Brief aus Taizé

Solidarität mit der ganzen Schöpfung

Der Brief aus Taizé erscheint vierteljährlich. Hier einige zusätzliche Berichte zum Thema der aktuellen Ausgabe: „Solidarität mit der ganzen Schöpfung“. Jeder der Texte ist ein Kommentar zu einem Teil des Briefes 2012: Auf dem Weg zu einer neuen Solidarität.
Wir sind uns der Gefahren und Leiden bewusst, die auf der
Menschheit und auf unserem Planeten lasten, wollen uns aber nicht der Angst und der Resignation überlassen. Dennoch droht der Hoffnung der Menschen immer wieder Ernüchterung. Die zunehmenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die manchmal erdrückende Komplexität der Gesellschaften, die Ohnmacht angesichts von Naturkatastrophen können ersticken, was an Hoffnung aufkeimt. (Frère Alois, Brief 2012)

Friedemann (Deutschland)

Wir sind nicht in erster Linie als Christen, sondern als Menschen, als Kinder des einen Gottes dazu aufgerufen, mit der Erde und der ganzen Schöpfung verantwortungsvoll umzugehen. Für mich entsprang die Motivation zu meinem Umweltengagement nicht in erster Linie der Bibel, sondern vielmehr kam sie aus meinem persönlichen Glauben und dem Staunen über die Fülle und Schönheit der Natur.

In Jesus Christus kommt der Sohn Gottes in unsere Welt und wirft in vielerlei Hinsicht unser Bild von Gott über den Haufen. Durch sein Leben, sein Leiden und seine Auferstehung erfüllt er im Evangelium das Erste Testament, das in ihm seine volle Bedeutung findet. Wo wir einen Sohn Gottes in seiner Herrlichkeit erwarten würden, kommt er wie ein Kind in eine Krippe auf die Erde, steht am Jordan um getauft zu werden, unter denen, die auf das Heil warten; er isst mit den Sündern und sogar am Kreuz ist er in der Lage, zu lieben und zu vergeben.

In den Seligpreisungen der Bergpredigt ist dieser Geist gegenwärtig: „Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes.“ (Lukas 6,20). Und er sagt uns: „Wahrlich, ich sage euch, was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan!“ (Matthäus 25,40).

Wenn ich darüber nachdenke, wie Gott und Christus vom „Reich Gottes“ sprechen, und wenn ich mich als derjenige, der über die Natur herrschen soll, so klein mache wie das Senfkorn, mit dem das Gottesreich auch verglichen wird (vgl. Markus 4,30-34), dann kann ich dem Aufruf aus dem Buch Genesis mit gutem Gewissen folgen und bin durch die ursprünglich kritische Bibelstelle nun sogar in meinem Engagement bestätigt: Wir sind als „Gesandte an Christi statt“ (2 Korinther 5,20) nicht dazu da, die Erde auszubeuten, sondern haben durch unsere besondere Stellung in der Schöpfung Verantwortung für sie. Wir sollen uns sorgsam um sie kümmern.

Die Welt ist heute voll von Unsicherheit, was vor allem unsere jungen Brüder und Schwestern erschüttern kann. Werde ich nach der Schule Arbeit finden? Wird die Situation in meinem Land stabil sein? Was werden die Auswirkungen der Klimaveränderungen sein? Wird die Gewalt jemals aufhören? Dies sind Fragen, die sie viele heute stellen. Die Lebensumstände mögen heute schwierig sein, aber wenn wir zusammen stehen und stark bleiben im Wissen, dass nichts jemals zwischen uns und der Liebe Christi kommen kann, werden wir diesen vor uns liegenden Unsicherheiten entgegentreten können.
(Pfarrer Dr. Olav Fykse-Tveit, Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen: Grußbotschaft für das Europäische Treffen in Berlin)
Abigail (Malta)

