Taizé und China

Seit fast zwanzig Jahren gibt es Kontakte zwischen Taizé und China. Ein Bruder der Communauté, der aus China stammt, besuchte bereits in den 80er Jahren damals wiedereröffnete Priesterseminare. Er lernte dabei Theologiestudenten kennen, mit denen er zum Teil noch heute in Kontakt steht. Die Communauté versucht, die kirchliche Jugendarbeit durch ihre Gebete und Gesänge mitzutragen. Über die Jahre entstanden an vielen Orten Chinas regelmäßige Gebete mit Gesängen aus Taizé. Heute kann man sogar in abgelegenen Dörfern darauf stoßen. Die Gesänge sind natürlich auf Chinesisch übersetzt und begleiten auf diese Art und Weise Gläubige unterschiedlichen Alters.

Seit vielen Jahren kann die Communauté in Frankreich Bischöfe, Pfarrer, Theologiestudenten und Ordensleute aus China empfangen; selbst ganze Pilgergruppen kommen seit einigen Jahren nach Taizé.

Junge Chinesen, die im Leben ihrer Kirche engagiert sind, werden für jeweils drei Monate im Sommer zu den internationalen Treffen in Taizé eingeladen. Während ihres Aufenthaltes leben sie zusammen mit jungen Erwachsenen der verschiedenen Kontinente und beteiligen sich ganz selbstverständlich am Gebet und dem Gespräch mit anderen. Auf diese Weise lernen sie Neues kennen und machen die Erfahrung der Universalität der Kirche, was sie nach ihrer Rückkehr nach China ermutigt, sich weiter in der Kirche am Ort zu engagieren.

Aber es kommen auch junge Chinesen, die in Europa leben, um entweder alleine oder in Gruppen an den internationalen Jugendtreffen teilzunehmen.

Schneesturm in Südchina

Im Januar dieses Jahres wurde ein Dutzend Provinzen im Süden Chinas vom heftigsten Schneesturm der letzten hundert Jahre heimgesucht. Den Schneefällen folgte eine Kälteperiode. Zwei chinesische Hilfsorganisationen, die katholische „Jinde Charities“ in Shijiazhuang und die protestantische “Amity Foundation” in Nanjing beteiligten sich an den Wiederaufbauarbeiten. Von Taizé aus wurde Mitte Februar Kontakt aufgenommen und nachdem Brüder der Communauté vor zwei Jahren Jinde und Amity besucht hatten, konnte unkompliziert geholfen werden. Noch vor Ostern konnte die „Operation Hoffnung“ von Taizé aus, zusammen mit der Caritas Deutschland, der Jinde Charities Unterstützung für die Wiederaufbaumaßnahmen in der Provinz Guizhou zukommen lassen. Die Maßnahmen wurden vom Ortsbischof koordiniert und von lokalen Geldgebern sowie aus eigenen Mitteln von Jinde finanziert. Nach Vorschlägen der betroffenen Bevölkerung wurde in Zusammenarbeit mit der Bezirksregierung, mit Partnerorganisationen der Kirchen und dem Jinde Wiederaufbauteam, 10.000 Menschen in drei abgeschiedenen Dörfern Hilfe geleistet, in die bis dahin noch keine Hilfe von Außen gelangt war: Nahrungsmittel, Saatgut und Dünger für die Wiederaussaat, sowie Baumaterial zur Reparatur und Wiederaufbau der beschädigten Häuser.
Auch in Changde in der Provinz Hunan konnte die Operation Hoffnung Hilfe leisten. Über die Amity Foundation, der größten christlichen NRO in China, und die Hunan Christian Council konnten Familien, deren Häuser unter den Schneelasten eingestürzt waren, mit der Hilfe aus Taizé einfache Unterkünfte aufbauen.

In Brima/Myanmar und China leiden die Menschen

Mai 2008: Die letzten Wochen waren von den Nachrichten aus Birma/Myanmar und China überschattet. Wie Frère Alois an einem Samstagabend sagte: „Das Leiden von Menschen in unserer unmittelbaren Umgebung oder in weiter Ferne darf uns nicht gleichgültig lassen.“ Wir wollen den Menschen nicht nur für einen Augenblick nahe sein, solange sich die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf ihre Lage richtet. In beiden, der von Wirbelsturm und Erdbeben heimgesuchten Länder, waren noch vor kurzem Brüder der Communauté zu Besuch. Wir fühlen uns den Betroffenen durch die Ereignisse noch enger verbunden.

