Worte von Frère Alois

Ein Gleichnis der grenzenlosen Liebe Gottes

Donnerstag, 19. Mai 2016

Diese ganze Woche hindurch feiern wir Pfingsten und damit den Abschluss des Osterfestes: Jesus hat den Tod besiegt, er lebt bei Gott. Leiden, Krankheit, Hass und Gewalt haben nicht das letzte Wort.

Was feiern wir an Pfingsten? Vor seinem Tod hatte Jesus seinen Jüngern eine geheimnisvolle Ankündigung gemacht und gesagt: „Ich werde euch einen Anderen senden, der euch hilft und immer bei euch ist; er wird in euch sein.

Diese Ankündigung gilt auch uns. Dieser Andere ist mit uns, es ist der Heilige Geist, den Christus auch „die Kraft von oben“ nennt. Aber sind wir uns dieser außergewöhnlichen Botschaft auch genügend bewusst: Seit der Auferstehung Jesu wohnt Gott in jedem Menschen.

Er ist auf unendlich diskrete Weise in uns gegenwärtig. Dass wir diese Gegenwart nicht immer spüren, liegt nicht an unserem geringen Glauben, sondern daran, dass Gott sich nicht aufdrängt. Er tut unserem Gewissen niemals Gewalt an, er achtet unsere Würde und unsere Freiheit.

Der Glauben ist dieses ganz einfache Vertrauen auf seine Gegenwart in uns: zu glauben, dass der Atem des Heiligen Geistes tief in uns das göttliche Ja sagt zu unserem Leben. Und seine Gegenwart in uns wartet darauf, dass auch wir ein klares Ja sagen.

Im Bericht von Pfingsten ist davon die Rede, dass Gott zu diesem Zeitpunkt seinen Geist – gemäß der Verheißung der Propheten - über alle Menschen aussendet.


Diese grenzenlose Liebe Gottes zu allen Menschen und zur gesamten Schöpfung begeistert uns hier in Taizé vielleicht am meisten. Sie ist einer der Gründe, warum wir in Gemeinschaft zusammenleben. Wir Brüder kommen aus fast 30 verschiedenen Ländern und auch aus verschiedenen Kirchen. Auf diese Weise möchten wir ein kleines Gleichnis dieser Grenzenlosigkeit der Liebe Gottes sein.

Alles, was Menschen trennt und Konflikte hervorruft, schmerzt uns. Aber was können wir gegen die Spaltungen auf der Welt tun? Es gibt so viele Strukturen des Unrechts, die geändert werden müssen! Wir möchten all diejenigen unterstützen, die daran arbeiten. Aber unser persönliches Engagement soll sich nicht darin erschöpfen, die Übel nur anzuprangern.

Jeder von uns kann den Missständen begegnen, indem er keine Angst davor hat, die Wunden der anderen zu berühren. Gehen wir vielmehr auf sie zu!
In zahlreichen europäischen Ländern leiden vor allem viele Flüchtlinge. Im vergangenen Jahr haben wir hier in Taizé eine Familie aus dem Irak aufgenommen, ebenso junge Sudanesen und einen Afghanen.

Ich denke auch an die Menschen in Syrien, wo ich an Weihnachten war. Immer wieder kommen mir Menschen ins Gedächtnis, oder das eine oder andere Wort, das ich dort gehört habe. Die Kämpfe um die Stadt Aleppo sind erneut ausgebrochen. Beten wir für die Menschen, die in diesem Land schlimme Zeiten durchmachen!

Seit zwei Wochen haben wir hier in Taizé auch eine Familie aus der syrischen Stadt Homs unter uns – die Eltern und vier Kinder. Die Kinder gehen hier bereits in die Schule. Wir möchten alles tun, damit sie hier wieder in Frieden leben können. (...)


Die Welt ist immer stärker gespalten. Aber wir können Einheit säen und wachsen lassen. – Darum ging es uns auch bei diesem Pilgerweg nach Rumänien. Wir alle können dort, wo wir leben, Einheit säen. Der auferstandene Christus ist uns nahe und hilft uns dabei.

Metropolit Seraphim aus Rumänien, der gestern Abend und heute früh hier war, musste schon weiterreisen. Wir haben uns über diesen Besuch sehr gefreut! Aber jetzt wird Poojith, aus Indien, die Länder aufzählen, die heute Abend hier vertreten sind und die Kinder werden Blumen verteilen.

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