Die Stadt El Alto liegt in Bolivien, 4000 Meter über dem Meeresspiegel. Sie ist zwölf Kilometer von der Hauptstadt La Paz entfernt und hat etwa 1 Million Einwohner, zu 99 Prozent Aymara-Indios. Spanisch und Aymara sind die beiden Landessprachen. Es leben viele Jugendliche dort; in den Kirchengemeinden sind sie unübersehbar. Die Jugendarbeit ist sehr rührig. Während des Sommers 2003 kam Bischof Jesus Suarez mit der Idee zu diesem Treffen auf dem Pilgerweg des Vertrauens in seiner Diözese nach Taizé. Und schließlich fand das Jugendtreffen vom 30. April bis zum 3. Mai 2004 statt.
Bis 14 Uhr war an jenem Freitagnachmittag erst eine einzige Gruppe – aus Potosi – eingetroffen. Aber in der zweiten Nachmittagshälfte veränderte sich das schlagartig, und es kamen nach und nach Gruppen aus ganz Bolivien, aus Cochabamba, Santa Cruz, Oruro und sehr viele Leute aus Altiplano an. Manche, wie die aus Chuma und Titicacha, waren mehr als zwölf Stunden unterwegs. Über 150 Jugendliche kamen in Lastwägen aus Jesus de Machaca! Es kamen sogar Jugendliche aus Argentinien, Chile, Brasilien und aus der Dominikanischen Republik. Ihnen schlossen sich junge Europäer an, die derzeit zu einem Auslandseinsatz in Bolivien sind. Um 18.30 Uhr hieß der Bischof die Jugendlichen willkommen und erläuterte ihnen, warum er diese Tage der Versöhnung für so wichtig hält.
In den Tagen vor dem Treffen waren viele Jugendliche wegen der neuen Streikwelle und den Straßensperren in verschiedenen Gegenden des Landes beunruhigt. Im Oktober war El Alto Brennpunkt der Demonstrationen gewesen, die den Staatspräsidenten stürzten. So war das Jugendtreffen für viele wie ein Licht in der Dunkelheit. Der apostolische Nuntius verlas eine Botschaft Papst Johannes Pauls II. Ein Grußwort Frère Rogers wurde auf Aymara und Spanisch verlesen. Darin heißt es unter anderem : „Viele von euch in Bolivien, wie in anderen Teilen der Welt, wissen, daß es nicht möglich ist, ohne Verzeihen, ohne vielfältige Schritte der Versöhnung voranzukommen. Deshalb möchtet ihr euch darauf vorbereiten, in eurer Umgebung Vertrauen zu stiften. So können wir gemeinsam beten: Heiliger Geist, du bewohnst jeden Menschen, du legst in uns, was im Evangelium so wesentlich ist: „Die Güte des Herzens und das Verzeihen. Lieben und es durch unser Leben sagen, mit der Güte des Herzens lieben und Verzeihen: Darin läßt du uns eine Quelle der Freude finden.“
Hallendekoration im Stil des Altiplano
In der großen Halle der Salesianerschule hatte ein Team Jugendlicher Dekorationen für die gemeinsamen Gebete angebracht. Drei große Bildtafeln zeigten das Geschehen in Emmaus, bei der Hochzeit von Kana, eine dritte zeigte die Dreieinigkeit. Sie wurden im Stil von Altiplano gestaltet. Auf der Tafel mit der Dreifaltigkeit sah man darunter eine Frauengestalt. Für die Menschen in Altiplano stellt sie die Pachamama, das heißt die Mutter Erde dar. Darüber hing das Kreuz der Anden, eine Art rechteckiges Steinkreuz mit einer Sonnendarstellung in der Mitte. Für die Einheimischen stellt sie Gottvater dar. Jugendliche, die an der Kunstakademie von Oruro durch Jesuiten ausgebildet werden, hatten sie gemalt.
In Solidarität mit den Menschen,die leiden
Der Samstag begann mit Morgengebeten in den Kirchengemeinden. In jeder Gemeinde hatte sie ein Team Jugendlicher vorbereitet. Danach führten Besuche an Orte des Leidens und der Hoffnung, zu verschiedenen Hilfsprojekten. Auf diese Weise kam zum Ausdruck, daß Gebet und Solidarität mit den Menschen zusammengehören. Am Nachmittag gab es Thementreffen in der Salesianerschule über die Bibel, die Einheit der Christen, die derzeitige politische Situation in Bolivien, über Wege der Versöhnung und über den Ruf, den Gott an jeden richtet. Einer der Brüder, der bei der Vorbereitung des Treffens mitgeholfen hatte, schreibt: „Nach dem Treffen sagte ein Pfarrer zu mir: Zum ersten Mal waren bei einem Jugendtreffen Jugendliche vom Land und Jugendliche aus der Stadt zusammen, ohne sich in getrennte Gruppen zurückzuziehen. Und in meiner Kirchengemeinde versuche ich seit 15 Jahren die Jugendlichen dazu zu bewegen, ebenfalls auf Aymara zu singen. Sie haben sich immer geweigert, aber nach diesem Treffen stimmten sie spontan am Ende des Gottesdienstes einen Gesang aus Taizé auf Aymara an!“