Rom 2012

Worte von Frère Alois

Am Ende des gemeinsamen Abendgebets richtete Frère Alois jeden Abend einige Worte an die Anwesenden.

Freitag, 28. Dezember 2012

Wir sind als Pilger nach Rom gekommen, zusammen auf dem Weg zu einer persönlicheren Gemeinschaft mit Gott und zu einer tieferen Gemeinschaft miteinander.

Wir danken heute, am ersten Abend des Treffens, allen, die uns in den Gemeinden, Familien und Ordensgemeinschaften so herzlich aufgenommen haben.

Und denen, die in Sammelquartieren übernachten, möchte ich sagen: Auch wenn ihr in diesen Tagen nicht bei einer Familie wohnt, habt ihr die Freude, zusammen zu sein und euch gegenseitig in der Einfachheit dieses Pilgerwegs weiterzuhelfen.

Was wollen wir in diesen Tagen leben? In Rom entdecken wir Spuren des Glaubens, der in dieser Stadt seit den Aposteln bis zum heutigen Tag ohne Unterbrechung weitergegeben wurde. Wir sind aus verschiedenen Ländern und christlichen Konfessionen zusammengekommen, um unsere gegenseitige Solidarität zu vertiefen. Wir leben in einer Zeit, in der uns materielle Schwierigkeiten Angst bereiten, anstatt uns zu Schritten der Solidarität zu stimulieren. Wir können in dieser Situation versucht sein, uns mit dem zufriedenzugeben, was wir selbst sind und haben.

Durch unser Treffen stoßen wir die Tore des Vertrauens und der Solidarität auf.

Dabei kommt es wesentlich darauf an, diese Tage wie einen inneren Pilgerweg zu leben und die Quellen des Vertrauens auf Gott in uns selbst freizulegen.

Die Quellen des Vertrauens auf Gott freilegen! Wir möchten im ganzen kommenden Jahr Schritte in dieser Richtung unternehmen. Papst Benedikt, der mit uns zusammen morgen Abend auf dem Petersplatz beten wird, hat zu einem Jahr des Glaubens aufgerufen.

Für die Christen aller Konfessionen ist es von entscheidender Bedeutung, sich immer wieder neu die Frage zu stellen: Warum glauben wir an Gott? In einer Welt, in der das Vertrauen auf Gott für immer weniger Menschen selbstverständlich ist, geben wir unserem Leben einen Sinn, wenn wir diese Frage persönlich beantworten.

Die „Vorschläge für 2013“, die ihr heute erhalten habt, können uns helfen, uns aufzumachen. Um aus dem Vertrauen auf Gott zu leben, sind wir aufeinander angewiesen. Kein Mensch kann für sich allein glauben. Sprechen wir deshalb mit Freunden darüber, in unseren Gruppen, mit Menschen, denen wir begegnen. Stellen wir uns die Frage: Ist das Vertrauen auf Gott etwas, das uns trägt?

Öffnen wir unser Herz für diese unbeschreibliche Botschaft: Gott, der alles übersteigt, was wir uns vorstellen können, hat durch Jesus unser Leben geteilt und wohnt durch den Heiligen Geist in jedem von uns. Für viele Menschen ist diese Botschaft schwer zu verstehen. Und niemand kann behaupten, sie wirklich verstanden zu haben.

Aber wenn wir uns die Zeit nehmen, diese Botschaft aufmerksam zu hören, kann sich in uns etwas verändern. Es wird uns bewusst, dass wir geliebt sind und dass unser Leben kein Zufall ist: Unser Leben ist ein Geschenk und wir sind niemals allein.

Dann verändert sich auch unsere Beziehung zu den anderen. Wir können leben, ohne uns ständig unter Beweis stellen zu müssen und uns selbst zu verteidigen. Der andere ist keine Bedrohung mehr. Wir verlieren die Angst vor der Ungesichertheit unseres Lebens, sie bringt uns vielmehr dazu, Gott anzunehmen.

Kein Mensch kann ohne etwas leben, das ihm Halt gibt. Der eine hofft auf eine bessere Zukunft, der andere findet diesen Halt in der Liebe eines Menschen, der ihm nahesteht, wieder ein anderer im Anhäufen großer Reichtümer oder im persönlichen Erfolg. Glauben bedeutet, sich auf Gott zu stützen, es zu wagen, sich auf seine Liebe zu verlassen.

