Grußbotschaften an die Teilnehmer des Treffens

Auf dieser Seite werden die Grußbotschaften an die Teilnehmer des 41. Europäischen Taizé-Treffens in Madrid von Kirchenführern und internationalen Organisationen sowie der Bürgermeisterin von Madrid veröffentlicht.

- Papst Franziskus
- Der ökumenische Patriarch von Konstantinopel Bartholomäus
- Das Moskauer Patriarchat
- Der Erzbischof von York, John Sentamu, Primas von England
- Der Generalsekretär des Weltkirchenrats, Olav Fykse-Tveit

Weitere Grussbotschaften auf der englischen und französischen Seite


Papst Franziskus

Liebe Jugendliche,
Viele Menschen aus ganz Europa und von den anderen Kontinenten sind nach Madrid gekommen, um an dem 41. von der Communauté von Taizé organisierten Treffen teilzunehmen. Ihr seid eingeladen, „die Gastfreundschaft nicht zu vergessen“. Dieses Thema wird eure Gespräche und euer Gebet leiten, und ihr werdet bei den internationalen Treffen in Taizé, in Beirut und Kapstadt weiter darüber nachdenken. Dabei möchte Papst Franziskus euch seine geistliche Nähe versichern. Nach der kürzlichen Bischofssynode in Rom über „Jugend, Glaube und Berufungsentscheidung“ möchte euch der Papst noch einmal versichern, dass er euch zusammen mit der ganzen Kirche sein Vertrauen schenkt. Der Heilige Vater dankt euch auch dafür, dass ihr euch entschieden habt, an diesem Treffen teilzunehmen, euch dem Herrn und seinem Wort zu öffnen, um eine Kultur der Begegnung sichtbar werden und entstehen zu lassen, indem ihr euch in Achtung eurer Unterschiede gegenseitig annehmt.

Der Papst wünscht euch, dass ihr „nie den Geschmack an der Freude der Begegnung und der Freundschaft verliert, den Geschmack daran, gemeinsam zu träumen und mit den anderen unterwegs zu sein. (Denn) authentische Christen scheuen nicht davor zurück, sich anderen gegenüber zu öffnen, ihre Lebensräume zu teilen und sie so in Orte der Brüderlichkeit zu verwandeln.“ (Botschaft zum XXXIII. Weltjugendtag, 25. März 2018). Er lädt euch ein, dem Herrn einen Platz in eurem Leben zu geben und zu entdecken, dass es durch die Freundschaft mit Jesus möglich ist, eine großzügige Gastfreundschaft zu leben, zu lernen, sich durch die Unterschiede anderer bereichern zu lassen und die eigenen Talente zu verwirklichen, um Brückenbauer zwischen den Kirchen, Religionen und Völkern zu werden.

Der Papst bittet den Heiligen Geist auch, euch – junge evangelische, katholische und orthodoxe Christen – zu helfen, im Vertrauen auf Gott zu wachsen, der euch so aufnimmt und so liebt, wie ihr seid, und der euch aufruft, eure Unterschiede als einen Weg der Gemeinschaft anzunehmen.

Möge das Beispiel Marias, deren „kühne Liebe, die ganz auf Selbsthingabe abzielt“, euch ermutigen, „diese Liebe, die uns antreibt, Gott über alles und über uns selbst hinaus zu lieben, die Menschen zu lieben, mit denen wir den Alltag teilen“ (ebd.), konkret zu leben. Mit einem Herzen voller Hoffnung ermutigt euch der Heilige Vater, mit der Gnade Gottes, die Aufnahme und Unterstützung eurer älteren Brüder und Schwestern im Glauben, eure Talente, Energie und Kraft einzusetzen, um die Welt zu verbessern und sicherzustellen, dass jeder Mensch seinen Platz in der großen Menschheitsfamilie findet. Er zählt auf euch und euren Enthusiasmus, um die Herausforderung der Gastfreundschaft anzunehmen, insbesondere indem ihr den verwundeten Menschen nahe seid und den Kleinen und Armen, die abgelehnt oder ausgeschlossen werden!

Indem der Heilige Vater euch dem Herrn anvertraut, damit ihr ihn nach dem Beispiel der Jungfrau Maria aufnehmt und ihm ermöglicht, euch mit seiner Freude zu erfüllen, gibt er euch von ganzem Herzen seinen Segen, euch jungen Teilnehmern an diesem Treffen, den Brüdern von Taizé sowie allen Menschen, die euch in Madrid ihre Türen öffnen und euch aufnehmen.

