Ein gemeinsames Gebet vorbereiten

Wer an einem Wochentreffen in Taizé oder einem von Taizé aus vorbereiteten Jugentreffen anderswo teilgenommen hat, fragt sich oft, wie man auch zu Hause gemeinsame Gebete halten kann.

Hier einige wesentliche Elemente für die Vorbereitung ruhiger gemeinsamer Gebete, die weder einen festen Anfang noch ein festes Ende haben.

Einen oder zwei Gesänge zur Einstimmung

Psalm

Jesus sprach die überlieferten Gebete seines Volkes; auch die Christen griffen von Anfang an darauf zurück. Wer Psalmen betet, stellt sich in die große Gemeinschaft der Glaubenden. Freude und Traurigkeit, Gottvertrauen, innerer Durst und sogar Angst kommen in den Psalmen vor. Für jedes Gebet ist ein Psalm (fast immer in ausgewählten Versen) vorgesehen. Die Verse werden von einem oder abwechselnd zwei Anwesenden gelesen oder gesungen. Nach jedem Vers antworten alle mit Alleluja oder einem anderen Gebetsruf, dessen Schlußakkord während des Solos weitergesummt werden kann. Gesungene Verse sollten nicht mehr als zwei Zeilen umfassen, gelesene können länger sein. Man kann auch einen anderen Psalm wählen, ebenfalls nicht in voller Länge, sondern in leicht zugänglichen Auszügen.

Vor oder nach der Lesung kann ein Gesang eingeschoben werden, der Christus als das Licht feiert. Während des Gesangs können einige Kinder oder Jugendliche mit Kerzen einen Leuchter entzünden, ein Zeichen, daß die Liebe Christi Feuer ist und auch mitten im Dunkel des persönlichen oder gesellschaftlichen Lebens nicht erlischt.

Lesung

Wer die Bibel liest, geht zur „unversiegbaren Quelle, aus der der dürstende Mensch Gott selbst trinkt“ (Origenes, 3.Jh.). Die Schrift ist ein „Brief Gottes an sein Geschöpf“, der „Gottes Herz in Gottes Wort enthüllt“ (Gregor der Große, 6.Jh.). Bei den Stundengebeten der Kirche wird jeweils ein biblisches Buch in fortlaufenden Abschnitten gelesen. Für einfache gemeinsame Gebete empfiehlt es sich – wie hier geschehen –, wesentliche Bibeltexte auszuwählen, die nicht zu lang sind und keiner Erklärung bedürfen. Die Lesung beginnt mit „Lesung aus…“ oder „Aus dem Evangelium nach…“ Der kursiv gedruckte Teil kann als Kurzlesung dienen; zusätzliche Schriftstellen für jeden Tag enthält der zweimonatlich erscheinende „Brief aus Taizé“.

Gesang

Stille

Gemeinschaft mit Gott läßt sich nur sehr begrenzt in durchdachte Worte fassen. Die Stimme Gottes verstummt nie, Gott drängt sich aber auch niemals auf. Oft läßt sich seine Stimme wie in einem Flüstern, einem Stillehauch vernehmen.

Es ist schon Gebet, wenn man still in seiner Gegenwart verweilt, um seinen Geist zu empfangen. Durch den Heiligen Geist betet Christus tief im Menschen mehr, als wir es uns vorstellen können.

Es gilt nicht mit einer Methode um jeden Preis innere Stille zu erzielen, indem man in sich eine Art Leere schafft, sondern in der Stille mit kindlichem Vertrauen Christus inwendig beten zu lassen. Und eines Tages entdeckt man, daß die Tiefen des Menschen bewohnt sind.

Im gemeinsamen Gebet ist es besser, eine einzige längere Zeit der Stille (fünf bis zehn Minuten) zu halten als mehrere kurze. Wenn Stille im Gebet für viele Anwesende ungewohnt ist, kann man am Ende des vorhergehenden Gesangs ansagen: „Wir beten einige Augenblicke in Stille.“

Fürbitten oder Lobpreis

Fürbitten oder Lobpreis können mitten im gemeinsamen Gebet eine Art „Feuersäule“ bilden. In den Fürbitten weitet sich das Gebet auf die ganze Menschheitsfamilie aus: „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen, besonders der Armen und Bedrängten“ werden Gott anvertraut. Im Lobpreis werden die Zuwendung und die Taten Gottes gefeiert.

Wie beim Psalm werden die einzelnen Bitten oder Preisungen von einem oder abwechselnd zwei Anwesenden gelesen oder gesungen. Ein Kyrie eleison, Gospodi pomilui (Herr, erbarme dich) oder ein anderer Gebetsruf führt sie ein und wird nach jedem Solo von allen als Antwort wiederholt. Ihr Schlußakkord kann während des Solos weitergesummt werden. Die erste Bitte oder Preisung endet mit einem abschließenden Zusatz, der auch bei den folgenden angefügt werden kann.

An die vorgegebenen Bitten oder Preisungen können sich unter Umständen freie, spontan gesprochene Gebete anschließen. Sie sollen kurz gehalten und an Gott gerichtet sein, also nicht dazu dienen, die eigene Meinung in Gebetsform kund zu tun. Auch auf die freien Gebete folgt der gemeinsame Gebetsruf.

Vaterunser

Schlußgebet

Gesänge

Es können noch eine Reihe von Gesängen angestimmt werden; einige sollen darauf achten, daß das Gebet nicht unvermittelt abbricht.

Dem gemeinsamen Gebet können sich Gespräche in kleinen Gruppen – z.B. über einen Bibeltext – in einem nahegelegenen Raum anschließen. Anregungen für Bibelgespräche nach einer Zeit der Stille bieten die „Gedanken zur Bibel“ für jeden Monat, die im „Brief aus Taizé“ erscheinen.

Hinweise auf das Buch "Gemeinsame Gebete" und andere Hilfen bei der Vorbereitung auf den Seiten "Bücher CDs, Videos"

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