TAIZÉ

Taizé und Finnland

Eine Kette der Freundschaft

 

Im Juli 2012 wurde der erste finnische Gesang aus Taizé veröffentlicht. Dies ist ein Zeichen der 50-jährigen Freundschaft zwischen den Brüdern der Communauté und den Menschen in Finnland.

Wie ist diese Freundschaft entstanden?

Am Anfang standen Begegnungen zwischen Menschen, zunächst durch schriftlichen Austausch. In den frühen 1960er Jahren stieß Elisabeth de Godzinsky, die in Helsinki lebte, auf Artikel von Frère Roger in einer französischen christlichen Zeitschrift, die sie sehr bewegten. Die Worte der Versöhnung schienen ihr sowohl persönlich als auch in Bezug auf die gesellschaftliche Situation wichtig. Während einer Reise nach Frankreich hatte sie die Gelegenheit, an einem Sonntagsgottesdienst in Taizé teilzunehmen und mit Brüdern zu sprechen. Sie fühlte sich dort zu Hause und schloss Taizé ins Herz. Für die Brüder war sie damals der erste Kontakt mit Finnland, diesem fernen Land im Norden.

Zehn Jahre später kam es zu einer weiteren Begegnung in Taizé, als das finnische Ehepaar Anna-Maija (geb. Raittila) und Taisto Nieminen die Communauté Anfang der 1970er Jahre besuchte. Auch für sie wurde Taizé zu einer geistlichen Heimat und durch die Brüder lernten sie Elisabeth de Godzinsky in Helsinki kennen. Mit Frère Roger fühlten sie sich in tiefer Freundschaft verbunden. Anna-Maija war eine bekannte Theologin, Katechetin, Dichterin und Übersetzerin; ihr Ehemann Taisto arbeitete ebenfalls als Übersetzer. Kurze Zeit später begannen sie bei der Vorbereitung des „Konzils der Jugend“ mitzuarbeiten, das soeben in Taizé angekündigt worden war. Sie übersetzten Texte ins Finnische und machten von Taizé aus Besuche in verschiedene Regionen Finnlands. Anna-Maija übersetzte auch Gesänge aus Taizé ins Finnische und machte sie in Finnland bekannt.

Neue Freundschaften

In den darauf folgenden Jahren kam es zu immer weiteren Begegnungen. Auch Brüder und junge Freiwillige aus Taizé machten in Finnland Besuche. Unter letzteren war auch der heutige Prior von Taizé, Frère Alois. Noch als Schüler unternahm er in den 1970er Jahren eine für ihn unvergessliche Reise nach Finnland. Anna-Maija bereitete diese Reise vor und wählte Orte in Gemeinden, Schulen, Gruppen und Familien aus. Dies war gelebte Ökumene an der Basis, für viele Finnen etwas Neues und Aufregendes. Das Zuhören der Besucher und ihre Demut beeindruckten die Menschen. Die Gesänge aus Taizé, die Stille und das auf dem Boden sitzen, die Ikonen und Kerzen schufen eine bis dahin unbekannte Atmosphäre für das Gebet.

Viele Jahre hindurch organisierte Anna-Maija ökumenische Treffen bei Familien und in Kirchengemeinden. Sie lud Menschen persönlich ein, der Rest geschah durch Mundpropaganda. Dann fanden mitunter sogar Wochenendtreffen statt. Die Teilnehmer kamen aus verschiedenen Kirchen und gesellschaftlichen Schichten. Sie tauschten ihre Gedanken aus, beteten, machten Spaziergänge in der Natur und aßen gemeinsam. Anna-Maija gab anhand von Texten Frère Rogers und des Briefs aus Taizé Anregungen für die Gespräche.

Das Neue an diesen Versammlungen war der persönliche Umgang miteinander. Man führte keine theoretischen Diskussionen, sondern man stellte sich Fragen zum eigenen Leben und hörte den anderen zu. Anna-Maija begann einen Rundbrief mit dem Namen Tulisija (Feuerstelle), in dem sie Nachrichten aus Taizé und von anderen Treffen weitergab. Auf diese Weise konnten Menschen in verschiedenen Teilen Finnlands an diesem gemeinsamen ökumenischen Abenteuer teilnehmen. Jahre lang übersetzte Anna-Maija auch den Brief aus Taizé, den die Brüder herausgaben.

Über Grenzen hinweg

Sehr bald begann Anna-Maija, junge und weniger junge Menschen nach Taizé zu bringen. Meistens fuhren sie mit dem Schiff nach Schweden und von dort per Bahn oder Bus, eine Reise von etwa 50 Stunden. Viele Menschen erinnern sich noch heute an die Ostergottesdienste und die Sommertreffen auf dem Hügel, manchmal bei strömendem Regen, manchmal bei Sonne. Zuerst machten sich einzelne auf den Weg, und ab den 1980er Jahren dann auch Gruppen aus Kirchengemeinden. Anna-Maija leitete selbst viele solcher Reisen nach Taizé und zu den Europäischen Jugendtreffen, bisweilen zusammen mit Jugendlichen aus den Nachbarländern.

