Europäisches Jugendtreffen in Rostock

Grußbotschaften an die Teilnehmer des Treffens

Auf dieser Seite die Grußbotschaften von Vertretern aus Kirche und Politik an die Teilnehmer des 45. Europäischen Jugendtreffens Rostock

- Papst Franziskus
- Der Ökumenische Patriarch Bartholomäus
- Die Generalsekretärin des Lutherischen Weltbundes, Anne Burkhardt
- Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres
- Der Vorsitzende der ACK (Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen) in Deutschland, Erzpriester Radu Constantin Miron


Papst Franziskus

Liebe Jugendliche!

Während Ihr Euch in Rostock zum Europäischen Jugendtreffen von Taizé zusammenfindet, möchte Seine Heiligkeit Papst Franziskus Euch seine geistliche Nähe und Verbundenheit zum Ausdruck bringen. Er freut sich, dass Ihr Euch nach den Jahren der Pandemie wieder treffen könnt, was ein schönes Zeichen der Hoffnung ist. Danken wir dafür Gott!

Wie Ihr wisst, muss sich unsere Welt großen Herausforderungen stellen, insbesondere der Tragödie eines erneuten Kriegs in Europa. Das beunruhigt Euch sicherlich, es empört Euch und Ihr überlegt, wie Ihr darauf reagieren könnt, was Ihr gemeinsam tun könnt, um zum Frieden und zu einer stärkeren Gemeinschaft unter den Menschen beizutragen. Wir müssen uns über das Böse im Klaren sein – über das Böse, das uns umgibt, wie über das Böse, das auch in unserem Herzen wohnt. Angesichts des Bösen wird Euch das Thema dieses Jahres „Inneres Leben und Solidarität“, helfen, Euch für das Vertrauen auf Gott zu entscheiden und nicht an der Menschheit zu verzweifeln.

Der Papst möchte Euch dazu ermutigen. Durch das Gebet, das innere Leben und eine persönliche Beziehung zum Herrn bleibt die Hoffnung lebendig und das Vertrauen auf Gott wird immer wieder neu. Und indem Ihr mit den Menschen solidarisch seid, gestärkt durch die Gegenwart Gottes in Euch, spürt Ihr, wie sehr Gott durch Euch handeln kann, um die Welt zu verändern.

Ihr habt Euch auch entschlossen, darüber nachzudenken, zu welch schöpferischen Schritten Gott Euch in dieser historischen Epoche aufruft, in der viele junge Menschen mit Ängsten und manchmal auch in Furcht leben. Wir sehen im Evangelium, dass Jesus seine Jünger darauf vorbereitet, der lähmenden Angst zu widerstehen, die jede Initiative blockiert und zur Vereinsamung führt. Er verspricht Euch kein leichtes Leben, sondern seinen Frieden. Er gibt Euch keine fertigen Antworten, sondern verheißt uns seinen Geist. Wenn Ihr diesen Geist annehmt, werdet Ihr fähig, jeder Form von Unrecht entgegenzutreten und gleichzeitig in Euch das „Ja“ reifen zu lassen, das es Euch ermöglicht, gemeinsam nach Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit zu suchen.

Damit das Volk Gottes auf einen Geist hören kann, hat der Heilige Vater die katholische Kirche in einen synodalen Prozess geführt, damit die gute Nachricht Jesu der Welt besser verkündet werden kann, und damit die Freude und die Hoffnung, welche sie jedem Menschen schenkt. Der Papst ermutigt Euch, an diesem Prozess teilzunehmen und dafür zu beten.

Papst Franziskus erteilt Euch seinen Apostolischen Segen und er bittet den Heiligen Geist, in Euch das gleiche „Ja“ zu wecken wie im Herzen Marias.

Edgar Peña Parra, Substitut


Der Ökumenische Patriarch Bartholomäus

Liebe junge Menschen!

Nach zwei Jahren der COVID-19-Pandemie und der Rückkehr eines besonders blutigen bewaffneten Konflikts auf unserem alten Kontinent gehen die Jugendtreffen von Taizé weiter, damit Ihr in Rostock einen außergewöhnlichen Jahresbeginn begehen könnt. Wir grüßen Euch mit großer Freude und senden Euch unsere herzlichsten Grüße vom Ökumenischen Patriarchat. Wir beten, dass die ökumenische Erfahrung, deren Zeugen Ihr seid, eine Quelle der Inspiration und der Erneuerung während des gesamten Jahres 2023 sein wird.

Ihr werdet entdecken oder wiederentdecken – für alle, denen diese Begegnungen nicht neu sind, dass die Erfahrung dieser Tage das Fundament des christlichen Glaubens berührt und am Geheimnis der Gemeinschaft teilhaben lässt. Wenn auch unsere Kirchen noch nicht bereit sind, sich um denselben Kelch zu versammeln, sind die Momente des Miteinanderteilens, des Austauschs und die Wirklichkeit Eures „Zusammenseins“ einegreifbare und authentische Gemeinschaftserfahrung.

