Ostern 2015

Pilgerweg nach Moskau im Zeichen der Auferstehung

Vom 8. bis 19. April besuchte Frère Alois zusammen mit vier Brüdern der Communauté Russland, Weißrussland und die Ukraine. Hier ein Bericht dieses Pilgerwegs nach Moskau, an dem auch einhundert Jugendliche aus verschiedenen Ländern Europas und darüber hinaus teilgenommen haben. Echos vom Aufenthalt der Brüder in Minsk (Weißrussland) und vom Pilgerweg nach Kiew und Lwiw (Ukraine) sowie Erfahrungsberichte junger Teilnehmer werden folgen.

Während des Europäischen Jugendtreffens in Prag hatte Frère Alois angekündigt:

„Unter uns sind junge Russen, Weißrussen und Ukrainer, die verschiedenen Kirchen angehören. Uns verbindet das Bewusstsein, dass Christus unsere Hoffnung und unser Frieden ist. So werden einige von uns Brüdern und Jugendliche aus verschiedenen Ländern Europas am 12. April einen Pilgerweg unternehmen, um in ihren Heimatländern während des orthodoxen Osterfestes gemeinsam die Auferstehung Christi zu feiern.“

Eine Jugendliche, die über mehrere Monate an der Vorbereitung teilgenommen hat, Lisa aus Moskau, erzählt von ihren Erfahrungen vor dem eigentlichen Pilgerweg:


Es gab viel zu tun, aber die vergangenen Monate waren die glücklichste Zeit meines Lebens, seitdem ich in Moskau bin. Mein Leben in dieser großen und hektischen Stadt hatte auf einmal einen Sinn. Ich war überglücklich, dieses Treffen mit anderen zusammen vorzubereiten, die ich im Laufe der Fastenzeit kennengelernt habe, in dieser Zeit, in der wir auf das Licht von Ostern zugehen. Das Vertrauen, das die Brüder von Taizé in mich gesetzt haben, hat mich sehr berührt.
Ich bin sehr dankbar, dass ich in meinem eigenen Land, meiner Stadt und Kirchengemeinde etwas von dem habe umsetzen können, was ich als Freiwillige gelebt habe. Auf andere zuzugehen und sie zu bitten, Pilger bei sich aufzunehmen, ist bei uns nicht gerade etwas Alltägliches. Die Freiwilligen, die Gastfamilien und die Gemeindemitglieder, die ganz einfach mitgeholfen haben, waren wirklich wie „Salz der Erde“.
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Die Höhepunkte des Pilgerwegs

Auf Einladung der Russisch-Orthodoxen Kirche wurden die Brüder der Communauté und die Jugendlichen von fünf Kirchengemeinden in Moskau aufgenommen. Dort haben sie auch an mehreren orthodoxen Gottesdiensten teilgenommen, wie zum Beispiel am Donnerstagabend, mit der Lesung der zwölf Evangelien, und der Bestattungsliturgie am Freitagnachmittag. Am Samstagvormittag begrüßte Metropolit Hilarion von Volokolamsk, der für die Außenbeziehungen des Moskauer Patriarchats verantwortlich ist, die Jugendlichen und die Brüder auf dem Vorplatz der Kirche.

Der Pilgerweg führte auch an verschiedene wichtige Stätten, wie am Donnerstag das Kloster Vysoko Petrovskiy und die Russisch-Orthodoxe Universität sowie das Dreifaltigkeitskloster von Sergijew Possad am Freitagvormittag. Auf dem Rückweg wurde in dem kleinen Dorf Zemkhoz Zwischenstation gemacht, wo vor 25 Jahren Pfarrer Alexander Men umgebracht wurde.

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Am Samstag – nach Besuchen bei Zeugen der Auferstehung in verschiedenen Stadtteilen Moskaus – nahmen die Brüder und Jugendliche an den Ostergottesdiensten teil. Für viele der Jugendlichen war dies neben der Gastfreundschaft der Familien der beeindruckendste Moment ihres gesamten Aufenthalts. Die im Folgenden wiedergegebenen Berichte zeugen davon.

