Workshops in Taizé

In der Woche vom 9. bis 16. August fanden täglich über 20 verschiedene Thementreffen statt. Hier einige Reaktionen Jugendlicher. Weitere Erfahrungsberichte über die Versammlung für eine neue Solidarität hier.

- Glaube, Spiritualität und Inneres Leben
- Ökologie
- Kirche
- Gerechtigkeit
- Migration
- Solidarität
- Das Leben der Brüder der Communauté auf den anderen Kontinenten


Glaube, Spiritualität und Inneres Leben

Vorurteilen, Ungerechtigkeit und sozialem Druck Widerstand leisten

Melanie, Deutschland

Im gesellschaftlichen Leben müssen wir uns entscheiden, ob wir der Mehrheitsmeinung folgen oder uns ihr entgegenstellen. Letzteres bedeutet, gegen den Strom zu schwimmen. Dann steht man als Einzelner einer geschlossenen Mehrheit gegenüber.

In der christlichen Kultur neigt man dazu, zu allem Ja zu sagen. In gewisser Weise haben wir es verlernt, Nein zu sagen. Aber es gibt problematische Situationen, in denen die Christen die Ersten sein müssten, die Nein sagen. Angesichts von Diskrimination, Unterdrückung, Ausbeutung, Gewalt und Homophobie müssten die Christen eigentlich unter den Ersten sein, die aufstehen und all dem ein Ende bereiten.

Menschen wie Dietrich Bonhoeffer und Malala können uns Vorbilder sein, um für etwas zu kämpfen, das wir als gerecht erachten. Manchmal kann ein einziger Mensch viel verändern. Wenn wir uns der Mehrheit entgegenstellen wollen, dürfen wir also nicht alleine bleiben, sondern müssen uns einsetzen und mindestens eine zweite Person finden, um gemeinsam Nein zu sagen zu den bestehenden Vorurteilen, zu Ungerechtigkeit und sozialem Druck.



Ökologie

Wem gehört die Erde? In Solidarität mit der Schöpfung Gottes leben

Joana, Portugal

Dieser Workshop hat mich tief beeindruckt. Pastor Dave Bookless hat all das angesprochen, was mir seit Jahren durch den Kopf geht, vor allem was aus einer christlichen Sicht die Bedeutung der Artenvielfalt auf unserem Planeten betrifft. Man darf sich nicht mit dem Gedanken begnügen, dass Gott nur uns liebt. Gott liebt alles in Seiner Schöpfung und wir sind nicht nur dazu da, über alles zu herrschen.

Ich habe einmal versucht, in meiner Kirchengemeinde und meiner Jugendgruppe über diese Gedanken zu sprechen. Das war alles andere als einfach. Oft hat mich das Desinteresse der anderen am Boden zerstört. Jetzt spüre ich eine neue Kraft und neue Motivation, um in meiner Gemeinde eine Umkehr von innen heraus anzustoßen; dazu möchte ich auch mit „A Rocha“, einer internationalen christlichen Organisation, zusammenarbeiten, die sich für die Bewahrung der Schöpfung einsetzt.

Nach dem Vortrag von Pastor Dave konnten wir Fragen stellen. Dabei stellte ich fest, dass alle Anwesenden sehr motiviert waren, einen Beitrag zu diesem christlichen Verständnis der Ökologie zu leisten.



Kirche

„An die Ränder der Gesellschaft gehen“: Der Aufruf von Papst Franziskus, eine arme Kirche für die Armen aufzubauen

Carmen (Spanien)

P. Mariano Puga aus Chile hat jedem von uns die Frage gestellt: Welchen Stellenwert haben für uns, die Jünger Jesu von Nazareth, die Armen?
Das Leben Jesu zeigt uns, dass die Berufung eines Christen untrennbar damit verbunden ist, unser Leben mit den Ärmsten zu teilen, mit all denen, die leiden. Das ist mehr, als ein „praktizierender Christ“ zu sein, d.h. sonntags in die Kirche zu gehen und kirchlich zu heiraten. Als Christen müssen wir uns die Frage stellen: Offenbart sich unser Gott tatsächlich in den Armen, in denen, die leiden? Sind wir Jugendlichen heute in der Lage, unser Leben mit diesen Menschen zu teilen?



