TAIZÉ

Für diesen Monat

Gedanken zur Bibel

 
Mit den „Gedanken zur Bibel“ kann man mitten im Alltag, allein oder mit anderen, Gott suchen. Jeder nimmt sich mit dem vorgeschlagenen Text, dem Kommentar und den Fragen eine Zeit der Stille. Danach treffen sich alle zum Austausch. Davor oder danach kann ein gemeinsames Gebet stehen.

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2022

Juni

Psalm 40,1-11: Gott gibt uns Halt


2Ich hoffte, ja ich hoffte auf den Herrn. Da neigte er sich mir zu und hörte mein Schreien.
3Er zog mich herauf aus der Grube des Grauens, aus Schlamm und Morast. Er stellte meine Füße auf den Fels, machte fest meine Schritte.
4Er legte mir ein neues Lied in den Mund, einen Lobgesang auf ihn, unsern Gott. Viele werden es sehen, sich in Ehrfurcht neigen und auf den Herrn vertrauen.
5Wohl dem Mann, der auf den Herrn sein Vertrauen setzt, sich nicht zu den Stolzen hält noch zu treulosen Lügnern.
6Zahlreich sind die Wunder, die du getan hast, und deine Pläne mit uns; Herr, mein Gott, nichts kommt dir gleich. Wollte ich von ihnen künden und reden, es wären mehr, als man zählen kann.
7An Schlacht- und Speiseopfern hast du kein Gefallen, Brand- und Sündopfer forderst du nicht. Doch du hast du mir die Ohren geöffnet;
8darum sage ich: Ja, ich komme. In dieser Schriftrolle steht, was an mir geschehen ist.
9Deinen Willen zu tun, mein Gott, macht mir Freude, deine Weisung trag’ ich im Herzen.
10Gerechtigkeit verkünde ich in großer Gemeinde, meine Lippen verschließe ich nicht; Herr, du weißt es.
11Deine Gerechtigkeit verberge ich nicht im Herzen, ich spreche von deiner Treue und Hilfe, ich schweige nicht über deine Huld und Wahrheit vor der großen Gemeinde.
12Du, Herr, verschließ mir nicht dein Erbarmen, deine Huld und Wahrheit mögen mich immer behüten! (Psalm 40,2–12)

Die Psalmen sind in erster Linie Gebete, die von einer Beziehung zu Gott sprechen. Manche Psalmen, so wie dieser, beschreibt eine Veränderung dieser Beziehung. Der Verfasser des Gebets berichtet von einer persönlichen Erfahrung, welche Menschen später in die Sammlung der Psalmen aufnahmen, wahrscheinlich weil sie die Worte berührten, die ihre eigene Gotteserfahrung widerspiegeln. Dieses persönliche Zeugnis eines Glaubenden der Vergangenheit hilft uns, die Gegenwart Gottes in unserem Leben in Worte zu fassen.

So beginnt der Psalmist in Psalm 40, wie unzählige Glaubende vor und nach ihm, mit seiner Erfahrung eines Abgrunds, von „Schlamm und Morast“ (V. 3). Dieses Bild ist beeindruckend. Schlamm ist zwar weder gefährlich noch schmerzhaft, aber er hindert uns am Vorankommen. Wir können uns aus ihm nicht allein befreien. Dies ist zu Beginn eigentlich beruhigend: Gott fordert den Psalmisten nicht auf, sich aus eigener Kraft aus dem Schlamm zu befreien. Gott kümmert sich um alles. Er zieht ihn nicht nur aus dem Schlamm, sondern festigt auch dessen Schritte. Gott gibt ihm Halt, sodass er seine Beziehung fortsetzen und zu anderen darüber sprechen kann.

Ohne eigene Anstrengung wird der Psalmist, der im Schlamm feststeckt, zu einem lebendigen Zeugen, der anderen das Vertrauen auf Gott weitergibt. (V. 4) Ja, die Leichtigkeit dieser Veränderung ist geradezu das Wesentliche seiner Aussage. Die Hilferufe aus dem Schlamm werden zu einem Lied in seinem Mund. Dieses Lied wird denen, die es hören, helfen, denselben Weg einzuschlagen. Und es wird seit Jahrtausenden weitergegeben.

Aber das ist nicht alles. Gott „öffnet“ die Ohren des Psalmisten. (V. 7) Es ist nicht leicht, Gottes Sehnsucht für uns tief in uns aufzunehmen. Aber auch dies macht Gott möglich. In Vers 6 ist von „zahlreichen Wundern“ Gottes die Rede; doch der gesamte erste Teil des Psalms (V. 2–7) ist im Grunde genommen eine Aufzählung dessen, was Gott für den Psalmisten vollbringt.

Was ergibt sich daraus? Der Psalmist hat neuen Halt, er singt ein Lied, er ist sich vieler Wunder bewusst und hat ein offenes Ohr, die Schrift in der Hand und das Gesetz im Herzen. Er kann nun noch tun, was Gott will. Es sehnt sich nach Beziehung: Statt Tieropfer möchte Gott von uns lieber hören: „Ja, ich komme!“ (V. 8)

Aus dieser Beziehung heraus werden wir als lebendiges Zeugnis für Gott zu anderen gesandt. (V. 4) Das Zeugnis vor der „großen Gemeinde“ (V. 10–11) knüpft an das Vorausgehende an: Das Lied auf den Lippen, die göttliche Gerechtigkeit im Herzen und die Treue und das Heil Gottes ... haben viel mit dem Lied zu tun, das Gott ihm in den Mund legt (V. 4), mit den Weisungen im Herzen des Psalmisten (V. 9) und den für uns vollbrachten Wundern (V. 6). Man könnte sogar hinzufügen, dass es, um in einer großen Versammlung Zeugnis abzulegen, besser ist, festen Halt zu haben und nicht im Schlamm zu versinken! Und die Liebe und Treue Gottes machen diese Verwandlung schließlich dauerhaft (V. 12). Kein Wunder, dass der Psalmist sie in seinem Zeugnis erwähnt (V. 11).

In der ersten Hälfte des Psalms wird berichtet, wie der Psalmist allein im Warten und Schreien im Schlamm die Größe der Liebe Gottes zu ihm erfahren hat. So kann er die Treue Gottes bezeugen. Und da diese Treue ihn zutiefst verändert hat, bezeugt er sie nicht nur mit Worten: sein ganzes Wesen legt Zeugnis für sie ab.

- Entspricht der in diesem Psalm beschriebene Weg auch meinem eigenen Weg mit Gott? Wo befinde ich mich auf diesem Weg?

- Welcher „Schlamm“ lähmt mich und hindert mich, auf andere zuzugehen?

- Was brauche ich, um zu Gott sagen zu können: „Ja, ich komme“?



Weitere Bibelstellen:

Letzte Aktualisierung: 1. Juni 2022