Malta 2010

„Ein stummer Schrei, den niemand hört”

Seit vielen Jahren besuchte ein Taizé-Bruder erstmals wieder Christen auf den Inseln Malta und Gozo. Hier ein Bericht über seine Reise.

Die christliche Identität dieser sehr religiösen Menschen hat viel mit dem in der Apostelgeschichte (28,1-10) beschriebenen Schiffbruch des Apostels Paulus als Gefangenem auf seinem Weg nach Rom zu tun.

Heute kennt die Insel andere Schiffbrüchige! Und auf eine bestimmte Art sind auch sie Gefangene. Tausende Flüchtlinge aus den schwarzafrikanischen Ländern erreichen Malta, auf der Flucht vor den diktatorischen Regimen in ihren Ländern. Aufgrund seiner geographischen Lage nimmt Malta in Flüchtlingslagern all diejenigen auf, die nicht mehr weiter können. Viele Menschen wollen in Europa Arbeit finden und ein neues Leben aufbauen.

Mit den Wellen von Einwanderern zurecht zu kommen, ist für dieses kleine Land nicht einfach. Während eines Wochenendtreffens des kirchlichen Jugendamts konnten wir den bewegenden Berichten Jugendlicher zuhören, die in Malta Zuflucht gefunden haben.

Neben materieller Hilfe müssen wir Flüchtlinge, ob in Europa oder woanders, mit Gesten der Menschlichkeit begegnen.

In einem Flüchtlingslager, das ein mittlerweile hochbetagter Franziskanerpater ins Leben gerufen hat, erlebten wir eine bedeutungsvolle Szene: Jeden Abend wünscht er den Jugendlichen gute Nacht. Er legt jedes Mal seine Hand auf den Tisch, und sie legen ihre Hände auf die seine. Am Ende rufen alle: „Wir sind eine Familie!“ Mit einem Blick voller Liebe sagt der Mann: „Dies ist ein stummer Schrei, den sonst niemand hört!“ Auf Malta und Gozo treffen wir Christen, die sich für andere mit all ihrer Kraft einsetzten und sie ihre Nähe spüren lassen.

Printed from: http://www.taize.fr/de_article9923.html - 12 November 2019
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