„Das Treffen im nächsten Jahr kann ein Ort der Heilung sein ...“
Gedanken von Ntombekhaya

Überlegungen zum Pilgerweg des Vertrauens, Taizé – Kapstadt 2019

Ntombekhaya, eine junge Südafrikanerin, hat von Februar bis Mai 2018 drei Monate in Taizé verbracht. Hier einige ihrer Überlegungen und Erwartungen bezüglich des bevorstehenden Treffens in Kapstadt:

„Ich hoffe, dass der Pilgerweg des Vertrauens 2019 in Südafrika jungen Menschen helfen wird, ihre Vielfalt zu vernetzen. Aus einer sehr facettenreichen Stadt wie Kapstadt stammend, müssen wir aus allen Rassen, Farben, Konfessionen oder sozialen Hintergründen zusammenkommen. Als junge Menschen stehen wir oft vor denselben Herausforderungen: Arbeitslosigkeit, Armut, Hoffnungslosigkeit. Wir brauchen immer noch Orte und Momente der Heilung. Das Treffen nächstes Jahr kann ein solcher Ort der Heilung sein.

Es kann uns helfen, die Dinge anders zu sehen, auch wenn die Veränderungen nicht sofort umgesetzt werden können. Wir wissen zwar, dass es eine lange Reise sein wird, aber wir müssen für jeden Schritt auf dem Weg dankbar sein und bereit sein, die Veränderungen, wenn sie stattfinden, anzunehmen.

In Taizé fühlte ich mich in der Stille zunächst unwohl. Ich komme aus Gugulethu, einem sehr lebhaften und geschäftigen Ort, wo es keinen Platz für Stille gibt. Tatsächlich wusste ich gar nicht, dass Stille überhaupt existiert. Meine Einstellung hat sich inzwischen völlig verändert.

Jetzt finde ich es großartig, jeden Morgen zehn Minuten in Stille zu verbringen, um mit mir selbst allein zu sein, bevor ich mit anderen und mit meiner Gemeinde in Kontakt trete. Diese Entdeckung hilft mir zu sehen, dass ich durch den Glauben annehmen kann, was ich vorher beschrieben hatte, ohne es wirklich zu kennen. Ich begreife, dass das, was ich bin, nicht der einzige Weg ist und es ist vielleicht auch nicht immer angenehm zu entdecken, dass andere Wege des Seins möglich und schön sind.

Ntombehkaya-healing

Trotz all der Probleme, mit denen wir zu kämpfen haben, gibt es hier immer noch ein reges Gemeinschaftsleben und die Leute sind freundlich und offen. Selbst in ihrer Hoffnungslosigkeit streben die Menschen nach einem besseren Leben, nicht nur für sich selbst, sondern auch für ihre Kinder und die zukünftigen Generationen. Der Geist von Ubuntu – ich bin, weil du bist – ist in Südafrika sehr lebendig. Es ist mehr eine Lebensart als eine Philosophie: Mein Menschsein ist mit deinem verbunden. Die Fülle meines Menschseins ist nur durch dich möglich. Mein Erfolg gehört uns und ich kann nur gewinnen, wenn wir gewinnen. Wenn du verlierst, kann ich nicht gewinnen. Wenn wir nicht zusammen gewinnen, kann ich nicht ich selbst sein.“

Printed from: http://www.taize.fr/de_article24227.html - 21 October 2019
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