Wenn ich sehe, was um uns herum (Wirtschaftskrisen, Naturkatastrophen usw.) geschieht, dann fühle ich eine Qual. Ich möchte helfen, aber ich kann nicht. Dann erinnere ich mich, was Gott sagt: „Denn ich, ich kenne meine Pläne, die ich für euch habe - Spruch des Herrn -, Pläne des Heils und nicht des Unheils; denn ich will euch eine Zukunft und eine Hoffnung geben.“ (Jeremia 29,11). Lass mich also Geduld haben. Gott ist noch nicht fertig. Er weiß, was los ist. Er weiß, was das Beste ist. Ich muss loslassen und meine Hoffnung und Vertrauen in Gott setzen. Er wird sich um alles kümmern: „Seht her, nun mache ich etwas Neues. Schon kommt es zum Vorschein, merkt ihr es nicht? Ja, ich lege einen Weg an durch die Steppe und Straßen durch die Wüste.“ (Jesaja 43,19) Er liebt jeden einzelnen von uns. Alles, was ich tun kann, ist für sie zu beten und ihm zu vertrauen!

Solidarität darf nicht zu einem Slogan politischer Parteien werden, sondern ein Versprechen, das die ganze Person einbezieht, ihr Handeln, aber auch ihr Beten, Fühlen und Mitleiden. Dies ist in der Tat die Grundlage der Botschaft des Evangeliums, das die Glaubenden nicht nur mit ihrem Schöpfer, sondern auch mit der ganzen Schöpfung verbindet.
(Patriarch Bartholomaios von Konstantinopel: Grußbotschaft für das Europäische Treffen in Berlin)
Emilja (Litauen)

Ich hatte immer das Gefühl, dass ich zur Natur gehöre. Ich bin Beobachter und Bewunderer, der Glückliche, der so viel Schönheit in dieser Welt erlebt. Ich glaube, dass alles, was es auf dieser Erde gibt, aus der gleichen Quelle kommt, der Quelle der Liebe. Das ist, wo ich auch herkomme. Darin liegt die geheimnisvolle Verbindung, die liebevolle Energie, die durch alle Menschen, Tiere und Pflanzen fließt. Es verbindet uns, so dass es kein Entrinnen gibt. Leider sind wir zu zuversichtlich, Könige dieser Welt zu sein, aber kein Mensch könnte ohne die Hilfe von Mutter Natur leben. Ich glaube, ich bin mehr auf die Erde angewiesen als sie auf mich. Und das Einzige, was ich für diese Welt tun kann, sie nicht noch mehr zu verletzen. Ich will in Frieden mit ihr sein, ihrer stärker bewusst sein und mehr unternehmen, um die Umwelt zu schützen, egal wie klein meine Schritte dazu sind. Die Erde ist schön und es ist ein Geschenk für uns, für sie sorgen zu dürfen.

Die Erschütterungen der Weltwirtschaft stellen uns vor neue Fragen. Das geopolitische Gleichgewicht verschiebt sich. Ungleichheiten nehmen zu und was gestern noch sicher schien, ist es heute schon nicht mehr. Ist dies nicht Grund genug, uns eingehend zu fragen, wozu wir uns für unser Leben eigentlich entscheiden wollen?
(Frère Alois, Brief 2012, Anmerkung 3)
Kate (USA)

Die Nahrung ist ein wichtiges Thema und gegenwärtig eines der größten Probleme in den Vereinigten Staaten: Wo kommen unsere Lebensmittel her? Wo werden sie angebaut? Wer bekommt sie zu essen?

Ich hatte immer einen kleinen Gemüsegarten. Meine Familie und vor allem mein Großvater haben mir das meiste von dem , was ich über die Gartenarbeit weiß, beigebracht; z.B. wie man Tomaten pflanzt. Für mich ist es eine Art Meditation und es fasziniert mich zu sehen, wie Leben langsam aus dem Nichts hervor kommt. Ich sehe darin eine Verbindung zu den Gleichnissen Jesu, die oft aus der Landwirtschaft genommen sind.

Darüber hinaus tue ich es aus ganz praktischen Gründen: Ich kann aussuchen, was ich esse. Ich verschmutze die Erde nicht durch weite Transportewege und Pestizide, und bekomme schließlich auch etwas für meine Arbeit. Ich weiß, dass Kirchen in vielen Städten Gemeinschaftsgärten unterhalten, besondere Orte, an denen Menschen nachhaltig Nahrungsmittel anbauen.

Hier weitere Zeugnisse Jugendlicher, die in der letzten Druckausgabe des Briefs aus Taizé erschienen sind:

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Printed from: http://www.taize.fr/de_article13867.html - 19 September 2019
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