Aber auch in den Osten wurden Reisen unternommen. In den 1970er und 1980er Jahren reisten Anna-Maija und Taisto viele Male hinter dem Eisernen Vorhang nach Osteuropa, alleine und in Begleitung von Brüdern der Communauté: in die Sowjetunion, nach Ungarn, Polen, Ost-Deutschland... In jenen Jahren war es für Christen in diesen Ländern nicht leicht, sich zu treffen, aber wie durch ein Wunder wurde es immer wieder möglich. Elisabeth, die Russisch sprach, schuf Kontakte vor allem in die Sowjetunion. Mehrere Jahre lang kam sie im Sommer für längere Zeit nach Taizé und gab einigen Brüdern Russischunterricht.

Die Botschaft der Versöhnung breitet sich aus

Die Communauté von Taizé wurde im Sommer 1979 in Finnland besser bekannt, als Frère Roger und Frère Alois zum Ökumenischen Kirchentag nach Turku kamen. Dort entstand die Idee einer finnischen christlichen Gemeinschaft. Sie begann unter dem Namen Omenapuukylä (Apfelbaumdorf) in der Nähe von Salo. Sie zog nach Kaarina um und nannte sich von da an Morbacka. Später zog sie von dort noch einmal um, an ihren jetzigen Ort, nach Kangasala und heißt seither Ukinranta. Das Leben besteht aus dem regelmäßigen Gebet in „Freude, Einfachheit und Barmherzigkeit“ und das Haus gehört zu einem ökumenischen Verein mit dem Namen Sinapinsiemen (Senfkorn).

2007 fand noch einmal ein Ökumenischer Kirchentag in Turku statt und Frère Alois war auch diesmal anwesend, bereits als Prior der Communauté von Taizé. Damals war Taizé unter den finnischen Christen schon sehr bekannt, so dass während dieser Tage viele Menschen das „Dorf der Stille“ besuchten und an den Gebeten teilnahmen, die dort stattfanden. Taizé-Gesänge wurden während der Gottesdienste und in Kirchengemeinden überall im Land gesungen.

Immer mehr junge Menschen, sowohl Alleinreisende und Gruppen, fanden ihren Weg von Finnland nach Taizé. Nach der Rückkehr sind sie häufig inspiriert, Gebete oder andere Treffen in ihrer Heimatstadt zu beginnen. In Helsinki findet zum Beispiel ein wöchentliches Gebet schon seit vielen Jahren statt. Jeder ist willkommen. Es begann in den 1980er Jahren in einer evangelisch-lutherischen Kirche, zog nach einigen Jahren in eine römisch-katholische Kapelle um und von dort in eine russisch-orthodoxe Kirche; nun findet es in der Krypta des Doms statt. Im Sommer sind die Gebete in der Kapelle auf einer kleinen Insel nahe der Stadt.

Neue Generationen

Elisabeth und Taisto sind mittlerweile gestorben und bei Gott. Anna-Maija, unsere geistliche Mutter, ist im Ruhestand und lebt in einem Altersheim in Helsinki, wo sie Freunde aus nah und fern empfängt. Die Situation hat sich geändert, aber die Freundschaft mit Taizé, die diesen drei liebenswürdigen Personen zu verdanken ist, geht weiter.

Neue Leute übernehmen die verschiedenen Aufgaben: Übersetzung des Briefs aus Taizé, Übersetzung der Lieder, Empfang von Gästen und Organisieren von Reisen. Immer weitere Jugendliche und Erwachsene sind von der gemeinsamen Suche nach Wegen der Versöhnung und Hoffnung angeregt, zu der die Communauté von Taizé einlädt. Und viele „ehemalige Jugendliche“ zehren noch immer von dem, was sie für ihr Leben durch Taizé gefunden haben: Freunde, einen tiefen Glauben, den Wunsch, für die Einheit der Christen einzustehen und den Ärmsten zu helfen sowie inmitten der Schwierigkeiten des Lebens im Vertrauen zu wachsen.

Willkommen in Finnland!

Wir Finnen sind über das Taizé-Treffen in Helsinki 2012 sehr glücklich und hoffen, dass viele junge Menschen aus unserem eigenen Land, aus den Nachbarländern und von weiter weg vom 28. bis 30. September 2012 nach Helsinki kommen. Wir freuen uns auf Euch!

Letzte Aktualisierung: 27. Juli 2012