Unsere konkrete Solidarität soll auch durch humanitäre Hilfe zum Ausdruck kommen, die von der „Operation Hoffnung“ an zwei Nicht-Regierungsorganisationen (NRO) in China ging: die Jinde Charities sowie die Amity Foundation, die an den Wiederaufbauarbeiten vor Ort beteiligt sind. (Nach Aussage von Xinde, der katholischen Zeitung Chinas, war dies die erste aus dem Ausland eingetroffene, humanitäre Hilfe). Im Frühjahr dieses Jahres haben diese beiden wichtigen christlichen Hilfsorganisationen bereits im Zusammenhang mit anderen Naturkatastrophen im Süden Chinas mit Taizé zusammengearbeitet. Seither stehen wir in engem Kontakt mit ihnen.

Am 24. Mai, an dem im Gebet besonders an die Menschen in China gedacht wurde, kamen zwei chinesische Gruppen nach Taizé: die eine kam direkt aus Peking, die andere bestand aus jungen Erwachsenen, die sich zu einem Studienaufenthalt in Frankreich befinden. Frère Alois schrieb an diesem Tag folgendes Gebet:
„Zusammen mit Jugendlichen aller Kontinente, die auf dem Hügel von Taizé zusammen sind, beten wir heute für China, einem Land, dem wir uns besonders verbunden fühlen. Gott unserer Hoffnung, gieße deine Barmherzigkeit über alle Menschen aus, die in der Folge des Erdbebens in China Schweres durchzustehen haben. Wenn uns das unbegreifliche Leiden unschuldiger Menschen verstört, dann lass uns Zeugen des Evangeliums sein und durch unser Leben den Trost des Heiligen Geistes sichtbar werden lassen. Du willst weder Unglück noch Elend auf der Welt und deine Liebe zu jedem von uns wird niemals vergehen. Wir vertrauen dir die Christen in China an: Stärke sie durch die beständige Gegenwart deines Heiligen Geistes.“

Pilgerweg des Vertrauens in Hongkong

Am Dienstagabend, dem 13. November 2007, kamen Christen verschiedener Konfessionen zu einem Gebet in der Kathedrale „Immaculate Conception“ in Hongkong zusammen.
Am Mittag desselben Tages gab es in der anglikanischen Kathedrale St. John ein Treffen für all diejenigen, die im Zentrum Hongkongs arbeiten.
Frère Alois und andere Brüder aus Taizé nahmen ebenfalls an diesen beiden Veranstaltungen teil.

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„Der Prior der französischen Communauté von Taizé, der zurzeit Hongkong besucht, lobte den Glauben der chinesischen Christen. Gleichzeitig warnte er vor den negativen Folgen der rapiden wirtschaftlichen Entwicklung Chinas. ‘In China gibt es eine lange Tradition, eine sehr alte Gesellschaft, in der das Evangelium ein Echo und eine grundlegende Bedeutung gefunden hat,’ sagte Frère Alois, Prior der Communauté von Taizé, vor über 700 Christen während eines ökumenischen Gebetes in der römisch-katholischen Kathedrale Hongkongs. Gleichzeitig warnte er vor den Konsequenzen des schnellen wirtschaftlichen und technologischen Wachstums. ‘Auch wenn diese Neuerungen viele Gutes für die Zukunft versprechen, so dürfen sie uns doch nicht das Wesentliche vergessen lassen,’ meinte er.“ Ecumenical News International, vom 14. November 2007.

Einmal im Monat lädt die Gruppe der so genannten „Innenstadtchristen“ aus der anglikanischen Domgemeinde alle, die im Geschäftsviertel in der Innenstadt Hongkongs arbeiten, mittags zu einem Treffen mit einem besonderen Gast ein. Diesmal war Frère Alois anlässlich seines Aufenthalts in Hongkong eingeladen. Den Fragen nach zu urteilen, die ihm in einer sehr herzlichen Atmosphäre gestellt wurden, hatte das Treffen großes Interesse bei den Teilnehmern erregte. Erzbischof Paul Kwong nahm ebenfalls am Treffen teil.