Gott möchte uns dieser Halt im Leben sein. Dann sind auf einmal frei, uns zu öffnen, ohne vor der Zukunft und vor anderen Angst zu haben.

Wir gehen tausendmal im Leben von der Angst zum Vertrauen hinüber. Dieser Weg ist ein innerer Kampf, bei dem es darum geht, uns nicht von Angst, Verbitterung und Verzweiflung mitreißen zu lassen.

Dieser innere Kampf setzt kreative Energien frei. Er weckt unser Herz und wir können das, was uns entfremdet, hinter uns lassen. Er schenkt uns uns selbst wieder und verhindert, dass wir uns in Mittelmäßigkeit einrichten. Er führt uns vor allem in ein intensives Leben.

Ein intensives Leben; das ist es, was Gott für jeden von uns will. Jesus sagt im Evangelium ganz deutlich: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“

Alles beginnt mit dem Vertrauen, das Gott uns schenkt. Lassen wir unser Leben in diesen Tagen neu werden, indem wir den vertrauensvollen Blick erwidern, den Gott auf jeden von uns richtet.


Samstag, 29. Dezember 2012

Hier die Worte von Frère Alois an Papst Benedikt.


Sonntag, 30. Dezember 2012

Ein Europäisches Jugendtreffen in Rom! Seit langem sprechen wir mit Kardinal Vallini, dem Kardinalvikar von Rom, darüber. Danke, lieber Kardinal Vallini, dass Sie dieses Treffen in so vielen Kirchengemeinden Roms ermöglicht haben. Wir sind auch dankbar für den Empfang, den uns die anderen Konfessionen in Rom bereitet haben: die orthodoxe und die evangelische Kirche. Kardinal Vallini wird nun einige Worte zu uns sprechen:

Kardinal Vallini

Liebe Jugendliche, liebe Rompilger aus vielen europäischen Ländern! Ich grüße euch ganz herzlich: Herzlich willkommen!

Auch ich möchte, wie gestern Abend Papst Benedikt auf dem Petersplatz, meine Freude zum Ausdruck bringen, euch in unserer Stadt zu diesem Pilgerweg des Vertrauens begrüßen zu können, den die Communauté von Taizé organisiert hat.

Ihr seid sehr zahlreich gekommen und wir haben versucht, euch in liebevoller Einfachheit in den Kirchengemeinden, Familien, Ordensgemeinschaften und allen möglichen Einrichtungen aufzunehmen, die wir auftreiben konnten. Daran hat sich auch die Stadt Rom besonders großzügig beteiligt. Ich danke allen, die die Türen ihrer Häuser aufgemacht haben. Wir bitten um Verzeihung dafür, dass nicht alle Orte, an denen ihr aufgenommen wurdet, den Bedingungen entsprechen, die wir auch gerne angeboten hätten.

Rom ist die Stadt der Apostel Petrus und Paulus, die nicht zögerten, für ihren Glauben an Jesus Christus, den Erlöser der Menschen, bis zum Martyrium zu gehen.

Nach ihnen haben viele Männer und Frauen das Evangelium in Treue gelebt und in allen Bereichen des Lebens Zeugnis dafür abgelegt, dass der Mensch nur in Gott, dem Vater der Barmherzigkeit, den vollen Sinn seines Leben finden kann.

Unsere Katakomben, die herrlichen Basiliken und die vielen Kirchen und Kapellen unserer Stadt bezeugen den aufrichtigen Glauben der Römer, über die Jahrhunderte bis in die Gegenwart.

Wir stehen heute im Glauben vor neuen Herausforderungen. Der Glaube wird zunehmend in Frage gestellt und die Kirche von Rom ist in der Verkündigung des Evangeliums engagiert, damit unsere Zeitgenossen es erfahren und mit Begeisterung leben können und die Gewissheit erfahren, dass das Geheimnis des Menschen nur in Jesus Christus sein wahres Licht findet.

Liebe Jugendliche, ihr seid in einem Alter, in dem man sein Leben gestaltet und den Weg zum Glück finden möchte. Ich kann euch offen und aufrichtig sagen, dass auch ich, als ich so alt war wie ihr, viel über meine Zukunft nachgedacht habe und mich immer wieder fragte, wie ich den richten Weg finden könnte. Mit Freude kann ich bezeugen, dass ich sicher bin, dass alle Wahrheiten des menschlichen Lebens in Jesus Christus ihren Ursprung und ihren Höhepunkt finden.

