; es enthält Auszüge der eingetroffenen Grußbotschaften von Kirchenverantwortlichen, sowie das von Frère Alois gesprochene Gebet.

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Fotos von der Feier sind ebenfalls verfügbar.

Letzte Aktualisierung: 14. August 2010