Nach den Sonntagsgottesdiensten in der Katholischen und Evangelisch-Lutherischen Kirche trafen sich alle bei Sergei Chapnin, dem Chefredakteur der Zeitschrift des Moskauer Patriarchats. Von dort aus ging es gemeinsam zur Christus-Erlöser-Kathedrale, wo Patriarch Kyrill die Ostervesper feierte. Frère Alois hatte den Patriarchen am Tag zuvor persönlich getroffen.


Einige der jungen Teilnehmer waren bereits an Ostern 2011 auf dem vorherigen Pilgerweg in Moskau. Eine dieser jungen Teilnehmer, Ulli aus Deutschland, schreibt:

Meine erste Fahrt nach Moskau vor vier Jahren, bei der ich die Russisch-Orthodoxe Kirche entdeckt habe, war für mich eine unglaubliche geistliche Erfahrung. Obwohl ich wenig von der komplizierten Liturgie, der Sprache und dem liturgischen Reichtum und den religiösen Traditionen verstanden habe, hat mich die Atmosphäre in der orthodoxen Liturgie zutiefst berührt. Sie stellt in meinen Augen das Geheimnis des Glaubens in seiner reinsten Form dar. Ich hatte noch nie im Leben eine so tiefe Freude über die Auferstehung unseres Herrn verspürt. Diese zweite Fahrt nach Moskau war für mich wie eine Rückkehr an diese Quelle der tiefen und ernsten Freude, die ich mit nach Hause nehmen kann, in meinen Alltag und in meine Kirche. Denn es ist ein wunderbares und geheimnisvolles Gefühl, das die Unterschiede zwischen unseren Kirchen übersteigt. Deshalb bin ich all denen sehr dankbar, die diese Begegnung möglich gemacht haben und hoffe, dieser Pilgerweg wird eines Tages weitergehen.


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Überall ein herzlicher Empfang

Von vielen Teilnehmern war zu hören, wie beeindruckend sie von ihren Gastfamilien aufgenommen worden waren:

Varpu (Finnland)

Was mich in Moskau am meisten beeindruckte, war die Gastfreundschaft der hiesigen Christen. Man nahm uns so herzlich auf und die Menschen schienen so aufrichtig glücklich zu sein, uns bei sich zu haben, dass ich ein Gefühl der wahren Einheit verspürte. Das Entscheidende war, dass wir alle Christen sind! Alle wurden gleich behandelt, ungeachtet der Tatsache, aus welcher Kirche der Einzelne kam. Es war wunderbar, am Leben einer orthodoxen Gemeinde teilnehmen zu können und ihre Freude über die Auferstehung Christi zu sehen.

Sophia (Italien)

Moskau bleibt Moskau, mit seinen anonymen, grauen Häusern und all den Menschen mit so viel Farbe im Herzen: Farbe der Freude und des Glücks, weil Christus auferstanden ist. Das war das Orthodoxe Ostern für mich, ein Tsunami der Freude, der mein Herz erfüllte!


Eine Entdeckung des orthodoxen Glaubens

Für andere Teilnehmer war dieser Pilgerweg ein Ruf, sich den Glaubenden anderer Traditionen weiter zu öffnen und auf die Einheit zuzugehen:

Hélène (Frankreich)

Ostern in Moskau zu erleben, führt zum Wesentlichen zurück. Eine andere christliche Tradition zu entdecken, erinnert einen daran, dass die Liturgie zuallererst unser Herz anspricht. Die Orthodoxen Gesänge und Gebete in einer unverständlichen Sprache können dein Herz auf eine unglaubliche Art berühren. Am Samstagabend versammelte uns die Osterliturgie zu einem sehr fröhlichen und schönen Gebet. Ich musste wieder daran denken, dass die Unterschiede zwischen Christen angesichts des gemeinsamen Rufes verschwinden: Christus ist auferstanden: Er ist wahrhaft auferstanden!