Diesen Glaube möchten wir in diesen Tagen bezeugen und hoffen, dass ihr mit großem Vertrauen darauf in eure Länder zurückfahren könnt, dass Jesus Christus der Weg ist, der den Menschen dem Menschen erklärt, der die Menschen untereinander versöhnt, der ihnen die Leidenschaft für eine Welt schenkt, in der allen Menschen, besonders den Ärmsten, Gerechtigkeit und Frieden zuteil werden.

Glaubt mir, liebe Jugendliche, dass euer Vertrauen auf Jesus Christus gerechtfertigt ist und durch euren spirituellen Weg, durch euer Engagement und eure Begeisterung Hoffnung in der Welt aufkommen wird. Sprecht mit allen, denen ihr unterwegs begegnet, über dieses Vertrauen.

Denkt in eurem Gebet an die Christen von Rom, so wie auch wir für euch beten werden, dass der Herr immer bei euch sei.

Frère Alois

Das Gebet gestern Abend mit Papst Benedikt wird in uns wie ein Licht in Erinnerung bleiben, das uns hilft, voranzugehen. Ich habe dem Papst ein kleines Zeichen der Hoffnung überreicht, das junge Afrikaner uns anlässlich der letzten Etappe unseres Pilgerwegs des Vertrauens in Ruanda anvertraut haben. Es handelt sich um einen Korb – „Agaseke“ genannt – mit Sorghumsamen.

Die jungen Afrikaner haben uns außerdem diese kleinen Körbe, einen für jedes Land in Europa und für jeden der anderen Kontinente, mitgegeben. Wir werden sie jeden Abend verteilen und auf diese Weise die beim Treffen vertretenen Länder begrüßen. So können diese Samen der Hoffnung an vielen Orten überall auf der Welt blühen!

Wir Brüder sind nach Kigali gefahren, um zu bezeugen, wie sehr sich die Menschen in Ruanda danach sehnen, ihr Land wieder aufzubauen. Aber wir sind auch Zeugen der Sehnsucht der jungen afrikanischen Christen, die Zukunft ihres Kontinents vorzubereiten. Die Teilnehmer des Kigali-Treffens waren nicht nur aus Ruanda gekommen, sondern aus der ganzen Region der Großen Seen, aus Ostafrika und anderen Ländern.

Die Menschen in Ruanda haben großes Leid erfahren. Die Erinnerung daran ist noch lebendig und die Wunden sind noch nicht verheilt. Aber das Land ist dabei, wieder aufzublühen. Wir bewundern die Menschen, die Mitgefühl zeigen, Heilung bringen und sich zum Beispiel der Waisen annehmen, als wären es ihre eigenen Kinder.

Wir haben aus Ruanda vor allem den Ruf zur Versöhnung mitgebracht. Die Kirche dort will zu einer tiefen Versöhnung beitragen, nicht zu einer erzwungenen Koexistenz, sondern zu einer Versöhnung der Herzen.

Darin liegt ein Ruf an uns alle: Wie können wir versöhnen, was unvereinbar scheint oder vielleicht sogar unvereinbar ist? Wir sind nicht zu Resignation und Passivität verurteilt, denn Christus ist gekommen, zu versöhnen, was auf immer unversöhnlich schien. Am Kreuz hat er seine Arme allen Menschen entgegengestreckt. Er ist unser Friede! Versöhnung beginnt, wenn wir gemeinsam auf ihn schauen.

Von Kigali fuhr ich mit zwei meiner Brüder in die Stadt Goma in Nord-Kivu, wohin in den Tagen nach den jüngsten Unruhen zuvor Zehntausende Familien geflüchtet waren, die jetzt in unsäglichem Leid und oft extremer Armut leben.

In Goma haben wir Menschen kennengelernt, die unter außergewöhnlichen Umständen Frieden stiften und Zeugen der Liebe sind. Ihr Glauben lässt sie auch inmitten von Chaos, Angst und Verlassenheit durchhalten. Wir bewahren das Bild einer Kirche, die auch dort noch Menschen aufnimmt, wo keine andere soziale Einrichtung mehr funktioniert.

Die Vitalität der jungen Christen in Afrika hat mich tief beeindruckt. Diese Dynamik ist wie eine Ermutigung des Evangeliums, die Hoffnung nicht sinken zu lassen. Wenn ihr die Sorghumsamen in euren verschiedenen Ländern sät, dann denkt an die Hoffnung der jungen Afrikaner, die euch helfen kann!

