Stellungnahme der „Fédération protestante de France“

Achten wir das Gedenken Frère Rogers!

Stellungnahme der Fédération protestante de France (Bund der protestantischen und evangelischen Kirchen Frankreichs) zum Beitrag in der französischen Tageszeitung „Le Monde“ vom 6. September.

Frère Roger hat mehrmals erklärt und noch in seinem letzten Buch geschrieben, daß er in sich selbst seinen reformierten Glauben und die katholische Tradition versöhnt habe, ohne mit jemandem zu brechen. Man sollte seine Vorgehensweise achten und darauf verzichten, konfessionell zu vereinnahmen, was er überwinden wollte. Protestanten wollen ihn oft katholisch machen; Katholiken wollen in seinem Weg eine „Konversion“ [Bekehrung] sehen (als Bestätigung ihrer selbst), wo er Versöhnung, bruchlose Gemeinschaft sah.

Wenn wir in Schubladen stecken, was er nicht in Schubladen stecken wollte, entziehen wir uns auf billige Weise dem Anspruch eines Weges der Versöhnung, der uns stört, weil er uns aufruft, uns von der Stelle zu bewegen. Um evangelisch zu sein, wäre es besser, wir versuchten uns auf einen solchen Weg der Heilung konfessioneller Ausschließlichkeit einzulassen. Unsere christliche Landschaft und unsere begrenzten Mentalitäten machen es uns schwer, uns die Versöhnung beider vorzustellen: Wenn man katholisch ist, ist man nicht mehr evangelisch, und wenn man evangelisch ist, ist man nicht mehr katholisch. Das ist die institutionelle und formale Wirklichkeit unserer Kirchen. Es ist auch ihre Sünde.

Frère Roger hat sich auf einen post-konfessionellen Weg gemacht oder – anders gesagt – er hat die konfessionellen Gräben überschritten. Dies mag uns ungewöhnlich erscheinen, es mag über alles hinausgehen, was wir uns vorstellen können. Und doch war dies seine Vorgehensweise.

Selbst wenn man diese Vorgehensweise nicht teilt, wäre es doch das Mindeste, sie zu achten.

Pfarrer Gill Daudé
Beauftragter für ökumenische Beziehungen der

Fédération protestante de France

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