Gerechtigkeit

„Glücklich, die nach Gerechtigkeit dürsten“: Gedanken eines polnischen Strafrichters zu dieser Seligpreisung

Ela (Polen)

Ich fand sehr interessant, was der Richter Pawel Kwiatkowski sagte: Er sieht seine Arbeit in erster Linie als einen Dienst an der Gemeinschaft, es geht dem zuallererst darum, sich um die Allerärmsten zu kümmern. Es war faszinierend ihm zuzuhören. Er versucht sich jedes einzelnen Falles anzunehmen zu gut er kann; dabei ist ihm bewusst, dass vor Gericht nur Lösungen im Rahmen der Gesetze gefunden werden können, dass es aber auch menschliche Lösungen braucht. Wir können von ihm lernen, dass man immer wieder versuchen muss sich daran zu erinnern, dass wir in Jesus Christus eine Quelle der Hoffnung für unserer tägliches Leben finden können


Migration

Für eine größere Gerechtigkeit Migranten gegenüber

Pia-Mareike (Deutschland)

Durch die verschiedenen Workshops konnte ich Christen in ihrem Alltag kennenlernen, die verschiedenste Berufe ausüben und aus ganz verschiedenen sozialen Schichten kommen. Sie haben uns gezeigt, dass man durchaus Arbeit und ein Leben als Christ miteinander verbinden kann. Mir ist bewusst geworden, dass ich das Gleiche tun kann.

Amaya Valcarcel, eine Anwältin, die sich im Jesuit Refugee Service (Flüchtlingsdienst der Jesuiten) für das Recht der Flüchtlinge einsetzt, sagte: „Wir können nicht alles tun, aber wir können etwas tun und wir können das, was wir tun, wirklich gut machen.“


Solidarität

Drogenabhängigkeit und Prostitution zu entkommen, ist möglich!

Amélie, Frankreich)

Isabelle, eine engagierte Mitarbeiterin der Organisationen „Le Nid (Das Nest)“ war mit zwei Frauen nach Taizé gekommen, um uns ihre Arbeit vorzustellen: Sie sprechen während der Nacht Prostituierte an und laden sie in ihren Treffpunkt ein, wo ihnen angeboten wird, oder einfach jemand da ist, um ihnen zuzuhören.

Die Mitglieder dieser Organisation haben sich zum Ziel gesetzt, die Prostitution eines Tages zum Verschwinden zu bringen. Isabelle erklärte, dass die überwiegende Mehrheit (über 80 %) der betroffenen Personen Opfer von mehr oder weniger mafiösen Netzen sind. Die Organisation „Le Nid“ setzt sich konkret für Gesetzesänderungen ein: Der Opferstatus der Prostituierten – sowohl weiblichen als auch männlichen Geschlechts – soll anerkannt und die Kunden strafrechtlich verfolgt werden können.

Die Organisationen „Le Nid“ bietet den Prostituierten einen sicheren Ort, an dem sie über ihre Zukunft nachdenken und ihrer Situation entkommen können. Auf diese Weise können Menschen anfangen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Im Anschluss kamen zwei ehemalige Prostituierte selbst zu Wort, die durch die Hilfe des „Nid“ ihr Leben ändern konnten. Ihre Berichte waren sehr beeindruckend: diese Frauen litten zugleich unter der Last von Lüge und Gewalt, denen sie ausgesetzt waren. Beide kamen nach Frankreich, weil man ihnen Arbeit im Land versprochen hatte. Gleichzeitig war bei ihnen die Hoffnung zu spüren, ein neues Leben zu beginnen.


Das Leben der Brüder der Communauté auf den anderen Kontinenten

Südkorea: Verschiedene Formen, einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten

Borja, Spanien

Wir hatten die Gelegenheit, an einem ausgezeichneten Workshop mit vier Brüdern aus Taizé teilzunehmen, die seit vielen Jahren in Südkorea leben. Ihr Lebenszeugnis und ihre Erfahrung sind eine wahre Quelle der Inspiration für Menschen, die sich für Frieden und Versöhnung auf der Welt einsetzen.

Durch diese Begegnung konnten wir entdecken, dass das, was in Taizé gelebt wird, auch woanders möglich ist. Indem sie Gefangene besuchen, gemeinsame Gebete und viele andere Dinge organisieren, schenken die Brüder den Menschen, mit denen sie zusammenleben, Hoffnung und ein offenes Ohr.

Ich komme nun schon seit acht Jahren nach Taizé und stelle mir jedes Mal bei der Abfahrt die gleiche Frage: Kann man das, was man in einer Woche hier „gelernt“ hat, mit nach Hause nehmen? Wie kann man es im eigenen Umfeld umsetzen? Ist Versöhnung auf der Welt überhaupt möglich? Wir können die Welt nicht in einem Tag verändern, aber mit kleinen Dingen beginnt bereits etwas Neues. Frère Roger sagte: „Das Wenige, das man vom Evangelium versteht, in die Tat umsetzen.“

Printed from: http://www.taize.fr/de_article19650.html - 8 December 2019
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