Wie wird nach Kigali und Rom unser Pilgerweg des Vertrauens weitergehen? Was sind die nächsten Schritte auf unserem Weg hin zur Versammlung für eine neue Solidarität im Jahr 2015 in Taizé?

Wie unsere Aufmerksamkeit im Jahr 2012 besonders den jungen Afrikanern zugewandt war, so wollen wir 2013 jungen Asiaten zuhören: Im kommenden Oktober und November werden einige von uns einen Pilgerweg in mehrere Länder dieses Kontinentes unternehmen, mit Zwischenstationen in Korea und Indien. Und wir werden unsere Solidarität an Orten zum Ausdruck bringen, an denen sich die Menschen nach mehr Gerechtigkeit und Freiheit sehnen.

Und dann wird das nächste Europäische Jugendtreffen vom 28. Dezember 2013 bis 1. Januar 2014 stattfinden, und zwar an der Grenze zwischen zwei Ländern, in einer Stadt, die ein Symbol der Versöhnung in Europa ist, ein Symbol für ein offenes und vereintes Europa. Das nächste Europäische Treffen wird in Straßburg stattfinden.

Wir werden auf französischer Seite im Elsass und auf deutscher Seite in Baden erwartet.

Ein Kind
 
Die ersten „Agaseke-Körbchen“ mit Sorghumsamen sind heute Abend für die jungen Franzosen aus dem Elsass und die jungen Deutschen aus Baden, zusammen mit Erzbischof Grallet, der heute Abend im Namen der verschiedenen Kirchen der Region anwesend ist.

Der Erzbischof von Straßburg

Aus Deutschland und Frankreich, im Namen der katholischen und der evangelischen Kirche des Elsass und von Baden, lade ich euch voll Freude zum Europäischen Jugendtreffen nächstes Jahr in Straßburg ein.

Straßburg ist die Stadt der Versöhnung zwischen Völkern und die Stadt, in der Europa aufgebaut wird. Seit langem leben wir de facto die Ökumene. Herzlich willkommen!

Ein Kind
 
Wir haben auch Körbe für die Jugendlichen aus der Tschechischen Republik, aus Belgien, der Slowakei, den Niederlanden, der Schweiz, Österreich, Portugal, Luxemburg, Estland, Lettland, Montenegro, Slowenien und für diejenigen, die uns hier empfangen haben, die jungen Italiener.
 
Ein Korb ist heute Abend für die Jugendlichen aus Asien, und wir begrüßen die Jugendlichen aus dem Libanon, aus Korea, Japan, Kasachstan, Indonesien, Indien, Bangladesch, China, Hong Kong, Vietnam und den Philippinen.
 
Wir begrüßen auch die Bischöfe, Pfarrer und Kirchenverantwortliche aus Rom, Italien und aus verschiedenen anderen Ländern. Wir begrüßen auch die politischen Verantwortungsträger und den Bürgermeister von Rom.
 
Und jetzt geht in den sieben großen Basiliken und Kirchen das Gebet mit den Gesängen und dem Gebet vor dem Kreuz weiter. Jeder kann mit einer einfachen Geste - indem er mit seiner Stirn das Kreuz berührt - Gott seine eigenen Lasten und die der anderen anvertrauen.

Montag, 31. Dezember 2012

Gestern habe ich die nächsten Etappen unseres Pilgerwegs des Vertrauens angekündigt. Aber dieser Pilgerweg geht zunächst und vor allem im täglichen Leben eines jeden von uns weiter.

Überall ist es notwendig, zu Pilgern der Gemeinschaft und der Freundschaft zu werden, mit denen, die uns nahestehen, mit den Menschen, mit denen wir zusammenleben. Wir sind aufeinander angewiesen, weil wir alle in gewissem Sinne arm sind.

Wir sind aufeinander in unseren Gesellschaften angewiesen. Entwicklung und Fortschritt dürfen nicht mehr nur einigen wenigen vorenthalten sein, während der größte Teil der Menschheit verarmt. Die zunehmenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten drängen uns nicht zu weniger, sondern zu mehr Solidarität.

Das Miteinanderteilen der materiellen Güter bedroht bei weitem nicht unser Wohlergehen, sondern kann uns zu persönlicher Erfüllung und zur Freude am Leben führen. In diesen Tagen haben viele von euch Mut geschöpft, nachdem ihr konkrete Initiativen der Solidarität hier in Rom kennengelernt habt, zum Beispiel Initiativen gegen Jugendarbeitslosigkeit und zur Unterstützung von Flüchtlingen.

