Das Lied eines neuen Lebens singen

Die Brüder von Taizé haben in Mymensingh ein offenes Haus und führen daneben seit Jahren kleine Pilgerwege mit Leuten durch, die auf verschiedene Weise behindert sind. Die Achtsamkeit auf behinderte Menschen nimmt immer mehr zu, und mittlerweile beteiligen sich fünf Ortskirchen an den Pilgerwegen. Hier ein Bericht über den viertägigen Pilgerweg in der Kirchengemeinde von Danjuri in Birampur, den ein Teilnehmer geschrieben hat.

An einem Mittwoch im März stiegen wir in den Bus nach Mymensingh. Wir waren etwa 40 Leute, einschließlich Betreuer. Am ersten Tag versammelten wir uns in einem großen Zelt vor der Gemeindekirche. Das Thema des Pilgerwegs lautete: „Nach der Melodie eines neuen Lebens singen“. Zunächst waren die Gruppen aus verschiedenen Orten und Bergstämmen eingeladen, gemeinsam zu singen, um den Reichtum ihrer Kultur zum Ausdruck zu bringen. Der Pilgerweg fing gut an.

Am nächsten Tag teilte sich die Gruppe nach dem Gebet und Frühstück auf: Die Erwachsenen und alle, die sich an Gesprächen beteiligen konnten, blieben im großen Zelt und sprachen über ihre Erfahrungen als Behinderte, die oft am Rand stehen. Die zweite Gruppe der jüngeren und mental eingeschränkten Menschen ging in den Schulhof. Mit ihren Händen, Augen, Ohren und Stimmen fanden sie heraus, wie man auch bei sehr unterschiedlicher Befähigung zusammenarbeiten kann. Naomi aus Japan regte sie dazu an darzustellen, wie ihr Leben ein Zeichen des Friedens sein kann. Auf eine Bastmatte wurde ein große Taube gezeichnet. Jedes Kind und jeder Erwachsene erhielt blätterförmige Lappen. Damit stellte die Gruppe je nach ihren Möglichkeiten Stoffblumen zusammen. Alle legten ihre Blumen um die Friedenstaube. So wurde die Matte immer bunter und der Frieden nahm zu. Um dies zu feiern, wurden Luftballons ausgeteilt. In jeden wurden Reiskörner gesteckt und die Kinder konnten damit Lärm machen. Jemand hatte ein langes Seil mitgebracht, und die Kinder und Erwachsenen hielten sich mit einer Hand daran fest und schüttelten mit der anderen die Luftballons. So zogen sie durch das Dorf und wünschten allen den Frieden. Die Matte mit der Taube wurde vorausgetragen.

Am Freitag kamen die Teilnehmer zu einem Kreuzweg durch die Kirchengemeinde und die Schule zusammen, bei dem viel gesungen wurde. Verschiedene Leute trugen abwechselnd ein leichtes Holzkreuz von einer Station zur anderen: jemand, der hinkte, ein Verkrüppelter, eine Frau im Rollstuhl, ein Gehbehinderter, ein Invalide usw. Die Leute ohne Behinderung waren davon ziemlich beeindruckt. Am Sonntagmorgen feierte der Bischof mit uns den Gottesdienst.

Ja, „singen wir nach der Melodie eines neuen Lebens“.

Printed from: http://www.taize.fr/de_article1390.html - 27 May 2019
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