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„Es ist eine große Freude mit euch hier in Hongkong zum Gebet zusammenzukommen. Frère Roger, der Gründer unserer Gemeinschaft, war vor dreißig Jahren hierher gekommen. Er lebte für einige Wochen in einer Holzhütte in Aberdeen am Südchinesischen Meer in der Nähe der armen Bevölkerung auf den Hausbooten, nicht weit von den Kleinen Schwestern Jesu.

Danach lebten einige Brüder in einer kleinen Fraternität in Taipo. Andere Brüder sind immer wieder nach Hongkong gereist. Sie besuchten auch Christen in China, die uns im gemeinsamen Gebet so nahe sind. Auch kommen junge Menschen aus Hongkong als Pilger nach Taizé.“ Frère Alois am Abend des 13. Novembers.

Kardinal Zen, der Bischof von Hongkong, war ebenfalls zum Gebet gekommen. Dies war ein sehr freudiges Ereignis; Christen verschiedener Kirchen, unter ihnen viele Katholiken und Anglikanern, hatten monatelang zusammen für diesen 13. November ein Treffen vorbereitet. Bereits im Vorfeld hatten zahlreiche gemeinsame Gebete in den Kirchen der verschiedenen Konfessionen stattgefunden... „Als wir hörten, dass der Pilgerweg des Vertrauens nach Hongkong kommt, waren wir begeistert. Während der Vorbereitung des Gebetes vom 13. November hatten verschiedene Treffen mit unseren Chormitgliedern, Jugendlichen aus dem Gebetskreis und mit Brüdern und Schwestern der verschiedenen protestantischen Kirchen stattgefunden, um die Gesänge einzustudieren. Dies ist der erste Schritt zur Gemeinschaft mit Christus,“ sagte Eleonor Lam von der katholischen Domgemeinde.

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„Die Botschaft war voller Hoffnung und sie spiegelte wahrhaftig, die heutigen Probleme vieler Menschen in Asien wider,“ meint Maggie von der Kowloon Union Church.

„Frère Alois hat uns zum Nachdenken angeregt, als er sagte: `Für Gott ist jeder Mensch heilig. Christus streckt seine Arme am Kreuz aus, um die ganze Menschheit zu versammeln. Und er sendet uns aus, um die Liebe Gottes bis an das Ende der Welt zu tragen,´“ so Eleonor Lam.

Am nächsten Tag machten sich die Brüder auf einen Pilgerweg in ein Armenviertel am Südchinesischen Meer, wo Frère Roger im Herbst 1977 mit einigen Brüdern und Jugendlichen aller fünf Kontinente einige Zeit gelebt hatte. Auch wenn sich das Viertel mittlerweile komplett verändert hat und die Baracken längst Hochhäusern Platz gemacht haben, konnte man sich vom Boot aus eine Vorstellung vom damalige Aberdeen machen, voller Bootsflüchtlingen aus dem kontinentalen China.

Später vermittelte der Besuch des „Holy Spirit Study Centre“ einen Einblick in das heutige China. Bischof John Tong Hon leitet diese Einrichtung, an der Priester, Ordensschwestern, Laien und Fachleuten das Leben in China, besonders der Christen dort, dokumentieren. Das Zentrum ist mittlerweile eine unumgängliche Adresse für jeden, der sich tiefer über das moderne China informieren möchte.

Hongkong

Brüder der Communauté besuchen regelmäßig Hongkong. Im November 2007 nahm Frère Alois und weitere Brüder der Gemeinschaft an Gebeten und Treffen in verschiedenen Ländern Asiens teil: in der Kathedrale von Bangkok/Thailand; in der St. John´s Kathedrale sowie in der Hongkonger Kathedrale „Immaculate Conception“. Außerdem fand ein Jugendtreffen in Yogyakarta/Indonesien satt, sowie Besuche und Gebete in Kambodscha. Weitere Berichte dazu links im Menü und auf den englisch- und französischsprachigen Seiten.

Printed from: http://www.taize.fr/de_article7099.html - 12 November 2019
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