Fastenzeit: Die Freude der Vergebung

Dienstag, 5. März

Wir Brüder freuen uns, dass ihr diese Woche so zahlreich da seid. Schon in den letzten zwei Wochen waren viele junge Franzosen auf dem Hügel, nachdem wir den Winter über fast alleine hier waren. Ein paar Wochen lang waren sogar mehr junge Freiwillige hier als Besucher. Und jetzt sind über 2000 junge Portugiesen und Jugendliche aus anderen Ländern da.

Morgen beginnt die Fastenzeit. Vor diesen vierzig Tagen, in denen wir auf Ostern zugehen, kommt mir das Bild der Wüste, in der Jesus vierzig Tage völlig allein verbracht hat, oder in der lange zuvor das Volk Gottes vierzig Jahre lang unterwegs war.

Frère Roger, der das Leben unserer Communauté begonnen hat, sagte oft, dass diese Wochen vor Ostern keine trockene oder traurige Zeit seien, und auch keine Zeit, um sich Vorwürfe zu machen, sondern vielmehr eine Zeit, um die Freude der Vergebung zu singen. Er sah die Fastenzeit als vierzig Tage der Vorbereitung an, um die kleinen Zeichen des Frühlings in unserem Leben wiederzuentdecken.

Am Anfang des Markusevangeliums ruft Jesus diejenigen, die ihm zuhören, zur Umkehr auf. Er sagt: „Wendet euch Gott zu und glaubt an das Evangelium.“ Ja, in der Fastenzeit möchten wir uns Gott zuwenden und seine Vergebung annehmen.

Durch seine immerwährende Vergebung ermöglicht Gott uns, unser inneres Leben neu zu gestalten. Er lädt uns zur Umkehr ein: nicht damit wir um uns selbst kreisen, sondern um nach Gemeinschaft mit Gott und mit den Menschen um uns herum zu suchen.

Diese Umkehr betrifft auch unsere Beziehung mit der Schöpfung. Über die Schöpfung zu staunen, hilft uns, mit der Umwelt respektvoller umzugehen.


Die Fastenzeit ist eine Zeit des Verzichtens, der Vereinfachung unseres Lebens. Askese hat keinen Wert in sich, aber unsere Lebensweise zu vereinfachen, kann uns helfen zu entdecken, wonach wir uns zutiefst sehnen, unser Verlangen nach dem Wesentlichen. Das erlebt ihr in dieser Woche hier. Ihr lebt sehr einfach und kommt mit wenig aus, dennoch seid ihr fröhlich und entdeckt, dass Stille gut tun kann.

In diesem inneren Kampf verlassen wir uns nicht auf unsere Kraft, sondern wir vertrauen uns seiner Gegenwart an. Unser Weg ist nicht vorgezeichnet, sondern wir müssen uns immer wieder mit Überraschungen zurechtfinden und Neues schaffen mit dem, was wir nicht erwartet haben.

Doch Gott wird nie müde, mit uns zusammen immer wieder von vorne anzufangen. Wir können daran glauben, dass eine Gemeinschaft mit ihm möglich ist, und können auch unseren Kampf immer und immer wieder neu beginnen. Und das tun wir nicht, um vor Gott gut dazustehen. Nein, wir sind bereit, wie arme Menschen des Evangeliums unterwegs zu sein – wie Menschen, die auf Gottes Barmherzigkeit vertrauen.

Die Fastenzeit ist auch eine Zeit, die uns zum Miteinanderteilen einlädt. Bei einer anderen Gelegenheit war Jesus in der Wüste tief bewegt beim Anblick von vielen Menschen, die ihm gefolgt waren und die nichts zu essen hatten. Mit fünf Broten und zwei Fischen gab er allen zu essen. Welche Zeichen des Miteinanderteilens können wir setzen?


Morgen werden wir mit zwei Symbolen den Beginn der Fastenzeit begehen. Das erste Zeichen ist das der Aschenauflegung. Während des Morgengebets werden Brüder jedem, der möchte, ein Aschenkreuz auf die Stirn machen und dabei die Worte sprechen: „Wende dich Gott zu und vertraue dem Evangelium.“ Dies ist eine sehr alte Geste, die uns zur Demut aufruft.

Das zweite Zeichen ist eine liturgische Geste, die aus der orthodoxen Tradition, aus der Ostkirche stammt. Während des Abendgebets kann sich jeder, der möchte, mit Öl auf der Stirn salben lassen. Dabei sagen die Brüder die Worte: „Das ist die Salbung der Heilung, die Salbung des Festes.“

Die Asche und das Öl, das wir morgen empfangen, sind zwei Symbole, die uns zur Vergebung und zu einem Fest einladen. Möge diese Fastenzeit für jeden Einzelnen von uns eine Zeit der Freude sein. Die Freude der Vergebung, die Freude der Versöhnung.


[Foto: Cédric Nisi]

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