Finnland 2012

Treffen in Helsinki

28. – 30. September 2012

Wie sieht ein Taizé-Treffen im „Hohen Norden“ aus? Nun, das ist in der Tat nicht leicht zu beschreiben!
Über der Tür steht kein Thema oder Motto, sondern nur: ‚Tervetuloa‘, ‚Välkommen‘, ‚Bures boahtin‘, ‚Hau Kola‘, ‚Welcome‘.
Genügt es wirklich, mit Gesängen und in Stille zu beten, um Menschen zusammenzubringen?

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Ein Bruder der Communauté hat die Taizé-Treffen einmal als „kontrolliert ablaufende Naturkatastrophen“ bezeichnet, was sich recht extrem anhört, aber bei näherem Hinschauen vielleicht nicht so weit von der Realität entfernt ist.
Naturkatastrophen wie Stürme, Überschwemmungen oder Waldbrände zwingen uns, den gewohnten Alltag aufzugeben. Wir müssen die ausgefahrenen Gleise unserer Routine verlassen. Die Herausforderungen von Naturgewalten wie Wasser und Feuer sind zu groß, um ihnen alleine entgegenzutreten. Wir müssen zusammenarbeiten.
Vielleicht gilt dies auf besondere Weise im Hohen Norden, wo alles 18 Monate im Voraus geplant wird und Perfektionismus (den man doch nie ganz erreicht) die Regel ist.

Wenn „gesteuerte Naturkatastrophen“ auftreten, wie das letzte Taizé-Treffen in Helsinki, dann passieren zwei Dinge:
Erstens bricht ein „Sturm“ der Großzügigkeit aus: Häuser werden aufgemacht, um die obdachlosen Pilger unterzubringen, und Schranken zwischen Rassen, Religionen und Sprachen werden übersprungen.

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Zweitens: Freiwillige Helfer, die vor nichts zurückschrecken, tauchen (wie aus dem Nichts) auf, bereit, jede noch so bescheidene oder schwierige Arbeit mit Freude zu übernehmen.

Wo die Schranken überwunden sind, finden Begegnungen statt, die sonst nie stattfinden würde.

Gott spricht in der Bibel oft in Extremsituationen zu den Menschen; gewiss ist Gott nicht der Urheber dieser „Katastrophen“, aber sie geben uns die Möglichkeit, auf seine Stimme zu hören, wie auf ein Flüstern oder einen sanften Windhauch. Deswegen war vielleicht auch die Stille im Gebet so tief, weil sie hinter all den anderen Aktivitäten rund um das Treffen stand.

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Anmerkung:

‚Tervetuloa‘ ist Finnisch
‚Välkommen‘ Schwedisch (die zweite Amtssprache Finnlands)
‚Bures boahtin‘ ist Nord-Samisch, was von den meisten Sami gesprochen wird,
‚Hau Kola‘ ist Lakota (eine Gruppe vom Stamm der Oglalal-Lakota-Indianer aus South Dakota in den USA nahm am Treffen teil).
Aber alle diese Wörter bedeuten das Gleiche, nämlich ‚Willkommen‘.

Printed from: http://www.taize.fr/de_article14516.html - 8 December 2019
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