Berlin ist eine Stadt, in der große Lebendigkeit spürbar ist und man Menschen verschiedenster Herkunft antrifft. Manche leben schon länger hier Leben, andere sind erst neu nach Berlin gekommen. Diese lebendige Vielfalt spiegelte sich auch bei dem Treffen wieder, das Jugendliche für diesen Sonntagnachmittag vorbereitet haben. Seit vielen Jahren gibt es ein regelmäßiges Gebet im Stadtteil Prenzlauer Berg am Freitagabend, zu dem aus allen Teilen Berlins junge und ältere Menschen zusammenkommen. Für manche ist das ein Bezugspunkt seit Jahrzehnten. Dort können sie zuhause die Erfahrungen von Taizé Woche für Woche mit anderen im Gebet und Gespräch teilen.
Seit vielen Jahren kommen Jugendliche aus Berlin und Umgebung ein oder zweimal im Jahr zu einem Nachmittag des Austauschs zusammen. Die Heilig-Geist-Gemeinde in Berlin Moabit hies in Ihren Räumen alle herzlich willkommen und wir begannen den Nachmittag zusammen mit der Kirchengemeinde beim sonntäglichen Gottesdienst, der auch mit Gesängen aus Taizé gestaltet wurde. Viele junge Leute mischten sich unter die Gemeinde in dem beeindruckenden Kirchenbau. Einige Teile des Gottesdiensts wurden in Englisch übersetzt, so dass auch die Jugendlichen, die aus anderen Ländern nach Berlin gekommen sind, alles verstehen konnten. Dann ging es weiter mit einem Gespräch, Bibelarbeiten und Workshops. Für jeden war etwas dabei, einige probten die Gesänge für das Abendgebet, andere nutzten die Zeit für Stille und Nachdenken über Stille im Alltag. Zum Abendessen kamen alle zusammen in den Gemeindesaal und in vielen Sprachen tauschte man sich aus. Am nächsten Morgen kamen Schülerinnen und Schüler in der Sophie-Scholl-Gesamtschule in Berlin Schöneberg in der Bibliothek zusammen. Viele unter ihnen kamen währen der letzten Jahre im Rahmen des Religionsunterricht nach Taizé. Manche sind durch die Berichte ihrer Mitschüler neugierig geworden und wollten heute mehr erfahren. Viele der Schüler erzählten, wie wichtig Ihnen die Erfahrungen in Taizé wurden, und wie sie versuchen, einiges im Alltag umzusetzen: den offenen Umgang miteinander, Zeiten der Stille im Alltag, persönliches Gebete... Am Abend fand ein Gebet in der evangelischen Stadtkirche von Berlin-Köpenick statt. Diesen Sommer kamen zahlreiche Jugendliche aus Berlin nach Taizé. Eine „Nacht der Lichter“ soll am 21. November im Berliner Dom stattfinden.
Treffen gab es auch an anderen Orten. In Hildesheim gibt es mit der „kreuz.bar“ des Jugendforums Oase ein kleines Café, das offen ist für Schülerinnen und Schüler. Hier trafen wir uns am Donnerstag zu einer Bibelgespräch. Mit einer Stelle aus dem Römerbrief des Paulus und einen Abschnitt aus dem „Brief aus China“ dachten wir darüber nach, was es bedeutet, die eigenen „Sehnsüchte zu sortieren“. Der nahe Garten des Jugendzentrums bot sich für die Gespräche in Kleingruppen an. Alle freuten sich an den ersten Sonnenstrahlen und kamen dabei schnell ins Gespräch. Zum anschließenden Abendgebet schmückten Jugendliche die Heilig-Kreuz-Kirche mit vielen Kerzen in Ziegelsteinen, hängten bunter Tücher auf und stellten Ikonen um den Altar. Ein schöner Abschluss des gemeinsamen Nachmittags und eine Ermutigung, das Licht mit hinaus zu nehmen in den Alltag und dort durch das eigene Leben Licht weiterschenken, wo Menschen in dunklen Situationen leben.
Unter dem Motto „Taizé in Ostfriesland“ organisierten in ökumenischer Zusammenarbeit die lutherische und die reformierte Gemeinde in Moormeerland einen gemeinsamen Nachmittag. Nach einer Bibelarbeit und Austausch in Kleingruppen im Gemeindehaus der lutherischen Gemeinde versorgten uns die örtlichen Johanniter mit warmer Suppe, bevor alle sich auf den Weg in die reformierte Nachbarkirche machten, wo am Nachmittag die Kirche schon vorbereitet wurde. Zur musikalischen Gestaltung wurden auch Akkordeon und Kontrabass gespielt, Instrumente, die in dieser Gegend Deutschlands immer dazugehören.
