Worte von Frère Alois

Christus führt uns über alle Grenzen hinweg zusammen

Donnerstag, 30. August 2012

Der Sommer geht dem Ende entgegen und viele von euch nehmen bald ihr Studium bzw. ihre Arbeit bald wieder auf. Für uns Brüder bedeutet das Ende des Sommers, dass mehrere von uns für einige Zeit den Hügel verlassen.

Morgen brechen zwei Brüder nach Afrika auf. Wie ihr wisst, findet im November unser drittes afrikanisches Jugendtreffen in Kigali, der Hauptstadt Ruandas [http://www.taize.fr/de_rubrique858.html], statt. Wenig später folgt dann das Europäische Jugendtreffen in Rom [http://www.taize.fr/de_rubrique351.html]. An beiden Orten werden Brüder der Communauté, Schwestern von St. André und ein Team junger Freiwilliger bei der Vorbereitung mithelfen.

Es fällt uns nie leicht, Brüder abreisen zu sehen, denn unsere Berufung besteht darin, in Gemeinschaft zu leben, sei es hier in Taizé oder in den kleinen Fraternitäten auf den anderen Kontinenten. Aber unsere Leidenschaft für Gemeinschaft unter den Menschen drängt uns dazu, solche Jugendtreffen an verschiedenen Orten vorzubereiten.


Ist die Suche nach Gemeinschaft nicht das Herz des Evangeliums? Jesus ist gekommen, „die versprengten Kinder Gottes zusammenzuführen“, heißt es im Johannesevangelium. Jesus bittet uns, mit ihm zusammen diese Einheit zwischen den Menschen aufzubauen. Ja, Christus hat uns eine neue Solidarität zum Erbe gegeben. Wir sind aufgerufen, sie zu entdecken und sichtbar werden zu lassen.

Die Menschheit ist von tiefen Gräben und Rissen durchzogen. Missverständnisse verschiedener Art rufen Spannungen und Konflikte hervor, zwischen Kontinenten, Ländern, Generationen und zwischen Einheimischen und Zuwanderern. Nie zuvor gab es so viele Möglichkeiten der Kommunikation. Und doch nehmen die Trennungen zwischen den Menschen zu.

Aber auch die Christen selbst sind gespalten. Um Versöhnung zwischen den Menschen voranzutreiben, kommt es wesentlich darauf an, dass die Kirchen sich versöhnen. Jede Konfession muss dem Besten aus seiner eigenen Geschichte treu bleiben, aber sie muss sich auch den anderen öffnen und das Bessere von ihnen annehmen. Wir gehen auf diesem Weg voran, indem wir sichtbar als Versöhnte leben.


Um alle zu unterstützen, die auf diesem Weg der Versöhnung vorangehen, möchten wir Brüder der Communauté mehr denn je zusammen mit euch, den Jugendlichen aller Kontinente, unseren Pilgerweg des Vertrauens auf der Erde fortsetzen.

Zur Versöhnung unter den Christen sind theologische und historische Forschungen notwendig, aber vor allem kommt es auf Begegnungen zwischen Menschen an. Und das ist vielleicht der wichtigste Beitrag des Pilgerwegs des Vertrauens.

Durch die unzähligen Begegnungen zwischen Menschen ist es möglich, die Versöhnung unter allen Getauften schon heute zu leben. Dies verleiht uns Christen eine neue Dynamik, um zu Trägern des Friedens in der Menschheit zu werden.

Hier machen wir das ganze Jahr Woche für Woche die Erfahrung, dass Christus uns über alle Grenzen hinweg zusammenführt. Diese Gemeinschaft ist ein Wunder, über das wir immer wieder staunen. Wenn die Kirche ein derartiges Wunder lebt, kann sie sich versöhnen und zum Kern einer universalen Gemeinschaft werden.

Der Pilgerweg des Vertrauens mit Stationen in verschiedenen Städten lässt uns das Antlitz und die Berufung der Kirche noch besser verstehen. Überall, wo wir ein Treffen vorbereiten, nimmt uns die Ortskirche auf, das heißt Christen verschiedener Konfessionen.


Wo immer wir hinkommen stellen wir fest, dass sich die historischen Kirchen gegenwärtig in einer schwierigen Situation befinden. In allen Kirchen stoßen die Institutionen an Grenzen; alle sehen, wie notwendig Veränderungen sind, aber niemand weiß, in welche Richtung es gehen soll.

Mit dem Pilgerweg des Vertrauens möchten auch wir nach Veränderungen suchen. Und das große Vertrauen, das so viele Kirchenverantwortliche dem Pilgerweg des Vertrauens entgegenbringen, den wir unternehmen, sagt uns: Es liegt ein Ruf Gottes darin, auf den wir mit allen uns gegebenen Kräften antworten möchten.

Als Träger der Gemeinschaft, wo immer wir uns gerade befinden, können wir eine Hoffnung hervorrufen, auf die so viele Frauen und Männer heute warten. So können wir als Christen überall auf der Welt, Salz der Erde sein, damit die Müden und Mutlosen wieder Geschmack am Leben finden.

Die Welt sehnt sich nach dieser Hoffnung. Bleiben wir also nicht untätig. Jeder kann bei sich zu Hause, zusammen mit einigen anderen, Zeichen der Offenheit, der Großzügigkeit und der Versöhnung leben. Die Quelle eines solchen Engagements ist allen zugänglich, sie liegt im Wort des Evangeliums und in der Eucharistie, die uns Nahrung geben.

Hören wir auf Jesus, der uns sagt:

„Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen?... Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben… So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ (Matthäus 5)

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