Für diesen Monat

Gedanken zur Bibel

Mit den „Gedanken zur Bibel“ kann man mitten im Alltag, allein oder mit andren, Gott suchen. Jeder nimmt sich mit dem vorgeschlagenen Text, dem Kommentar und den Fragen eine Zeit der Stille. Danach treffen sich alle und tragen ihre Gedanken zusammen. Davor oder danach kann ein gemeinsames Gebet stehen.

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2021

Mai

Matthäus 1,18–25: Josef nimmt Jesus als sein Kind an.


Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete – durch das Wirken des Heiligen Geistes. Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen. Während er noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: „Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen.“ Dies alles ist geschehen, damit sich erfüllte, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, einen Sohn wird sie gebären, und man wird ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott ist mit uns. Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich. Er erkannte sie aber nicht, bis sie ihren Sohn gebar. Und er gab ihm den Namen Jesus. (Matthäus 1,18–25)

Das erste Kapitel des Matthäus-Evangeliums beginnt mit der Genealogie Jesu (auf Griechisch „Genesis“), in der uns der Evangelist zeigt, dass Jesus, der Messias, von David und Abrahams abstammt. Der obige Abschnitt berichtet, wie sich die Geburt (auf Griechisch ebenfalls „Genesis“) Jesu abspielte.

Diese Wiederholung des Wortes „Genesis“ führt uns zu den Anfängen zurück, zu Gottes Schöpfungswerk. Was nun geschieht, ist Teil dieser fortlaufenden Schöpfung und steht dennoch in Kontinuität mit den Verheißungen, die Abraham und David gegeben worden waren. Hier, wie am Anfang, ist der Geist am Werk und führt uns auf eine neue Stufe in Gottes Schöpfungswerk und zur Erfüllung der Verheißungen, die Gott in der Heilsgeschichte gemacht hat.

Dennoch werden wir sofort in den Alltag einer verlobten Frau mit hineingenommen, der voller Herausforderungen und Fragen ist. Gott tritt in ihr Leben ein, um diese neue Schöpfung zu beginnen und seine Verheißung zu erfüllen. Gott tritt in das Alltägliche und Gewöhnliche ein, um zu gestalten und zu verwandeln. Gott ist bereits „mit ihnen“ in ihrem Alltag und setzt die Schöpfung in ihnen und durch sie fort.

Maria wird an erster Stelle genannt und nimmt ihren vollen Platz ein, aber der Evangelist Matthäus stellt ihren Verlobten Josef neben sie. Maria ist schwanger durch die Kraft des Heiligen Geistes. Wie wird Josef auf diese Neuigkeit reagieren?

Es heißt, dass Josef aus dem Glauben lebte und loyal war. Demgemäß handelt er. Er hatte bereits beschlossen, was er tun werde, um auf eine für uns heute vielleicht erstaunlichen Weise Maria vor Schande zu bewahren. Aber Gott spricht durch einen Boten im Traum zu ihm. Anstatt sich von der Angst ergreifen zu lassen, ist er in der Lage, seine Situation voll und ganz anzunehmen. Er nimmt Maria zur Frau.

Gottes Ruf verändert Entscheidungen und Leben. Die Geschichte zeigt, dass die Situation weder für Maria noch für Josef einfach war. Josef war gerecht, wie es heißt. Gottes Ruf verändert jedoch seine Vorstellung von Gerechtigkeit. Auf diese Weise betritt Josef einen Weg der Heiligkeit und ändert sein gewohntes Denken. Er ist mit Sicherheit berührt von Gottes Plan, dass dieses Kind „sein Volk von seinen Sünden erlösen wird“. Denn Gottes Barmherzigkeit ist am Werk. Diese Barmherzigkeit verändert auch Josef.

Die Geschichte steckt also voller Überraschungen, aber sie ist nicht wirklich überraschend, denn sie berichtet von der Erfüllung dessen, was die Propheten geschrieben hatten. Matthäus zitiert Jesaja und sieht in Jesus die Erfüllung der Verheißungen Gottes. Jesaja sah ein neues Zeitalter kommen. Was für ihn eine Verheißung war, ist für Matthäus Gegenwart. Die kommende Geburt ist ein Zeichen der Gegenwart Gottes und dessen Plan für alle Menschen. Zwei Namen des Kindes werden genannt: „Gott ist mit uns“ und „Gott erlöst“. Josef soll dieses Kind nun adoptieren. Gott wird mit ihm sein und Josef durch die seine Barmherzigkeit verwandeln.

- Wie ist Gott in meinem Alltag noch immer am Werk?

- Wie reagiere ich, wenn meine Vorstellungen von Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit, auch wenn ich sie aus dem Glauben verstehe, auf Gottes schöpferischer Barmherzigkeit treffen?

- Vielleicht kann man sich etwas Zeit nehmen und die Namen „Gott mit uns“ und „Gott erlöst“ betrachten, und sich bewusst machen, welche Verheißung in der Geburt dieses Kindes von Maria und Josef Fleisch annimmt.



Weitere Bibelstellen:

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