Kardinal Pietro Parolin, Staatssekretär Seiner Heiligkeit


Der ökumenische Patriarch von Konstantinopel Bartholomäus

Liebe Jugendliche,

in diesem Jahr trefft ihr euch in Madrid, in Spanien, um besser in Gebet und Gemeinschaft ins neue Jahr hinüberzugehen, das mehr denn je euer Engagement herausfordert, „Salz der Erde“ und „Licht der Welt“ zu sein (Mt 5,13-14). Die Stärke der christlichen Berufung unter den Menschen setzt die Bemühungen der Kirchen um Einheit voraus. Auf ihrer Reise durch die Geschichte haben die Kirchen und christlichen Gemeinschaften stets versucht, die Integrität des Leibes Christi zu bewahren. Selbst wenn heute diese Einheit immer wieder erschüttert wird, bleiben der Wunsch und die Sehnsucht nach Annäherung, in welcher der ökumenische Dialog besteht. Dies ist nicht nur eine Glücksfall, sondern auch eine Gelegenheit.

Wir freuen uns ganz besonders über dieses 41. Europäische Jugendtreffen. In diesen Tagen werdet ihr zum einen die Vielfalt des Christentums in den vielen menschlichen Beziehungen kennenlernen und zum anderen auch die Geschichte und das Leben der Ortskirchen, die euch aufnehmen. Denn die Europäischen Jugendtreffen von Taizé sind vor allem eine Möglichkeit, den Reichtum des geteilten Glaubens zu erleben, der in der Kultur und der Zivilisation, die er im Lauf der Zeit geprägt hat, zum Ausdruck kommt.

Aber es gibt keine wahre Begegnung ohne den Geist der Gastfreundschaft, der sie nährt. In der orthodoxen Kirche ist die theologische Auffassung vom Göttlichen ein Bild Gottes als Begegnung und Gemeinschaft, als Gastfreundschaft und Integration. Deshalb ist die traditionelle Ikone des dreifaltigen Gottes eine Darstellung von drei Fremden in der Gestalt von Engeln, die Abraham unter der Eiche von Mamre empfängt, wie es im 18. Kapitel der Genesis beschrieben wird. Er betrachtete diese Menschen nicht als Gefahr oder Bedrohung für seine Gewohnheiten oder seinen Besitz. Im Gegenteil, er hat spontan und offen seine Freundschaft und sein Essen mit ihnen geteilt. Als Belohnung für seine unvoreingenommene Gastfreundschaft wurde Abraham versprochen, was völlig unmöglich schien, nämlich Nachkommen – trotz der Unfruchtbarkeit seiner Frau. Gastfreundschaft ist ein Geschenk und eine Gnade.

Derjenige hat recht, der auf die Bereitschaft zum Dialog und zur Zusammenarbeit von Völkern mit unterschiedlichen religiösen Überzeugungen baut, der die Tür für ein Zusammenleben der ganzen Menschheit in einer friedlichen Welt öffnet. Wie viele Ausländer werden wir an unserem Tisch aufnehmen? Diese Frage stellt sich uns auch bei der Einheit der Christen. In einem offiziellen Dokument mit dem Titel „Die Sendung der orthodoxen Kirche in der heutigen Welt“ sagt das Heilige und Große Konzil der orthodoxen Kirche im Juni 2016 zu den Themen Gastfreundschaft, Frieden und Gerechtigkeit: „Die orthodoxe Kirche hält es für ihre Pflicht, alles zu fördern, was wirklich im Dienste des Friedens steht und den Weg öffnet zu Gerechtigkeit, Brüderlichkeit, wahrer Freiheit und gegenseitiger Liebe unter allen Kindern des einen himmlischen Vaters und unter allen Völkern, die eine einzige Menschheitsfamilie bilden. Sie leidet mit allen, denen in verschiedenen Teilen der Welt die Güter des Friedens und der Gerechtigkeit vorenthalten werden.“

Nun beten wir für euch und segnen euch. Möge die Gnade der Einheit in jedem von euch erstrahlen und Hoffnung bringen, die das Leben der Kirche unterstützt, damit ihr würdige Arbeiter im Weinberg des Herrn seid.


Das Moskauer Patriarchat

Im Namen des Patriarchen Kyrill von Moskau und ganz Russland und in meinem eigenen Namen begrüße ich alle diejenigen, die heute in Madrid zum jährlichen Treffen der christlichen Jugend versammelt sind, das von der monastischen Gemeinschaft von Taizé organisiert wird. Ich wünsche euch allen ein frohes Weihnachtsfest und ein frohes neues Jahr.

Das Kommen unseres Herrn Jesus hat den Weg zu einem neuen Leben geöffnet, welcher der Menschheit das Licht einer unauslöschlichen Hoffnung angeboten, geistliche Verklärung und moralische Vollkommenheit angeregt hat, weil Christus "nicht gekommen ist, um die Welt zu richten, sondern um die Welt zu retten" (Joh 12,47).

