Worte von Frère Alois

Die Erde ist unser gemeinsames Haus

Anlässlich der Pariser Klimaschutzkonferenz „COP21“ fand am 5. Dezember in Paris in der Kirche St. Ignace ein Abendgebet mit Gesängen aus Taizé statt.


Auszüge aus den Worten von Frère Alois

Wir Brüder der Communauté freuen uns, in diese Kirche mitten in Paris mit so vielen Menschen zu beten, während Vertreter fast aller Länder der Erde gemeinsam nach Lösungen angesichts des bedrohlichen Klimawandels auf der Erde suchen. Auch sind die kürzlichen gewalttätigen Ereignissen in dieser Stadt noch nicht vergessen.

Das ganze Jahr 2015 hindurch haben wir in Taizé immer wieder daran gedacht, dass überall auf der Erde neue Not entsteht: Menschen, die ihre Heimat verlassen müssen, Umweltkatastrophen und gesellschaftliche Ungerechtigkeit fordern Glaubende der verschieden Religionen und Nichtglaubende gemeinsam heraus, sich zu engagieren.

Darüber hinaus wird durch bewaffnete Gewalt im Namen unmenschlicher Ideologien schreckliches Unheil angerichtet. Wir möchten in dieser Situation allgemeiner Unsicherheit einen klaren Blick bewahren und der Angst widerstehen. Ein Wort des Psalms, den wir heute Abend gesungen haben, kann uns dabei helfen: „Ich will hören, was Gott redet: Frieden verkündet der Herr.“


Hat Christus am Kreuz nicht seine Arme ausgebreitet, um sich der ganzen Menschheit zuzuwenden? Sind die Christen, in seiner Nachfolge, nicht dazu berufen, Geschwisterlichkeit auf der Welt zu fördern? Ein solches Zusammenleben, neues Vertrauen zwischen den Menschen, ist der einzige Weg, den Frieden zu fördern.

Dazu ist es notwendiger denn je, die internationalen Institutionen zu stärken, die auf demokratischem Wege Regeln aufstellen, die eine größere Gerechtigkeit garantieren und Frieden schaffen. Wir hoffen, dass die Klimakonferenz einen Schritt in diese Richtung ist. Sie könnte zu einem Zeichen der Hoffnung werden.

Immer mehr Menschen sind sich bewusst, dass wir auch unserem Planeten und der ganzen Schöpfung mit geschwisterlicher Aufmerksamkeit begegnen müssen. Die Ärmsten leiden oft besonders stark unter den Folgen von Umweltkatastrophen. Der Klimawandel zwingt bereits heute unzählige Menschen, ihren angestammten Lebensraum zu verlassen. Vor Kurzem machte Yeb Saño zusammen mit 25 Pilgern aus verschiedenen Ländern in Taizé Zwischenstation auf seinem Weg von Rom nach Paris. Seine Berichte haben uns noch deutlicher vor Augen geführt, welche dramatischen Folgen der Klimawandel für ein Land wie die Philippinen hat.

Die Erde gehört Gott, der sie den Menschen als Geschenk zur Verfügung gestellt hat. Sie ist begrenzt, daher müssen auch wir Menschen unsere Begrenztheit anerkennen. Die Erde ist unser gemeinsames Haus, und sie leidet. Die ungeheuren Schäden, die wir der Umwelt zufügen, dürfen uns nicht gleichgültig lassen.

Ja, unsere Solidarität mit der ganzen Schöpfung zum Ausdruck zu bringen, ist auch ein Weg, Frieden zu stiften. Ändern wir unser Alltagsverhalten!

Übermäßiger Reichtum lässt keinen Platz für die Freude. Er verlangt nach immer mehr. Glück ist etwas anderes: Wenn wir einen einfachen Lebensstil wählen, wenn wir nicht nur arbeiten, um Gewinn zu erzielen, sondern um unserem Leben einen Sinn zu geben und mit anderen zu teilen, dann gehen wir ganz konkret dem Frieden entgegen.

Printed from: http://www.taize.fr/de_article19945.html - 11 December 2019
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