Am darauf folgenden Tag kamen Jugendliche aus Schleswig-Holstein und Hamburg in Preetz bei Kiel zu einem Nachmittag zusammen. Auch hier gibt es ein regelmäßiges Gebet, das Jugendliche vor einiger Zeit begonnen haben. Kerzen erinnerten uns an das Licht Christi, das uns immer begleitet, bis in unsere Dunkelheit. Lange ging der Gesang am Abend weiter. Nahe dem Ausgang konnten die, die es wollten, sich segnen lassen.
All die Gebete und Begegnungen während dieser Tage ließen Freude aufkommen. Wir sind alle auf einem Pilgerweg unterwegs und eine Zeit in Taizé kann auch zuhause im Alltag, am Wohnort und in der Kirchengemeinde weiterwirken. Frère Alois schreibt im „Brief aus China“: „Es ist an uns, treffende, einfache Worte zu finden, um anderen den Glauben zugänglich zu machen, der uns leben lässt. (…) Wie kann man unter Freunden einander helfen, die Verbindung mit der örtlichen Gemeinde der Glaubenden zu erneuern?“ Diese Treffen waren eine Bestätigung, uns diese Worte zu eigen zu machen und zu leben.
Die Gegenwart Christi im Alltag suchen
In fast hundert Städten in ganz Deutschland fanden im November gemeinsame Gebete mit Gesängen aus Taizé – „Nacht der Lichter“ genannt – statt, die zusammen mit den Jugendstellen der verschiedenen Kirchen vorbereitet wurden. Zwei Brüder besuchten zwanzig von ihnen. Einer von ihnen meint:
„Wir konnten nicht überall dabei sein, aber wir möchten durch unsere Besuche den Jugendlichen, denen die das Gebet vorbereitet haben und die gekommen sind, sagen, dass wir die gleiche Suche miteinander teilen: die Suche nach dem, was den Glauben an Christus im Alltag tragen kann.
Viele, die ich in den verschiedenen Städten getroffen habe, waren im Laufe des Jahres in Taizé. Mit einem Aufenthalt in Taizé Abstand von den üblichen Terminen und Tätigkeiten zu nehmen, ist oft eine wichtige Erfahrung. Doch stellen wir Woche für Woche die Frage, was uns gerade im Alltag weiterhelfen kann. Manchen sind die Gesängen, die sie in Taizé kennen gelernt haben, im Leben zu Hause eine Hilfe. Sie treffen sich zu regelmäßigen gemeinsamen Gebeten in ihrer Kirchengemeinde oder Jugendgruppe. Zu den Gebeten im November waren oft die verschiedensten Gruppen in einer Stadt oder Gegend eingeladen, und damit eine Gelegenheit, in einer größeren Kirche zusammen zu kommen, sich kennen zu lernen, Erfahrungen auszutauschen, oder eine nächste Fahrt zu planen. Manche bereiteten sich auch auf die Fahrt zum Europäischen Jugendtreffen nach Posen vor. Zu mehreren dieser Gebete waren Jugendliche aus Polen eigens gekommen, um nach Posen einzuladen.
Überall waren auch Jugendliche gekommen, die Taizé nicht kennen. An einem Ort waren wir gerade beim Aufräumen und die Vorbereitungsgruppe wollte gerade die Kirche abschließen, als ein Jugendlicher etwas schüchtern fragte: „Gibt es sowas noch mal, irgendwann, irgendwo?“ So können sich die einen bei diesen Gebeten wiedersehen und andere etwas Neues entdecken, jedes Mal sind sie sichtbarer Ausdruck dessen, wie junge und ältere Menschen aus verschiedenen sozialen Kreisen in ihrem Alltag die Gegenwart Christi suchen und dadurch das Gesicht ihrer Stadt verändern.“
Annamaria aus Weimar hatte an einem dieser Gebete teilgenommen:
„Das Gebet mit Gesängen aus Taizé in Weimar fand etwas außerhalb in der Bonifatiuskirche in Schöndorf statt. Die Jugendlichen von Weimar hatte die Kreuzikone und überall in der Kirche Teelichter aufgestellt, rote und orangefarbene Tücher aufgehängt. Nur die kleinen Lichter erhellten die Kirche, was ihr eine besondere Atmosphäre verlieh.
Vor Beginn des Gebetes wurden Lieder zur Einstimmung nur mit Cello und Saxophon gespielt. Es kamen mehr Leute als wir erwartet hatten: viele Jugendliche, aber auch junge Erwachsene und ältere Leute. Ich empfand alles sehr ruhig und entspannend. Die zwischen den Liedern gesprochenen Gebete, Fürbitten und Meditationen waren ein Anstoß zum Nachdenken und halfen, sich auf Gott zu besinnen. Es war ein schönes Gefühl, gemeinsam zu singen und Stille zu halten; es herrschte eine Art Verbundenheit. Am Ende des Gebets sagte ein Bruder aus Taizé einige Worte, und danach trafen wir uns noch im kleinen Kreis zum Gespräch und zum Abendessen.
Insgesamt war es ein sehr schönes Gebet, bei dem man den Alltag ausblenden konnte.“



