Ostern 2015

Christus ist unsere Hoffnung, er lebt

Samstag, 4. April 2015

Die Karwoche hindurch hat uns das gemeinsame Gebet Jesus nähergebracht. Wir haben miterlebt, wie er auf sein Leiden und seinen Tod zuging.

Heute, am Karsamstag, stehen wir vor dem Schweigen Gottes, so wie Jesus es erfahren hat und mit unzähligen Menschen teilt, die den Eindruck haben, dass Gott sie verlassen hat.

Heute befinden wir uns am Vorabend der Auferstehung Jesu. Jesus hat den Tod besiegt. Aber wie? Durch seine Liebe, die sich als stärker erwiesen hat.

Vielen Menschen fällt es schwer, dies zu glauben. Wir sehen so viel Gewalt auf der Welt, die in letzter Zeit immer mehr zunimmt. Am Donnerstag dieser Woche kamen in einer kenianischen Universität bei einem schrecklichen Attentat 150 Jugendliche ums Leben. Wir sind alle erschüttert, dass es Situationen gibt, in denen ein Menschenleben nichts mehr zu zählen scheint.


Noch vor Kurzem war ich in Rom und hatte auch ein persönliches Gespräch mit Papst Franziskus. Wie kaum ein anderer setzt sich dieser Mann für arme und entrechtete Menschen ein. Er hat mit versichert, dass er in diesem Jahr des Gedenkens an Frère Roger im Gebet besonders mit uns hier in Taizé verbunden ist. Ich möchte euch alle bitten, für ihn zu beten. Vertraut ihn Gott an, jeden Tag und sei es nur mit einem kurzen Seufzer.

Ein Bild von diesen Tagen in Rom geht mir nicht mehr aus dem Kopf: In einer Kirche waren Fotos der 21 koptischen Christen unmittelbar vor ihrer Hinrichtung zu sehen. Sie knieten auf dem Boden, hinter jedem von ihnen stand der Henker mit einem Messer in der Hand. Diese Menschen sind für ihren Glauben gestorben. Aber auch so viele Muslime sterben, nur weil sie nicht auf der richtigen Seite sind!

Doch Entsetzen und Vorwürfe alleine führen nicht weiter. Diese und ähnliche Nachrichten stellen uns immer wieder vor die Frage: Denkst du darüber nach, worauf es im Leben wirklich ankommt? Verstricken wir uns nicht zu oft in Fragen und Diskussionen über Nebensächlichkeiten? Bist du bereit, Frieden zu stiften? Mach dich also ans Werk, dort wo du lebst!


Der Nahe Osten wird gegenwärtig von bewaffneten Auseinandersetzungen erschüttert, genauso wie viele andere Gegenden der Welt. Im vergangenen Jahr waren viele junge Ukrainer in Taizé und haben hier junge Russen kennengelernt. Es war beeindruckend zu sehen, welche Mühe sie sich gaben, einander zuzuhören.

Wir haben daraufhin überlegt, welches Zeichen der Solidarität wir setzen können, und so entstand die Idee, einen Pilgerweg mit drei Etappen zu unternehmen: Nächste Woche fahre ich mit vier meiner Brüder und einhundert Jugendlichen aus ganz Europa nach Moskau, wo in diesem Jahr Ostern erst am nächsten Sonntag gefeiert wird. Dort begehen wir mit den orthodoxen Christen die Kar- und Ostertage.

Danach verbringen wir Brüder zwei Tage in Minsk, in Weißrussland, bevor wir zur dritten Etappe unseres Pilgerwegs mit einer anderen Gruppe Jugendlicher nach Kiew und Lwiw in der Ukraine fahren.

Wir machen uns mit leeren Händen auf diesen Weg; wir möchten mit den Christen dieser Länder lediglich gemeinsam das Ostergeheimnis feiern. Christus ist unsere Hoffnung. Er lebt und er führt uns zusammen. Hat er nicht gesagt: „Wenn ich über die Erde erhöht bin, werde ich alle Menschen zu mir ziehen“? Wir kommen zusammen, damit er uns in seiner Liebe gemeinsam zu sich ziehen kann.

Ich freue mich schon auf das Osterfest mit den Christen dieser drei Länder. Die Gesänge, die Lesungen, Ikonen und Lichter – all das ist Ausdruck des Geheimnisses Christi, der jeden Menschen liebt.

Christus zu vertrauen ist nicht immer ein beruhigendes Gefühl. Vergessen wir nicht, dass er uns seinen Frieden schenkt und damit auch den Mut, Entscheidungen zu treffen, die unserem ganzen Leben eine Richtung und einen Sinn geben. Könnten wir in unserem Leben nicht in erster Linie danach suchen, uns den Frieden Christi schenken zu lassen? Dadurch würde sich die Welt sehr verändern!


Wir Brüder freuen uns, heute Abend einen neuen Bruder in unsere Gemeinschaft aufnehmen zu können – Roland aus den Niederlanden. Vor einer Woche ist Claudio aus Chile in die Communauté eingetreten.

Frère Claudio und Frère Roland bereiten sich nun darauf vor, ihr ganzes Leben für Christus einzusetzen. Sie versuchen immer wieder aufs Neue, sich vom Heiligen Geist leiten zu lassen. Diesen Weg zu gehen bedeutet, zu lernen, die Hände zu öffnen, nicht unseren Träumen und unseren eigenen Plänen nachzulaufen, sondern in die Weite hinauszuziehen und wie ein Kind zu glauben, dass Gott sich unser annimmt.

Ja, wir möchten uns Gott überlassen und jeden Tag aus dem Frieden Christi, wie von einer Speise, leben. Auf diese Weg stehen wir Brüder uns gegenseitig bei. Die Gemeinschaft unter Christen ist eine unschätzbare Hilfe. Auch ihr könnt dort, wo ihr lebt, in der Gemeinschaft mit anderen Christen einen Halt finden.

Diese Gemeinschaft unter allen, die Christus lieben, ist eine unschätzbare Quelle der Freude. Wir konnten dies in dieser Woche hier erleben. Dabei stützen wir uns auch auf all die Glaubenden, die uns vorausgegangen sind. Einer davon, ein gewisser Seraphim von Sarow aus Russland, sagte einmal: „Erringe in dir den Frieden und eine große Zahl von Menschen um dich herum wird ihn finden.“

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