Das von der Gemeinschaft von Taizé organisierte Jugendtreffen zeigt auf eindrucksvolle Weise, dass die christlichen Jugendlichen die Notwendigkeit der Zusammenarbeit verstehen, um die christlichen Werte der Nächstenliebe und der Solidarität im Bewusstsein der Menschen zu verankern. „Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr einander liebt“ (Joh 13,35). Wahre Liebe, aktive Liebe, ist eines der grundlegenden Kriterien der Treue zum Evangelium. Deshalb sind die Initiativen, die von jungen Menschen gemeinsam ergriffen werden, vereint durch das gleiche Bestreben, um euch herum Gutes zu tun, für das authentische Zeugnis Christi für die heutige Welt von großer Bedeutung.

Das Thema des diesjährigen Treffens lautet: „Vergessen wir die Gastfreundschaft nicht!“ Die heutige Welt durchlebt schwierige Zeiten von Krieg und Konflikten, die viele Menschen zwingt, ihre Heimat zu verlassen, um Sicherheit und eine bessere Zukunft woanders zu suchen. Es ist kein Wunder, dass Flüchtlingsströme in die wohlhabenden Länder Europas ziehen. Unter diesen Bedingungen ist es wichtig, dass die Christen Europas Solidarität und Gastfreundschaft gegenüber den Bedürftigen zeigen, in jedem Menschen im Exil Christus sehen, in einem Stall geboren und ohne Platz, um sein Haupt hinzulegen. Ein tiefes Versprechen der Solidarität zu allen Menschen liegt in der Gotteskindschaft jedes Menschen, die sich uns in der Geburt Christi und damit in ihrer Einheit als Schwestern und Brüder offenbart, und die über alle nationalen und sozialen Unterschiede hinausgeht. In Christus, der uns diesen Bruder und diese Schwesternschaft geschenkt hat, „gibt es nicht mehr Griechen oder Juden, Beschnittene oder Unbeschnittene, Fremde, Skythen, Sklaven oder Freie, sondern Christus ist alles und in allen.“ (Kolosser 3,11)

Bezeugt die Liebe Christi, der den Hass dieser Welt überwunden hat, indem ihr den Menschen in eurer Nähe und allen Menschen helft und die unterstützt, die eure Hilfe brauchen. Lasst uns alles in unserer Macht Stehende tun, um sicherzustellen, dass es im kommenden Jahr mehr Liebe zwischen den Menschen in der Welt gibt. Lasst uns sicherstellen, dass das Weihnachtslied der Engel, „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden, den Menschen guten Willens“ (Lukas 2,14), jedes menschliche Herz vor Freude schwingen lässt!

Möge der Segen Gottes mit euch allen sein. Mit meiner Freundschaft im Herrn.

Hilarion, Metropolit von Wolokolamsk, Präsident der Außenabteilung des Moskauer Patriarchats


Der Erzbischof von York, John Sentamu, Primas von England

In diesen Weihnachtstagen feiern wir die herrliche Wahrheit, dass Jesus gekommen ist, um unter uns zu leben. Alleluja! Möge Gott euch alle segnen, wenn Taizé nach Madrid kommt, um Gottes Gastfreundschaft zu feiern!

Obwohl es in der Herberge keinen Platz gab, haben Maria und Josef ein Platz für das Jesuskind gefunden, und das Neugeborene wurde in eine Krippe gelegt. Zumindest Fremde, Hirten und Magier haben es angenommen. Mit ihnen zusammen sind wir alle an der Weihnachtskrippe willkommen, wo wir mit ihnen zum Hirtenkönig kommen, wir beugen die Knie in Anbetung. So finden auch wir unsere Wohnstatt in ihm.

Gott hat immer ein Zuhause für uns. Das Land, das er geschaffen hat, ist heute unser kostbares Zuhause, das wir bewahren, pflegen und mit anderen teilen müssen. Wir müssen durch die Kraft des Heiligen Geistes dafür sorgen, dass es eine gastfreundliche Welt bleibt – für unsere Mitmenschen, für diejenigen, die heute auf uns angewiesen sind, und für die kommenden Generationen. Vergessen wir die Gastfreundschaft nicht!

Jesus versprach vor seinem Tod und seiner Auferstehung, dass er uns einen Ort bereiten werde. Seine Güte kennt keine Grenzen. Wie der Sohn, der in der von ihm erzählten Geschichte zu seinem Vater zurückkehrt, sind wir immer willkommen, wenn wir zu Gott umkehren. Und alle Engel im Himmel freuen sich!

Freut euch über den Empfang, den Gott euch schenkt, wenn ihr diese Woche in Spanien in Jesus versammelt seid! Und möge der Heilige Geist euch mit Gnade erfüllen, damit ihr diesen Empfang, wohin ihr auch geht, mitnehmen könnt.