Pablo (Chile)

In diesem Jahr konnte ich in der Karwoche Zeuge des fröhlichen und tiefen Glaubens der Orthodoxen Kirche sein. Dieses Zeugnis lässt mich noch stärker an die Ökumene und das harmonische Zusammenleben zwischen Christen glauben. In allen Ecken der Welt freuen sich die Menschen über das Evangelium und die Auferstehung unseres Herrn und feiern mit derselben Begeisterung in allen Ländern der Welt. Christus ist auferstanden und hat uns ein weiteres Mal seine Verheißung gegeben.

Tobias (Deutschland)

„Ich hoffe, dass ihr während eures Aufenthalts hier Russland in seiner ganzen Vielfalt kennenlernt.“ Dies sagte Abt Pyotr Yeremeyev des Vysoko-Petrovskiy Klosters während einer gemeinsamen Begegnung an der Orthodoxen Theologischen Universität. Er hatte recht, denn unser Programm in Moskau war sehr vielfältig: ein 700 Jahre altes Kloster und ein großes Osterfest nach dem Auferstehungsgottesdienst. In diesen verschiedenen Gebeten und all den Kerzen und erleuchteten Ikonen spürte ich Momente einer besonderen Schönheit.

Samuel (Frankreich)

Die orthodoxe Liturgie war auf verschiedenste Weise eine wahre Entdeckung für mich: die Schönheit der Liturgie mit den verschiedenen heiligen Zeichen; der Einklang der verschiedenen Stimmen des Chores, der das Beten unterstützt; die Länge der Gottesdienste. Diese Begegnung gibt mir Kraft, auch weiterhin für die Einheit der Christen zu beten.

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Ein wahres Fest der Auferstehung

Die Feier der Karwoche und des orthodoxen Osterfestes hat natürlich alle zutiefst beeindruckt.

Nikos (Griechenland)

Im Mittelpunkt unseres Pilgerwegs stand das Gebet, die schönen Gottesdienste jeden Morgen und Abend, zunächst die Feier des Letzten Abendmahls, und dann die Auferstehung unseres Erlösers.
Wir haben gesehen, was das Leben von Glaubenden bewirken kann, angefangen von den großen und herrlichen Kirchen, bis hin zur Lebenshingabe eines Märtyrers und, aus Liebe zu Christus, wie zum Beispiel Pfarrer Alexander Men. Licht – dieses interessante Wort bekam in diesen vier Tagen eine ganz wunderbare Bedeutung, denn wir haben es gesehen, wie es während der Gottesdienste auf den Gesichtern der russischen Christen und auch in der Natur in Moskau erstrahlt. Dieses Licht, das Licht der Auferstehung, hat unsere Herzen berührt und verändert. Dadurch können wir die wirkliche Bedeutung von Ostern in der orthodoxen Tradition verstehen, die Auferstehung unseres Retters, aber auch die Auferstehung unseres Lebens und der gesamten Natur: „Jetzt sind alle Dinge mit Licht erfüllt.“ (Troparion aus dem Osterkanon, Gedicht von Johannes Damascenus)

Maria (Rumänien)

Heiligenbilder an den Wänden, warme Farben, der Geruch von Weihrauch und Engelsstimmen haben uns in der Russisch-Orthodoxen Kirche willkommen geheißen. Eine neue Wirklichkeit von Kirche, in der die Menschen ihren Glauben mit Leidenschaft und Verehrung leben, ihren Traditionen strikt folgen und miteinander die Liebe Christi teilen.
Ich war tief berührt, eine so lebendige Kirche zu entdecken, die die Auferstehung in Fülle lebt. Nach einer über vierstündigen Liturgie halten die Menschen in der Kirche gemeinsam Mahl und machen den Ostertag auf diese Weise zu einem wahren Fest.

Printed from: http://www.taize.fr/de_article19084.html - 18 July 2019
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