Bangladesch

Ein Clown am Hauptbahnhof von Dhaka (Bangladesch)

Fiona, eine junge Engländerin, erzählt von einem wunderbaren Nachmittag, den sie mit Straßenkindern am Hauptbahnhof von Dhaka (Bangladesch) zusammen mit Frère Guillaume von der Communauté von Taizé verbrachte.

Komlaphur station… Endstation für viele Züge in Bangladesch. Ein Verkehrsknotenpunkt, Arbeitsplatz und auch Zuhause für viele Menschen. Auf den ersten Blick ein chaotischer Ort; doch wenn man stehenbleibt und den Menschen zuschaut, stellt man fest, dass viele Menschen dort kochen, einfach nur da sitzen, ihre kleinen Kinder versorgen, zusammen eine Tasse Tee trinken und einem etwas von ihrem hart verdienten Brot anbieten… Ein solches Angebot eines der Bahnhofskinder, die Komlaphur als ihr Zuhause bezeichnen, war es, das mir das Herz brach, sodass ich versuche, die Situation mit anderen Augen zu sehen.

Wenn dir jemand etwas zu essen anbietet und du diese Einladung annimmst, fallen trennende Mauern ein und es ist nicht mehr so schwer, an so einem Ort stehenzubleiben. Die Menschen, die am Bahnhof leben, Junge und Alte, Waisenkinder, Prostituierte und Menschen mit Behinderungen, alle zeigen einen ungeheuren Lebensmut, der uns im Glauben stärkt und unsere Angst vergessen lässt.

Die Straßenkinder und um den Hauptbahnhof von Dhaka sind nicht von allen Menschen gerne gesehen. Doch die wöchentlichen Treffen im Bahnhof, die auf eine Initiative der Brüder von Taizé zurückgehen, sind auf gegenseitigen Respekt gegründet, auf Verständnis und Liebe. Zu einem dieser Treffen haben wir Yann eingeladen, einen Clown aus Frankreich, der in Mexiko lebt. Yann begegnete allen, die zu diesen Treffen an jenem Mittwoch auf den Bahnsteig 8 gekommen waren, mit großem Respekt. Zahlreiche Kinder wurden in seine Nummer mit einbezogen, sodass jeder lachen musste und seine alltäglichen Sorgen vergaß! Als die Polizei kam, um die Versammlung aufzulösen, mischte sich Yann unter die Zuschauer und überredete die Beamten mit seinem unschlagbaren Humor, die Veranstaltung wenigstens noch 10 min weiter gehen zu lassen. Durch diese Geste fühlten sich die Bahnhofskinder auf einmal ernst genommen, ein Weiteres ihrer kleinen wöchentlichen Treffen mit dem Namen „Wir sind alle Könige und Königinnen“ hat friedlich stattfinden können, auch wenn die Behörden diese Kinder und ihre Unternehmungen nur selten schätzen. Es waren 45 Minuten der Freude!

Dieses kleine Ereignis ließ mich an den Text eines der Taizé-Gesänge denken, der bei einem Gedenken für Frère Frank gesungen wurde, einem der Brüder von Taizé, der 40 Jahre unter den Allerärmsten in Bangladesch gelebt hat und letztes Jahr starb: „Ubi caritas et amor, Deus ibi est“, was soviel bedeutet wie: „Wo die Liebe und die Güte ist, dort ist Gott.“ Werden vielleicht diese Worte eines Tages über dem Eingang zu diesem Bahnhof stehen? In der Zwischenzeit können wir uns zusammen mit einem anderen Bruder der Communauté, Frère Guillaume, und einem kleinen Team junger Freiwilliger aus Bangladesch, die sich zusammen mit ihm um diese Kinder in und um den Bahnhof von Dhaka kümmern, in Frieden begegnen. Inmitten von Chaos und menschlichem Leid haben wir das große Privileg, Gott zu begegnen, der bei diesen mutigen Menschen ist, für die der Bahnhof von Komlapur ein Zuhause ist.

Printed from: http://www.taize.fr/de_article19097.html - 22 October 2019
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