Für diesen Monat

Gedanken zur Bibel

Mit den „Gedanken zur Bibel“ kann man mitten im Alltag Gott suchen. Jeder nimmt sich mit dem vorgeschlagenen Text, dem Kommentar und den Fragen eine Zeit der Stille. Danach treffen sich alle und tragen ihre Gedanken zusammen. Davor oder danach kann ein gemeinsames Gebet stehen.

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2018

Januar

Matthäus 19,16-26: Geh, verkauf deinen Besitz!

Es kam ein Mann zu Jesus und fragte: „Meister, was muss ich Gutes tun, um das ewige Leben zu gewinnen?“ Er antwortete: „Was fragst du mich nach dem Guten? Nur einer ist der Gute. Wenn du aber das Leben erlangen willst, halte die Gebote!“ Darauf fragte er ihn: „Welche?“ Jesus antwortete: „Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch aussagen; ehre Vater und Mutter! Und: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!“ Der junge Mann erwiderte ihm: „Alle diese Gebote habe ich befolgt. Was fehlt mir jetzt noch?“ Jesus antwortete ihm: „Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkauf deinen Besitz und gib das Geld den Armen; so wirst du einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach.“ Als der junge Mann das hörte, ging er traurig weg; denn er hatte ein großes Vermögen. (Matthäus 19,16-26)

Der junge Mann stellt eine tiefgehende Frage, die seine Sehnsucht nach Gemeinschaft mit Gott zum Ausdruck bringt. Er sucht nach einem Leben, das einen Sinn hat. Wie kann Gott in meinem Leben im Mittelpunkt stehen? Vielleicht möchte er von Jesus wissen, was Gott von ihm erwartet; und er scheint zu allem bereit zu sein!

Jesus zitiert in seiner Antwort die letzten fünf der Zehn Gebote, die davon handeln, die Nächstenliebe in die Tat umzusetzen. Diese Gebote hat der junge Mann stets befolgt. Dennoch spürt er, dass dies nicht genug ist! Er verlangt nach mehr. Hat Jesus ihm vielleicht absichtlich eine unbefriedigende Antwort gegeben! Es scheint ihm darauf anzukommen, dass der junge Mann selbst versteht, dass ihm das Gesetz keine persönliche und unmittelbare Beziehung zu Gott ermöglicht.

Der junge Mann lässt nicht locker: „Was fehlt mir also? Was soll ich denn noch tun?“ Darauf sagt Jesus: „Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkauf deinen Besitz und gib das Geld den Armen; so wirst du einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach.“ Diese Worte hatte der junge Mann nicht erwartet; er erschrickt.

Die erste Antwort Jesu entsprach nicht der Erwartung des jungen Mannes, aber diese Antwort geht ihm jetzt zu weit, sie ihm ist zu radikal! Im Markusevangelium heißt es, dass Jesus den jungen Mann bei diesen Worten liebevoll ansah. Jesus stellt ihn nicht auf die Probe und er möchte ihn auch gar nicht auf die Probe stellen! Vielmehr sieht er ins Herz dieses jungen Mannes. Er sieht, dass sein Reichtum und sein Besitz ihn „versklaven“. Sie machen ihn unfrei und hindern ihn daran – wie wir heute sagen würden –, er selbst zu sein.

Der junge Mann war zu vielem bereit, um dieses Leben bei Gott zu erlangen, aber er hatte nicht erwartet, dass er dazu auf etwas verzichten müsste. Ein Bruder unserer Communauté, der seit langem in Bangladesch lebt, schrieb einmal: „Um unsere Berufung als Brüder zu leben, genügt es nicht, zu Christus ‚Ja‘ zu sagen; wir müssen auch ‚Nein‘ sagen zu dem, was uns daran hindert, unsere Berufung authentisch zu leben.“ Was schränkt meine Freiheit ein, um Christus nachzufolgen? Was hindert mich daran, Gott und den anderen mit ganzem Herzen das Beste zu geben? Vor welcher Herausforderung oder vor welchen Problemen stehen wir also heute? Vielleicht ist es weniger der Reichtum, sondern eher die Versuchung eines komfortablen Lebens, eines Lebens, das uns nicht viel abverlangt. Ist das vielleicht die Herausforderung, vor die Jesus uns stellt? Verstehen wir, was Frère Roger mit den Worten gemeint hat: „Auf einem Weg ohne Schwierigkeiten entsteht nichts wirklich Schönes.“

Unmittelbar zuvor wird im Evangelium berichtet, wie Jesus seine Begleiter auffordert, Kinder zu ihm kommen zu lassen, weil das Himmelreich Menschen wie ihnen gehöre. Wer reich ist, kann sein Leben nach eigenem Gutdünken einrichten. Wie ein Kind zu werden, bedeutet, anzunehmen, was das Leben und was Gott uns schenkt.

Der junge Mann ging traurig weg, aber das war vielleicht nicht das Ende der Geschichte. Es ist durchaus möglich, dass er später voll Freude und Einfachheit zu Jesus zurückgekehrt ist. Vielleicht war es nicht das Ende, sondern der Anfang einer Geschichte, der Anfang eines Lebens in der Nachfolge Jesu.

- Wie kann ich meiner Sehnsucht Raum geben, ganz und gar mit Christus zu leben?

- Was hindert mich daran, völlig aus Gott zu leben?

- Was macht mir Angst, wenn ich an die Entscheidungen denke, die ich treffen muss?

- Wie ein Kind leben, wie geht das?



Weitere Bibelstellen:

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