Wir sind zwischen Völkern und Kontinenten aufeinander angewiesen. Eine der Ursachen der Ungerechtigkeit auf der Welt liegt darin, dass wir einander nicht kennen. Wenn wir bestimmte Situationen genauer kennen würden, fänden wir leichter aus Spannungen heraus.

Christus führt uns aus allen Sprachen und Völkern zusammen. Wie kann in uns die Leidenschaft für die Einheit brennen, dieses Feuer, für das Christus auf die Erde kam, um es anzuzünden?

Morgen, am 1. Januar, ist der Tag des Friedens. Wenn wir Christen uns zu einem vorrangigen Engagement für Gerechtigkeit und Frieden verpflichten würden, könnte im Christentum eine neue Lebenskraft entstehen. Eine demütiges Christentum, das niemandem etwas aufdrängt, sondern Salz der Erde ist.

Dafür ist es wichtig, dass wir aus verschiedenen christlichen Traditionen zusammenkommen. Warten wir nicht darauf, bis der Weg zur Einheit bis zum Ende durchgeplant ist, nehmen wir die Versöhnung vorweg! Wir können unsere Trennungen nicht länger aufrechterhalten. Aufgrund unserer Spaltungen verliert das Salz der Botschaft des Evangeliums bereits seinen Geschmack.

Als Getaufte gehören wir alle zu Christus und sind Teil des Leibes Christi. Möge unsere Identität als Getaufte an erster Stelle stehen und noch vor unserer konfessionellen Zugehörigkeit!

Weigern wir uns, weiterhin getrennt das zu tun, was wir gemeinsam tun können. Besuchen wir uns gegenseitig! Auch zwischen den verschiedenen christlichen Traditionen kennen wir uns oft nicht. Wenn wir diese Unkenntnis überwinden, entdecken wir Schätze des Evangeliums bei den anderen.

Wenden wir uns gemeinsam demütig Christus zu, vielleicht in Stille. Hören wir gemeinsam sein Wort. Suchen wir gemeinsam sein Gesicht, so wie wir es in diesen Tagen tun.

Dann wird der Heilige Geist wie an Pfingsten kommen. Und gemeinsam können wir den Ruf Christi in die Tat umzusetzen: „Ihr werdet meine Zeugen sein bis an die Enden der Erde.“

Ein Kind
 
Heute haben wir afrikanische Agaseke-Körbe mit Sorghumsamen für die Jugendlichen aus Polen, der Ukraine, Weißrussland, Schweden, Großbritannien, Dänemark, Irland, Norwegen, Finnland, Serbien und Griechenland gefüllt.
 
Einer der Körbe ist für die jungen Afrikaner: Wir begrüßen die Jugendlichen aus Südafrika, Namibia, Togo, Senegal, Tansania, Benin und der Demokratischen Republik Kongo.
 
Und jetzt geht in den sieben großen Basiliken und Kirchen das Gebet mit den Gesängen und dem Gebet vor dem Kreuz weiter. Jeder kann mit einer einfachen Geste - indem er mit seiner Stirn das Kreuz berührt - Gott seine eigenen Lasten und die der anderen anvertrauen.

Dienstag, 1. Januar 2013

Wir sind schon am Ende unseres schönen Treffens und morgen werden fast alle den Heimweg antreten. Ich selbst werde mit einigen meiner Brüder und einhundert Jugendlichen aus ganz Europa unseren Pilgerweg fortsetzen und nach Istanbul weiterfahren, um dort mit dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomäus von Konstantinopel und den verschiedenen Kirchen dieser Stadt Epiphanias, das Fest der Erscheinung des Herrn, zu feiern.

Eine Frage wird uns alle begleiten: Ist es möglich, zu Hause weiterzuführen, was wir in diesen Tagen hier gelebt haben? Wie kann Gott in meinem täglichen Leben eine Rolle spielen?

Wir haben alle manchmal den Eindruck, im Alltag uns selbst überlassen zu sein. Gott scheint manchmal sehr weit weg.

Für manchen ist es sehr schwer, eine Orientierung für sein Leben zu finden. Kaum jemand kann heute selbst die unmittelbare Zukunft absehen. Viele von euch studieren oder machen eine Berufsausbildung, ohne die geringste Ahnung zu haben, was sie eines Tages damit anfangen können. Wie soll man da sein Leben bewusst planen?