Das Bewusstsein, dass wir in Jesus Christus Glieder eines einzigen Leibes sind, kann nicht nur eine intellektuelle Übung sein. Es ist gelebter Glaube und entspringt dem Schmelztiegel, in dem sich das Geheimnis der einen und unteilbaren Dreifaltigkeit entfaltet. Der christliche Glaube bewährt sich oft in der Geschichte der Menschheit selbst. Wir suchen nach Zeichen. Wir wollen Sicherheiten. Wir können die Zweifel unserer Zeit nicht ertragen. Aber der eigentliche Gegenstand unseres Glaubens ist Gott als Person, nicht eine bestimmte Idee von Gott und schon gar nicht eine entzauberte, gesichtslose Spiritualität. Unser Weg ist klar, dieser Wahrheit zu folgen, die durch den fleischgewordenen Christus offenbart wurde, der sein Leben für das Leben der Welt hingegeben hat. Diese geistliche Reise ist eine mystische Vereinigung, wie Paulus es so gut zum Ausdruck bringt: „In Jesus Christus seid ihr euch, die ihr einst in der Ferne wart, durch das Blut Christi nahe gekommen. Denn er ist unser Friede: Was getrennt war, hat er zu einer Einheit geführt. In seinem Fleisch hat er die trennende Mauer niedergerissen: den Hass.“ (Epheser 2,13–14) Und wie der heilige Gregor der Theologe schrieb: „Glücklich ist, wer durch die Vernunft und die Betrachtung dieser Welt der Materie und des Fleisches ... entsagen, Gott begegnen und sich mit dem absolut unvermischten Licht vereinen konnte, soweit dieses der menschlichen Natur zugänglich ist. Selig ist, wer sich über diese Welt erhebt und sich in der anderen Welt mit Gott vereint.“ (Rede 21,2)

Die Einheit der Christen ist eine Notwendigkeit, auf die wir unwiderruflich verpflichtet sind. Wenn jedoch über die Jahrzehnte hinweg der anfängliche Enthusiasmus vergeht, müssen wir uns die Gründe für unser Streben nach Einheit wieder bewusst machen. Abgesehen von der Aufforderung Christi im Johannesevangelium: „Seid eins!“ (Johannes 17,21), die allein unser Streben nach der Wiederherstellung der Gemeinschaft bestimmt, müssen wir uns immer neu bewusst machen, wie aktuell dieses Gebot ist. Gewiss, die historischen Voraussetzungen ändern sich. Unser unverbrüchliches Festhalten an der Zusammenführung der Christen, an der Einheit unserer Kirchen, hängt jedoch mit einem neuen ökumenischen Kairos zusammen, durch den sich die kirchliche Katholizität manifestiert und den Ihr heute in reicher Weise erfahrt.

Möge die Gnade der Einheit und des Friedens über jeden Einzelnen von Euch erstrahlen und die Hoffnung tragen, die das Leben der Kirche trägt, um würdige Arbeiter im Weinberg des Herrn zu sein.


Die Generalsekretärin des Lutherischen Weltbundes, Anne Burkhardt

Liebe Pilger des Vertrauens!
Lieber Frère Alois, liebe Gemeinschaft von Taizé,

ich grüße Euch im Namen des Lutherischen Weltbundes, einer weltweiten Gemeinschaft von 149 Mitgliedskirchen mit über 77 Millionen Mitgliedern.

Ihr alle seid unterwegs, auf einem Weg, auf dem Ihr immer mehr vertieft, was Glaube bedeutet, wie Vertrauen gelebt wird und Liebe zum Ausdruck kommt. Gottes Plan für unsere Welt ist ein Plan der Versöhnung und des Friedens. Diese gute Nachricht treibt uns, für Gerechtigkeit einzutreten und uns – wie Paulus schreibt – all jenen Kräften, Mächten und Reichen zu widersetzen, welche die von Gott gewollte Schöpfung spalten und zerstören wollen.

Ihr seid in Rostock zusammengekommen. Krieg bedroht Europa erneut. Wir beten für einen gerechten Frieden in der Ukraine, und wir beten für einen gerechten Frieden an vielen anderen Orten unseres Planeten. Wir beten auch für Frieden mit unserem Planeten, der Erde. Mögen wir rücksichtsvoll auf dieser Erde leben und uns um sie kümmern.

Ich verpflichte mich mit Euch zum Gebet und zum Handeln bei diesem Europäischen Treffen in Rostock. Dietrich Bonhoeffer schrieb, dass vom Gebet und Handeln die Zukunft der Kirche abhängt. Lasst uns also inständig beten und mit freudigem Herzen unserem Nächsten dienen. Gott segne Euch, damit Ihr ein Segen für andere seid.


Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres

Die Gemeinschaft von Taizé ist für unzählige Menschen auf der Welt ein Leuchtfeuer der Hoffnung, des Friedens und der Barmherzigkeit.

Ich erinnere mich noch gut, wie ich als Student an einem Taizé-Treffen teilgenommen habe, und wünsche Euch alles Gute für Euer diesjähriges Treffen.

