Lettland 2012

Auf der Suche nach Zeichen der Hoffnung

Einer der Brüder beschreibt einen Besuch in Lettland:

Momentan scheinen nicht viele gute Nachrichten aus Lettland zu kommen. Und wenn, dann über wirtschaftliche Probleme oder politische Unruhen. Aber ist das das ganze Bild? Fallen wir nicht manchmal dem Pessimismus zum Opfer? Was sind die Anzeichen einer „neuen Solidarität“, die bereits existieren?

Bei Temperaturen um die -30°C reiste ich in die östliche Provinz Latgale. Eine Gruppe Jugendlicher in den letzten beiden Sommern mit ihren Pfarrern in Taizé gewesen. Nachdem das Thermometer in der Kirche -10°C zeigte, beschloss der Pfarrer, das Gebet und Treffen besser im Jugendzentrum stattfinden zu lassen. Dort versammelten sich dann am Samstagnachmittag auch rund 30 junge Leute zum Gebet mit Kerzen und Ikonen. Unter ihnen der Bischof von Daugavpils. Am Ende des Treffens beteten wir vor der Kreuzikone.

Beim Aufräumen kam dann die Hausmeisterin zu uns und fragte, was wir da mit dem Kreuz gemacht hätten. Ich erklärte ihr, dass es eine Zeit sei, um Gott unsere Sorgen und unser Leid anzuvertrauen. Sie sagte, dass sie zwar nicht in die Kirche ginge, aber gerne auch mal einen Moment beten würde. Ich hielt sie nicht davon ab und so kniete sie sich vor das Kreuz und legte ihre Stirn darauf. Ein paar Minuten später stand sie auf, die Augen voller Tränen und im Gesicht das Lächeln einer Befreiten. Ich musste an den Brief für 2012 denken, wo es heißt: „Wenn die Kirche unermüdlich zuhört, heilt und die Versöhnung lebt, wird sie zu dem, was sie ist. Dort, wo es in ihr am hellsten leuchtet…“.

Im Zug zurück von Daugavpils steckte uns die Schaffnerin in den einzigen geheizten Waggon. Wir waren ihr sehr dankbar. Sie sprach Russisch als Muttersprache, aber wenn jemand sie auf Lettisch ansprach, wechselte sie anstandslos die Sprache; obwohl die Lage des Landes von manchen Leuten politisch instrumentalisiert wird, sind die tatsächlichen Probleme im Alltag nicht so groß, wie sie manchmal scheinen.

Valmiera: Die Kirchengemeinde der Stadt hatte in den letzten Jahren eine schwierige Zeit. Ich war das letzte Mal vor 4 Jahren hier, als der neue Pfarrer dort angekommen war. Es war eine Freude zu sehen, was in dieser Zeit alles geheilt ist. Unser Treffen war so offen und strahlte die Gemeinschaft der Liebe, des Mitgefühls und des Trosts wieder – eine klare Widerschein des auferstandenen Christus.

Riga: Wir versammelten uns zum Gebet in den Kellern unter der Alt-Gertrudis-Kirche. Rund 100 Menschen kamen. Viele junge Paare kommen hier her, um an dem Alphakurs für Erwachsene, einer Art Katechese, teilzunehmen. Es erweist sich als wahre Quelle der Erneuerung für die Gemeinde. Junge Freiwillige besuchen gemeinsam mit ihren Pfarrern Gefängnisse. Gefangene bekommen für gemeinsame Gebete und Religionsunterricht Freigang. Im Brief 2012 heißt es: Christus sendet die Christen „aus, damit sie der Menschheit als Sauerteig des Vertrauens und des Friedens zu dienen“. So weit reichen diese Worte.

Saldus: zum ersten Mal war ich vor 18 Jahren da. Der designierte lutherische Erzbischof zeigte uns damals seine Pläne für eine Jüngerschule. Das Zentrum der St. Gregor-Mission, wie es jetzt heißt, nimmt schon seit mehreren Jahren junge Erwachsene auf, die sich dort mit ihrem Studium und der Mission in Lettland beschäftigen. Unter den Studenten waren drei junge Leute aus Rom. Ihre Anwesenheit ist wichtig und bereichernd.

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