Natürlich können wir diesbezüglich keine einfachen Lösungen anbieten. Aber wir Brüder der Communauté von Taizé würden uns wünschen, dass ihr alle aus Rom mit einer inneren Kraft nach Hause zurückfahren könntet, die euch mit Mut und Freude in die Zukunft zu schauen lässt.

Wenn die Unterstützung seitens der Gesellschaft wackelig ist, wird es umso wichtiger, in uns selbst eine innere Kraft zu finden, die uns vorwärts gehen lässt.

Ich bin überzeugt, dass der Glaube an Gott diese innere Kraft wecken kann. Vertrauen ist mehr als ein bloßes Gefühl, es ist möglich, sich bewusst dafür zu entscheiden, Gott zu vertrauen.

Um diese Entscheidung zu stützen, kommt es wie bei einer menschlichen Freundschaft darauf an, mit allem, was wir sind, eine persönliche Beziehung zu Gott zu suchen. Und wir können auf diesem Weg vorankommen, indem wir auf Christus schauen.

Jesus traf in jungen Jahren eine Entscheidung, die seinem ganzen Leben eine Richtung gab. Er hat sein Vertrauen auf Gottes Liebe gesetzt. Er hat Gott selbst angesichts der Fehlschlägen vertraut, die auch ihm nicht erspart blieben.

Und er hat nie einen Schatten auf die Liebe Gottes fallen lassen, die von ihm ausstrahlte. In ihm wurde die Liebe Gottes in ihrer Fülle sichtbar. Im kommenden Jahr könnten wir noch mehr darüber nachdenken. Gott, der alles übersteigt, was wir uns vorstellen können, hat sich durch ein menschliches Leben, durch das Leben Jesu, vollständig zu erkennen gegeben.

Durch ein ganz einfaches Leben strahlte Jesus die Liebe Gottes aus. Er war kein Übermensch, der uns überlegen gewesen wäre, er war vielmehr noch menschlicher als wir.

Und indem wir auf ihn schauen, können wir verstehen, dass Gott uns fähig macht, unserer eigenen Menschlichkeit zu vertrauen. Das Vertrauen auf Gott und auf die Menschen ist ein und dasselbe. Der Glaube an Gott macht uns menschlicher und wir können ablehnen, was uns und andere entmenschlicht.

Gemeinsam mit Christus sind wir alle Kinder Gottes. Wenn wir jeden Tag dieses Vertrauen auf Gott erneuern, finden wir eine innere Kraft und den Willen durchzuhalten. Dies kann unserem ganzen Leben und unseren großen und kleinen Entscheidungen, die wir treffen müssen, eine Richtung geben.

So können wir selbst dort, wo unsere Freiheit eingeschränkt ist, oder inmitten materieller Schwierigkeiten und ohne eine gesicherte Zukunft, Geschmack und Mut finden, unsere Zukunft in die Hand zu nehmen.

Wir können die Worte des Apostels Paulus, die er an einen jungen Leiter einer christlichen Gemeinde namens Timotheus gerichtet hat, so hören als wären sie an jeden von uns gerichtet: „Lass die Gabe, die Gott in dich gelegt hat, wieder aufleben. Gott hat uns nicht einen Geist der Furcht gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“

Ein Kind
 
Heute haben wir zwei afrikanische Körbe mit Sorghumsamen für die Jugendlichen aus Litauen, Russland, Rumänien, Albanien, Moldawien, Spanien, Kosovo, Ungarn, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Kroatien und Malta.
 
Wir haben auch einen Korb für die jungen Australier und Neuseeländer.
 
Ein weiterer Korb ist für die Jugendlichen aus Amerika: wir begrüßen damit die Jugendlichen aus den Vereinigten Staaten, aus Mexiko, der Dominikanische Republik, Haiti, aus Dominica (sic!), Ecuador, Peru, Bolivien, Brasilien, Chile und Argentinien.
 
Und jetzt geht in den sieben großen Basiliken und Kirchen das Gebet mit den Gesängen und dem Gebet vor dem Kreuz weiter. Jeder kann mit einer einfachen Geste - indem er mit seiner Stirn das Kreuz berührt - Gott seine eigenen Lasten und die der anderen anvertrauen.

Printed from: http://www.taize.fr/de_article14948.html - 21 July 2019
Copyright © 2019 - Ateliers et Presses de Taizé, Taizé Community, 71250 France