Der Vorsitzende des Rates der EKD, Bischof Wolfgang Huber
Von Herzen gratuliere ich der Katholischen Akademie in Bayern zu der Entscheidung, in diesem Jahr die Gemeinschaft von Taizé mit ihrem Ökumene-Preis auszuzeichnen.
Es gibt wenige Orte auf der Welt, an denen Jugendliche, Kinder und Erwachsene, Gläubige, Zweifelnde, Kirchenmenschen und Kirchenferne auf so intensive Weise ökumenische Erfahrungen machen können, wie in dem kleinen Dorf in Burgund. Es gibt nur wenige Orte, an denen im ökumenischen Miteinander das Gebet und die Beschäftigung mit der Bibel so sehr im Zentrum stehen wie in Taizé.
Von Taizé geht für viele Menschen der Anstoß dazu aus, sich neu auf den Glauben einzulassen und in ihrer Heimat nach einer Gemeinschaft zu suchen, in der sie den christlichen Glauben mit anderen feiern und teilen können.
Auch Ihnen, Frère Alois, gratuliere ich zu dem Preis, der Ihnen heute verliehen wird. Darüber hinaus möchte ich dazu gratulieren und dafür danken, dass Ihre Gemeinschaft mit soviel Liebe und Geduld alle einlädt, die im gelebten und gefeierten Glauben an Jesus Christus Halt und Stärkung suchen – die Suchenden und Gestrandeten, die Durchreisenden, die Ratlosen und Rastlosen und die, die ein Zuhause suchen. […]
Für den weiteren Weg der Gemeinschaft von Taizé und vor allem für ihren Dienst an der Ökumene wünsche ich Ihnen Gottes Segen und Geleit
Ihr
Bischof Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber
Der Erzbischof von München und Freising, Dr. Reinhard Marx
Lieber Frère Alois,
liebe Mitbrüder, liebe Schwestern und Brüder!
Es ist mir ein inneres Bedürfnis, Frère Alois und der ganzen Communauté einfach zu gratulieren und zu unterstreichen, wie sehr wir uns freuen, dass dieser Preis an Sie geht und damit an die ganze Gemeinschaft von Taizé.
Wir haben als Studenten mit großer Begeisterung „Kampf und Kontemplation“ gelesen. Als Seminarist habe ich Taizé erlebt, allerdings in einer etwas schwierigen Situation, weil es sehr voll war und tagelang geregnet hatte, was natürlich, wie manche Taizé-Besucher wissen, dann doch eine schreckliche Erfahrung sein kann in den Zelten und Unterkünften. Aber es war eine beeindruckende Erfahrung, die ich auf allen Stationen meines priesterlichen und bischöflichen Wirkens kennen gelernt habe: dass Taizé durch Gebet, durch seine besondere Art der Spiritualität Menschen zusammenführt, besonders junge Menschen aus allen Konfessionen, und ich glaube sogar, dass sich über die Konfessionen hinaus Menschen aus anderen Religionen inspirieren lassen, dass die Brüder von Taizé weltweit präsent sind, an die Brennpunkte gehen und damit einen Dienst für die Kirche getan haben und weiter tun, den wir – glaube ich – gar nicht genug abschätzen und wertschätzen können.
Das hat Johannes XXIII. gespürt, schon am Anfang, und Paul VI. Alle Päpste haben gespürt, dass hier eine geistliche Ökumene auf den Weg kommt, die wirklich – wie wir heute mit diesem etwas Allerwelts-, aber doch auch richtigen Wort sagen – nachhaltig ist. Eine Ökumene, die wirklich nachhaltig ist und die Generationen übergreift. Manche jüngere Leute sind hier, deren Eltern möglicherweise schon in Taizé waren. Das muss erst einmal in einer geistlichen Bewegung geschehen, dass es über Generationen hinweg zu einer solchen Bindung, zu einer solchen Erfahrung kommt, und dies in einer ökumenischen Weite, die nicht anspruchslos, sondern anspruchsvoll in die Mitte des Glaubens geht, ins Gebet hineingeht.
Und wir wünschen uns gerade im Blick auf den Ökumenischen Kirchentag 2010 hier in München, dass so etwas wie der Geist von Taizé präsent sein wird. Herzlichen Glückwunsch und Gottes Segen Ihnen und der ganzen Gemeinschaft!
Dr. Reinhard Marx