Unsere Erde ist ein wertvolles Geschenk Gottes

Donnerstag, 25. Juli

Heute Abend möchte ich besonders diejenigen unter uns begrüßen, die aus zwei Ländern kommen, die diese Woche in Taizé stark vertreten sind: dem Libanon, wo wir Ende März eine schöne Etappe auf dem „Pilgerweg des Vertrauens“ hatten, und Hongkong, mit dem uns viele Freundschaften verbinden.

Wie ihr wahrscheinlich wisst, können wir so viele von euch in Taizé aufnehmen, weil junge Freiwillige hier mitleben. Ich möchte ihnen heute von ganzem Herzen danken, dass sie diesen Sommer da sind.

Diese jungen Menschen helfen beim Empfang und vielen anderen Arbeiten mit, aber die Zeit als Freiwillige ist für sie auch eine Gelegenheit, über den eigenen Glauben nachzudenken und den Sinn des Lebens zu suchen.

Für uns Brüder ist es eine der schönsten Aufgaben in der Nachfolge Jesu, anderen zuzuhören und diejenigen zu begleiten, die zu uns kommen. Durch dieses Zuhören bekommen wir auch etwas davon mit, welch richtungsweisende Ideen eure Generation hat.

Eines dieser Zeichen der Zeit, auf die ihr uns aufmerksam macht, spricht mich besonders an: Das Engagement vieler junger Menschen für die Bewahrung der Schöpfung, für Ökologie und nachhaltige Entwicklung.

Wir beobachten, wie viele Initiativen an der Basis entstehen, die mit einem sehr konkreten Engagement verbunden sind. Diese Initiativen scheinen mir zunehmend auch Auswirkungen auf die Politik zu haben.

Viele von euch empfinden, wie dringend es ist, angesichts des Klimawandels zu handeln. Die Erde ist erschöpft, ihre Vorräte werden über die Maße ausgebeutet.
Angesichts dieser enormen Herausforderungen könnten viele von Entmutigung oder Zukunftsangst befallen werden, wo wir eigentlich über die Schönheit staunen sollten, der wir in der Schöpfung begegnen. Dieser Blick der Bewunderung ist getrübt von der Bedrohungen der Zukunft unseres wunderbaren Planeten.

Wenn wir die ersten Seiten der Bibel aufschlagen, sehen wir, dass die Sorge für die Umwelt untrennbar mit dem Vertrauen auf Gott verbunden ist. In den beiden poetischen Erzählungen am Anfang des Buches Genesis sehen wir, wie Gott in seiner Schöpfung am Werk ist.

Die erste Geschichte beschreibt auf eindrucksvolle Weise die Vielfalt der Lebewesen: die Kräuter und Obstbäume, die Fische im Meer, die Vögel am Himmel und all die Tiere, die sich auf der Erde bewegen ... Diese Geschichte kann auch als ein Aufruf verstanden werden, sich für den Erhalt dieser großen, aber bedrohten Artenvielfalt einzusetzen.

Der zweite Bericht im darauffolgenden Kapitel enthält einen wichtigen Gedanken. Es heißt: „Gott, der Herr, nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, damit er ihn bebaue und hüte.“ Ja, in diesem schöpferischen Werk Gottes hat der Mensch eine besondere Verantwortung: zu bauen und zu bewahren.

Könnte doch allen noch mehr bewusst werden, welche Verantwortung wir angesichts des vom Menschen verursachten, bedrohlichen Klimawandels haben! Als Glaubende sollten wir nicht vergessen, dass diese Erde ein wertvolles Geschenk Gottes ist, das es zu schützen und an die nächste Generation weiterzugeben gilt.

Wir werden Ende des Sommers noch einmal darüber sprechen, und zwar in der „Besonderen Woche für 18- bis 35-Jährige“, in der es auch besonders um Umweltfragen geht. Vom 25. August bis 1. September werden rund dreißig Fachleute auf unterschiedlichen Gebieten ihre Erfahrungen mitteilen.


Nun möchte ich Esther, einer der jungen Freiwilligen, die seit mehreren Monaten über diese Fragen in Taizé nachdenken, das Mikrophon geben:

Im Februar haben wir zu einigen Freiwilligen ein Spiel vorbereitet, um über nachhaltige Entwicklung und die drängenden Umweltprobleme von heute nachzudenken. Das Gespräch unter uns Freiwilligen und mit mehreren Brüdern war ausgesprochen bereichernd.

Im März haben wir dann begonnen, einen wöchentlichen Workshop für alle anzubieten. Die Gespräche dort wurden äußerst vielfältig, weil aktive Leute, Wissenschaftler und Menschen unterschiedlichen Alters ihre Ansichten auszutauschen.

Dieser Austausch ist für mich sehr ermutigend. Für mich ist es Jesus, der ein neues Leben in uns schafft, wenn wir zum Austausch zusammenkommen, wenn uns manchmal die Tränen kommen, weil wir keine Hoffnung sehen, und wenn wir uns gegenseitig Mut machen, Schritt für Schritt weiterzugehen, um die Schöpfung zu bewahren.

Im Workshop frage ich am Ende jedes Mal, ob die Leute etwas nicht mehr tun wollen, oder anfangen möchten etwas zu tun, oder weitermachen wollen, und jeder sagt, was er sich vorgenommen hat. In diesen Momenten spüre ich eine große Hoffnung. Diese Treffen haben bereits viele dazu gebracht, konkrete Schritte zu unternehmen, um die Schöpfung Gottes noch mehr zu schützen; das ermutigt mich wirklich, und ich bin nicht frustriert, sondern möchte auch selbst weitermachen.

Esther, Bradon und Steffen danken wir stellvertretend allen Freiwilligen für ihr Engagement in diesem Sommer in Taizé.


Foto: Cédric Nisi

Printed from: http://www.taize.fr/de_article26470.html - 23 September 2019
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