Wir stehen vor sehr schweren Zeiten. COVID-19 hat die Schwächen und Ungerechtigkeiten verschärft. Konflikte und Ungleichheiten nehmen zu. Hassreden und Desinformation entfremden die Menschen voneinander. Klimawandel und Schwinden der Artenvielfalt bedrohen unser Leben.

Junge Menschen haben als Erste Alarm geschlagen und Veränderungen gefordert. Ich bin überzeugt, dass wir alles in unserer Macht Stehende tun müssen, um Euren Einsatz für eine gemeinsame Zukunft fortzusetzen. Aus diesem Grund bemühe ich mich, das Engagement junger Menschen zu stärken – unter anderem durch die Einrichtung eines Jugendbüros der Vereinten Nationen.

Ich danke Euch für Euer Engagement, Frieden, Nachhaltigkeit und Menschenrechte auf der Welt voranzutreiben. Die Vereinten Nationen stehen Euch beim Eintreten für den Aufbau eine gerechtere, nachhaltigere und integrativere Welt für alle zur Seite.


Der Vorsitzende der ACK (Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen) in Deutschland, Erzpriester Radu Constantin Miron

Liebe Jugendliche,

die ihr euch auf den Weg nach Rostock gemacht und der Ökumene in
Deutschland ein frisches, ermutigendes und fröhliches Zeichen gelebten
Glaubens geschenkt habt.

Vielen Dank für euren Besuch und vielen Dank für das, was ihr mitgebracht
habt: eure Fragen an die Kirchen und die Zukunft der Welt, eure Begeisterung
für Gemeinschaft und Austausch, eure Sehnsucht nach Stille und Frieden und
eure Unkompliziertheit, von der wir Älteren und die derzeitig Verantwortung
Tragenden in Kirche, Gesellschaft und Politik immer wieder vieles lernen
können und sollten! Ihr habt Rostock und das Umland durch eure Präsenz in
Unterkünften, Bahnen und Bussen bereichert.

Mit euren weißen Beuteln und dem Aufdruck „Welcome to Rostock“, dem
gelben Taizékreuz und dem roten Segelboot unter vollen Segeln seid ihr selbst
zu „Bootschafterinnen“ und „Bootschaftern“ des Glaubens und der Hoffnung
geworden – vielleicht ohne es zu merken. Menschen haben euch im Stadtbild als
Gäste wahrgenommen und sich gefragt, „was ist hier los, dass plötzlich so viele
junge Menschen unterwegs sind und sich in fremden Sprachen unterhalten?“

Handschriftliche Einladungen auf gelben Plakaten luden an unscheinbaren
Häusern und großen Kirchenportalen zum Betreten und dabei sein ein. So
wurdet ihr selbst zu Gastgebern beim Jugendtreffen für Menschen vor Ort. Ihr
habt ihnen durch eure Gegenwart die Augen und durch eure gesungenen Gebete
und einladenden Stillen die Herzen geöffnet.

Menschen, die teilweise geprägt sind von Erfahrungen des belächelten und
unterdrückten Christentums zu Zeiten der DDR und als kaum beachtete
Minderheit scheinbar unter einem Bedeutungsverlust des Glaubens in heutiger
Zeit leiden, habt ihr Mut und Hoffnung geschenkt.

In den Gesprächen der Workshops habt ihr wieder mal zum Ausdruck gebracht,
dass euch die Fragen nach der Zukunft dieser Erde und des gesellschaftlichen
Zusammenhaltes nicht egal sind, und dass ihr die Menschen in leitenden
Funktionen – sowohl in Kirche, Gesellschaft und Politik – in der Verantwortung
seht, sich für die Zukunft des Planeten und für Benachteiligte vor Ort
einzusetzen und echte Beteiligungsstrukturen zu schaffen.

Ihr habt zum Ausdruck gebracht, dass ihr von den Texten des Evangeliums, der
Kraft eurer Gebete und der Gemeinschaft der Christen ohne konfessionelle
Grenzen noch jede Menge erwartet.

Wenn ihr nun in das neue Jahr 2023 startet und wieder an euren derzeitigen
Lebensmittelpunkte zurückkehrt, dann nehmt all die positiven Erfahrungen von
dem Treffen in Rostock mit:

Wie die Kogge unter vollen Segeln auf dem Altarbild in der Messehalle die
Stadt vollbeladen verlässt, so macht ihr euch auch auf den Weg an die
verschiedenen Orte in Europa und der Welt. Tragt als „Bootschaft“ die Kraft aus
dem Glauben an Jesus Christus mit. Schnürt eure Pilgerschuhe als „boots of
hope“ und entzündet eure Kerzen als Leuchttürme in stürmischen Zeiten und
lasst eure Lichter sichtbar in dieser Welt scheinen.

Betet und arbeitet für den Frieden in einer friedlosen Welt.
Betet und arbeitet für die Einheit der Christinnen und Christen.

Danke, dass ihr uns in der Ökumene in Deutschland besucht habt und
Danke, dass ihr die ökumenische Gemeinschaft an so vielen Orten in dieser Welt
bereichert!

Printed from: https://www.taize.fr/de_article35118.html - 1 March 2024
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