Der Generalsekretär des Weltkirchenrats, Olav Fykse-Tveit

„Ihr seid jetzt nicht mehr Fremde ohne Bürgerrecht, sondern Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes.“ (Epheser 2,19).

Es ist mir eine Freude, euch junge Pilger, mit denen wir im Glauben unterwegs sind, im Namen dieser universellen Gemeinschaft von Christen und christlichen Gemeinschaften, dem Weltkirchenrat, begrüßen zu dürfen, wenn ihr in Madrid zum 41. Europäischen Jugendtreffen von Taizé zusammenkommt.

Seit vielen Jahrzehnten schöpft die ökumenische Bewegung bei der Communauté von Taizé Kraft, Dynamik und Inspiration.

An Taizé sehen wir, dass es bei der Ökumene nicht nur darum geht, Unterschiede oder alte Spaltungen zwischen Christen zu überwinden. Es geht darum, eine Gemeinschaft, eine Freundschaft oder „koinonia“ aufzubauen, die auf unserer Beziehung durch Christus zu Gott beruht, und uns aus einer starken Sehnsucht heraus für Gerechtigkeit in der Welt einzusetzen. Die ökumenische Bewegung muss auf der Liebe aufbauen. Es geht darum, das Fundament, das aus einem gemeinsamen Glauben, einem gemeinsamen Leben, dem Miteinanderteilen von Gebet, Gesang und Stille entsteht, tief zu erfahren. Es geht darum, unsere Kirchen zu erneuern und zu beleben und die Welt durch Solidarität in der Liebe zu verändern.

Taizé verkörpert in vielerlei Hinsicht das Beste, was in der ökumenischen Bewegung möglich ist.

Mögen diese Tage für euch eine Zeit der Begegnung und des Wachsens in der Freundschaft sein, eine Zeit des wohlwollenden Miteinanderteilens, eine Zeit der Brüderlichkeit und des geistlichen Fortschritts, eine Zeit der Inspiration und der Erneuerung – mit anderen Worten: eine Begegnung, in der ihr Gastfreundschaft erfahrt und anbieten könnt, sodass ihr, wie die Bibel sagt, nicht mehr Fremde seid, sondern Freunde und Mitglieder der großen Familie Gottes.

Tatsächlich ist die Gastfreundschaft, für die Taizé ein Beispiel ist, nicht nur eine Form von Höflichkeit. Gastfreundschaft ist nicht nur Ausdruck einer unserer guten Seiten, sondern auch eine Beziehung, die wir eingehen: eine Beziehung der fürsorglichen und vertrauensvollen Gastfreundschaft, der gegenseitigen Freundschaft, des Miteinanderteilens von Nahrung und Wohnung. Dazu gehört zwangsläufig, sich verletzlich zu machen und manchmal sogar Risiken einzugehen. Wir lassen andere in unser Haus und damit in unser Herz.

Gastfreundschaft ist eine Form der bedingungslosen Annahme des anderen aus Liebe. Das ist die besondere Gabe, das Charisma von Taizé.

Es ist auch eine grundlegende biblische Herausforderung, vor die Gott selbst uns stellt: Seine bedingungslose und niemals diskriminierende Liebe bedeutet, dass Gott es ist, der uns in dieser Welt aufnimmt, und in Christus teilen wir mit anderen diesen Segen der Zugehörigkeit zu ein und derselben Familie.

Gott ist wirklich unsere „Zuhause“ – wo immer wir leben oder uns bewegen – und dadurch werden wir zur Familie Gottes, „ein Ort, an dem Gott wohnt“, wie es im Brief an die Epheser heißt.

Eine solche einladende Liebe – frei angeboten und demütig empfangen – ist heute auf der ganzen Welt nötig: ob es darum geht, Einwanderer aufzunehmen, die Sicherheit von Flüchtlingen zu gewährleisten, für Obdachlose und Bedürftige zu sorgen oder andere zu verstehen, einen einfühlsamen Dialog mit denen zu führen, die anders sind als wir. Unsere liebevolle Gastfreundschaft kann Leben retten, Gemeinschaft stiften und unserer Zeit Erlösung bringen.

Ihr seid die „Vorhut“ der ökumenischen Bewegung der Liebe, nicht nur in der Zukunft, sondern bereits jetzt. Deshalb bete ich, dass dieses Treffen in Madrid eure Herzen stärken und euer Engagement und eure Liebe zu Gott und zu dieser von Gott geschaffenen Welt erweitern möge.

Mit euch in Christus verbunden


Printed from: http://www.taize.fr/de_article25309.html - 15 September 2019
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