Ein Evangeliumsweg zur Quelle Saint-Étienne

Im Frühjahr 2015 wurden im Schweigebereich entlang des Weges ins Tal zur Quelle Saint-Étienne Ikonen aus Baumrinde aufgestellt.

Diese Ikonen stammen aus der Werkstatt der Brüder in Nairobi. Sie wurden dort von Frère Denis angefertigt, der am 28. November 2015 starb. Weitere Arbeiten von Frère Denis wurden bereits in einer Sonderausstellung unter dem Thema „Vom Recycling zur Kunst“ gezeigt.

Der „Evangeliumsweg“ wurde Ende April 2015 von Brüdern der Communauté und damals in Taizé anwesenden Jugendlichen eingeweiht. Evangelische Theologiestudenten aus Paris hatten zu dieser Gelegenheit Texte aus dem Evangelium und eine abschließende Betrachtung (siehe: 18. Station: „Pfingsten“) zusammengestellt.

Seither wurde in regelmäßigen Abständen ein gemeinsamer Pilgerweg entlang dieser Stationen angeboten mit dem Titel: „Den Weg des Evangeliums nachgehen: Szenen aus dem Evangelium auf Ikonen aus Baumrinde“.

Es folgen sechs dieser 18 Stationen. Anfang 2016 wird ein Heft mit der gesamten Ikonenreihe sowie den Texten zu jeder Station erscheinen.


1. Station: Verkündigung Mariens (Lukas 1,38)

Maria sagte zum Engel: „Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast.“ Danach verließ sie der Engel.

Dieser Besuch des Engels war eine Verheißung, aber auch ein Ruf, der eine Antwort erwartet, ein Ja ohne Umkehr. Ein freies Ja.

Beten wir für die Menschen, die dazu berufen sind, ihr Leben mit einem Ja hinzugeben.


4. Station: Die Flucht aus Ägypten (Matthäus 2,14)


Da stand Josef in der Nacht auf und floh mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten.

Jesus ist nicht mehr nur ein Obdachloser, er ist auf der Flucht, ein Flüchtling in einem fremden Land.

Beten wir für Auswanderer, Flüchtlinge und Menschen, die im Exil leben müssen.


9. Station: Der Gute Hirte (Johannes 10,14-15)

Jesus sagte: „Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich, wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben hin für die Schafe.“

Bereits Kain stellte die Frage: „Bin ich der Hüter, der Hirte meines Bruders?“ – Ja, natürlich bin ich dieser Hüter …

Beten wir für alle, die in der Kirche ein Hirtenamt innehaben – den Papst, Bischöfe, Pfarrer, Verantwortliche als Laien.


11. Station: Die Fußwaschung (Johannes 13,8.14-17)

Jesus sagte: „Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.“

So lädt Christus auch uns zum demütigenden Dienst an unseren Schwestern und Brüdern ein.

Beten wir für alle, die in Krankenhäusern und Altersheimen mit Liebe ihren Dienst tun.


15. Station: Die Auferstehung (Johannes 20,16-17)

Jesus sagte: „Maria!“ Da wandte sie sich ihm zu und sagte auf Hebräisch zu ihm: „Rabbuni!“, das heißt: Meister. Jesus sagte zu ihr: „Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern, und sag ihnen: ‚Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott.‘“

Wie sehr möchten auch wir Jesus zurückhalten, wenn er uns bei unserem Namen ruft! Stattdessen sagt er zu uns: „Geh, und sag ihnen …!“

Beten wir für alle, die in ihrem eigenen Leben Zeugen der Auferstehung zu sein versuchen.


18. Station: Pfingsten (Apostelgeschichte 2,1-4)

Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.

Wir sind keine Waisen, sondern vom Heiligen Geist und seinen Gaben bewohnt, um immer wieder auf die anderen zuzugehen.

Beten wir für die Kirche, für die Kirchen, für die Versöhnung der Christen, „damit die Welt glauben kann“.

Meditation von drei Theologiestudenten aus Paris

Jesus hat seinen Geist auf die Apostel herabgesandt und uns das Gleiche verheißen. Eine Feuerzunge ließ sich auf jeden von ihnen nieder; der Heilige Geist schenkt jedem von uns seinen Atem. Aber warum ausgerechnet mir? Was ist an mir Besonderes?
Betrachte die Natur um dich herum: Die Ameise, den Baum, den Fisch …; jeder von ihnen hat einen anderen Platz, aber jeder ist für das Gleichgewicht der Schöpfung notwendig. Genauso würdest du fehlen, wenn du den Platz, an den Gott dich gestellt hat, verlassen würdest.
 
Jesus Christus am Kreuz: Als Auferstandener ist Jesus Christus bis ans Ende seiner Sendung gegangen und ruft uns in seine Nachfolge. Du musst deinen Platz einnehmen, den Gott dir bereitet hat. Die Gaben, die der Heilige Geist in dich gelegt hat, helfen dir, mitten in der Welt zu verharren. Wir erkennen den Heiligen Geist an den Früchten, die er hervorbringt: Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Wohlwollen, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung.
 
Höre also in der Stille genau in dich hinein. Dort wird sich dir dein Weg zeigen.

Printed from: http://www.taize.fr/de_article19858.html - 19 August 2019
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