Frère Alois bei der Bischofssynode in Rom

Am 3. Oktober begann in Rom die Bischofssynode zum Thema „Jugend, Glaube und Berufung“, zu der Bischöfe aus der ganzen Welt, Experten, Jugendliche und Delegierte der verschiedenen Kirchen mit Papst Franziskus zusammenkommen. Frère Alois nimmt als „besonderer Gast“ ebenfalls an der gesamten Synode teil.

Gebete mit Gesängen aus Taizé

In den nächsten Wochen finden im Zusammenhang mit der Synode in Rom zwei gemeinsame Gebete mit Gesängen aus Taizé statt, zu denen alle eingeladen sind. Näheres auf den italienischen Internetseiten von Taizé [https://www.taize.fr/it_article24813.html]


Redebeitrag von Frère Alois bei der Synode

Die spirituelle Sehnsucht junger Menschen und ihre Suche nach Gemeinschaft

In den Artikeln 68 und 69 des Arbeitspapiers (instrumentum laboris) der Synode ist von einem „relationalen Ansatz“ die Rede, vom Wunsch nach einer Kirche, die „willkommen heißt, ohne vorher zu urteilen“, einer Kirche „der Freundschaft und der Nähe“.

Wir Brüder sind oft überrascht, wenn junge Menschen, die zu uns kommen, sagen, dass sie sich in Taizé „wie zu Hause“ fühlen. Und wir fragen uns, woher das kommt. Vielleicht können junge Menschen nur wirklich sie selber sein, wenn sie das Gefühl haben, gebraucht zu werden. Sie müssen ihre Kreativität bestätigt sehen und Verantwortung übertragen bekommen.

Dann kann ihre geistliche Sehnsucht erwachen. Es ist wichtig, sich Zeit zu nehmen, um mit ihnen zu den Quellen des Glaubens zu gehen. Sie wissen, dass sie in Taizé bei einer Gemeinschaft von Brüdern zu Gast sind, an deren Gebet sie aktiv teilnehmen – im gemeinsamen Singen, im Hören einer kurzen Bibellesung und in einem langen Moment der Stille. Oft vertiefen junge Menschen auf diese Weise eine persönliche Beziehung zu Christus.

Wir vermeiden jeden Formalismus in den liturgischen Zeichen. Diese sollen vielmehr einfach und schön sein. Wir beobachten zum Beispiel, mit welcher inneren Anteilnahme Jugendliche jeden Freitagabend vor dem Kreuz beten und auf diese Weise Christus das überlassen, was für sie im Leben ganz besonders schwer ist.

Wir sagen uns: ‚Hören wir ihnen, wie Christus, mit unserem Herzen zu und denken wir daran, dass Christus bereits in ihrem Leben am Wirken ist – achten wir ihr Gewissen wie etwas Heiliges!‘ Doch wer anderen zuhört, muss sich auch selbst von jemandem begleiten lassen. Es fehlen in der Kirche Menschen, die andere begleiten können: Könnte dieser Dienst des Zuhörens – über die Priester und Ordensleute hinaus – nicht auch Laien, Männern und Frauen, übertragen werden?

In Taizé entdecken die Jugendlichen außerdem, dass die Kirche Gemeinschaft ist. Wir haben nie eine organisierte Bewegung geschaffen, sondern die junge Menschen stets ermutigt, in ihre Kirchengemeinden zu Hause zurückzugehen. Viele von ihnen beten regelmäßig zusammen mit anderen Jugendlichen verschiedener Konfessionen. Sie verstehen, und sei es nur indirekt, dass Christus uns auffordert, uns unverzüglich zu versöhnen.

Wir haben vor Kurzem auf unserem „Pilgerweg des Vertrauens“, bei einem Jugendtreffen in Hongkong, diese Erfahrung der Gemeinschaft gemacht. Über 700 der jungen Teilnehmer konnten aus dem Festland China zu diesem Treffen kommen – das war die Freude des Heiligen Geistes.

Ich möchte an dieser Stelle noch einen konkreten Vorschlag machen: Wortwahl und Sprache hindern junge Menschen oft daran, die Botschaft der Kirche zu hören. Könnte zusammen mit dem Schlussdokument der Synode nicht ein kurzer, in einfacher Sprache gehaltener Brief an einen jungen Menschen veröffentlicht werden, der einen Sinn für sein Leben sucht?

Zum Abschluss möchte ich das, was ich gerade gesagt habe, mit zwei Sätzen von Frère Roger, dem Gründer unserer Communauté, zusammenfassen:


„Wenn die Kirche zuhört, wenn sie heilt und die Versöhnung lebt, wird sie zu dem, was sie dort ist, wo sie am hellsten leuchtet: Eine Gemeinschaft der Liebe, des Erbarmens und des Trostes, ein lauterer Widerschein des auferstandenen Christus. Wenn sie nie auf Distanz oder in Abwehrhaltung geht, und sich von jeglicher Strenge befreit, kann ihr demütiges Vertrauen des Glaubens bis tief in unser Herz strahlen.

Printed from: http://www.taize.fr/de_article24819.html - 26 May 2020
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