Litauen

Mai 2009: Jugendtreffen in Vilnius

Freude der Versöhnung

Vom 1. bis 3. Mai 2009 nahmen 8000 Jugendliche am Jugendtreffen in der Hauptstadt Litauens teil, das von der Communauté von Taizé in Zusammenarbeit mit der örtlichen Diözesanjugendstelle organisiert worden war. Vor drei Jahren bereits hatte Kardinal Backis die Brüder eingeladen, dort eine Station auf dem Pilgerweg des Vertrauens vorzubereiten. In seinen Begrüßungsworten sagte er: „Ich denke, dass durch euch und eurer Gegenwart ein überglückliches Vilnius seine Gastfreundschaft zeigen wird.“ Und tatsächlich hat der Empfang, an dem sich die ganze Stadt beteiligte, alle Erwartungen übertroffen.

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Die erste Überraschung war, dass Versöhnung möglich ist. Trotz geschichtlicher Vorbehalte waren Jugendliche aus Ländern zusammengekommen, die sich – obwohl in nächster Nähe – doch oft sehr fremd sind; sie haben den Anderen an dem teilhaben lassen, worauf es ankommt. Dreißig Gastgemeinden und hunderte von Familien aus Vilnius und Umgebung nahmen Jugendliche vieler verschiedener Länder bei sich auf. Was für ein Zeichen des Friedens zwischen Menschen, beim Gebet die Lesungen auf Litauisch und Polnisch, auf Weißrussisch und Lettisch zu hören!

Die ganze Stadt war auf den Beinen, um diese durchreisenden Gäste aufzunehmen. Auf den Plakatwänden der Stadt wurden die Anfangszeiten der Gebete und Thementreffen bekanntgegeben; große Banner begrüßten die Pilger vor den Hauptkirchen, und im Stadtpark wurden die Mahlzeiten verteilt: ein herrlicher Anblick, wie am Ufer der Vilna das von Jugendlichen und Soldaten vorbereitete warme Essen ausgegeben wurde. Die Freude des Beisammenseins stand vielen ins Gesicht geschrieben.

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Am Nachmittag trafen sich die jugendlichen Teilnehmer und die Einwohner der Stadt zu verschiedenen Thementreffen: im Dom ging es um den Ruf Gottes; in der evangelischen Kirche um die Bedeutung des Gesangs für den Glauben; in einem Museum über die Zeit des Sowjetregimes war die Frage, wie sehr die Geschichte auf unserer heutigen Gesellschaft lastet; in der orthodoxen Kathedrale ging es um Ikonen und liturgische Gesänge aus Griechenland, Georgien und Russland; in einem Theater um – u.a. jüdische – Volksmusik; in der Stadt konnte man mit freiwilligen Mitarbeitern der Caritas Obdachlose oder eine „Glaube und Licht“-Gemeinschaft besuchen, bei der eine ganze Gruppe aus Moskau aufgenommen war.

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Die Gebete in den vier größten Innenstadtkirchen waren intensive Momente an diesen drei Tagen. Gemeinsam wandten sich alle Gott zu: Bischöfe aus ganz Litauen, orthodoxe und evangelische Kirchenverantwortliche, die Gastfamilien, Jugendliche aus den verschiedensten persönlichen Situationen, und Brüder der Communauté, die sich auf die verschiedenen Gebetsorte verteilt hatten. Frère Alois sagte am letzten Tag: „Wir sind sehr dankbar für den herzlichen Empfang in diesen Tagen. Wir danken den Verantwortlichen der Kirchen, die unsere Vorbereitung unterstützt haben sowie allen, die ihre Türen geöffnet haben, und natürlich der Jugendstelle von Vilnius mit ihren vielen Freiwilligen. Die Gastfreundschaft, die wir hier erfahren haben, ist ein deutliches Zeichen dafür, dass die Kirche lebt!“

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Der Abschied verlief nicht ohne Emotionen. Manche Familien und Jugendliche verbargen nicht, dass diese Tage etwas Besonderes für sie waren, vielleicht sogar ein „historischer“ Augenblick. Es war das erste Mal, dass sich tausende junger Christen verschiedener Konfessionen aus Polen, Russland, Lettland und der Ukraine, aus Weißrussland und Westeuropa von Litauern in ihrer festlichen Hauptstadt aufgenommen worden waren. Tausende Jugendliche, die Versöhnung suchen und Gemeinschaft in der Kirche aufbauen wollen, sind ein wirkliches Zeichen der Hoffnung... ein Zeichen, dass Zukunft in Frieden möglich ist.

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