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Osttimor

Besuche im Juli 2010

Im Juli war ein Bruder der Communauté zu Besuch in Osttimor. Er schreibt:
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Wenn das Flugzeug Osttimor anfliegt, meint man, auf dem Meer zu landen. Die Straße in die Stadt führt an der Bucht entlang. Jedes Mal, wenn ich hierher kam, dachte ich mir: „Was für ein wunderschönes Land“, auch wenn noch überall Zeichen des Krieges zu sehen waren: verlassene Häuser, Fenster ohne Scheiben… Doch die Lage hat sich verändert: einige Straßen sind wieder beleuchtet, es gibt neue Gebäude und keine Flüchtlingszelte mehr; die Menschen sind nach Hause zurückgekehrt.

Die Jugendausschüsse der drei Diözesen (Dili, Baucau und Maliana) hatten ein hervorragendes Programm vorbereitet. Sie luden einige Jugendliche aus allen Gemeinden ein. Oft diente der „Brief aus China“ als Grundlage, um über die Frage nachzudenken: „Wie kann man ein meditatives Gebet vorbereiten?“

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Die jungen Erwachsenen, die am Treffen in Manila teilgenommen hatten, haben ihre Erfahrungen auf eine gute Art und Weise weitergegeben. Es war das erste Mal, dass sie außerhalb ihres Landes waren und sie haben dabei viel entdeckt und festgestellt, dass sie jungen Menschen aus anderen Ländern etwas geben können. Die Woche vor dem Treffen, die sie außerhalb Manilas verbrachten, hat sie sehr beeindruckt, besonders diejenigen, die Stammesgebiete besuchten.

Zusätzlich zu den Diözesantreffen gab es einen halben Tag für Postulanten und Novizen aus verschiedenen Ordensgemeinschaften.

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Seit meinem ersten Besuch 1991 haben sich viele Dinge geändert. Die Jugendlichen sind hochmotiviert und viele von ihnen scheinen sehr reif zu sein: eine Mischung aus Zurückhaltung und einem klaren Identitätsbewusstsein als Timoresen. Im Vergleich zu anderen asiatischen Ländern gibt es einen großen Unterschied im Verhalten und in der Art und Weise, wie sie sich ausdrücken.

Sonntags sind die Kirchen überfüllt. Die Jugendlichen sind sich der Rolle der Kirche bewusst, die für eine Rückkehr der Demokratie kämpfte und sich solidarisch mit dem Volk zeigte.

Die drei Bischöfe bestehen auf der Bedeutung des Gebets. Es ist klar, dass die Wunden der Vergangenheit noch offen sind. Ein junger Mann erzählte mir, dass es noch immer Gewaltausbrüche in der Gesellschaft und in den Familien gibt. Ich fragte ihn, wie die ganz Kleinen darauf reagierten. Er sagte mir, dass das Problem darin bestünde, dass einige Eltern ihren Kindern einen Geist der Rache vermitteln und es ist seine Generation, die den schmalen Weg zwischen „nicht vergessen“ und „vergeben“ finden muss.


„Verwundet und stark"

Besuche 2009

„Zum ersten Mal wurden im Bistum Dili Einkehrtage für junge Erwachsene angeboten. Die Schwestern vom Hl. Herzen Jesu öffneten den Jugendlichen ihr Haus im Bergdorf Bazartete. Zum Haus gehört ein Kindergarten, der bei dieser Gelegenheit in einen Ort der Stille verwandelt wurde.

Das bischöfliche Jugendamt hatte alle Gemeinden der Diözesen gebeten, jeweils zwei Jugendliche zu senden, so waren wir am Ende 45 Leute. Als Anstoß zum Austausch diente der „Brief aus Kenia‟, und die Jugendlichen sollten Plakate zu den gestellten Fragen entwerfen: „Aus welcher Quelle leben wir? Wie können wir die Quelle in uns freilegen?‟

Am Sonntagnachmittag gingen wir gemeinsam ins Tal nach Dili zum gemeinsamen Gebet, zu dem alle eingeladen waren, besonders diejenigen, die nicht nach Bazartete kommen konnten. Jedoch gab es zwei Probleme, zum einen hatte bereits eine andere Gruppe den Raum belegt, in dem das Gebet stattfinden sollte, zum anderen fiel nach den sintflutartigen Regenfällender Strom aus. Trotz allem konnten wir gemeinsam mit mehreren Hundert Jugendlichen beten.

In Venilale, in der Diözese Baucau, wartete eine weitere Herausforderung auf uns. 700 Jugendliche zwischen 10 und 25 Jahren waren zusammengekommen. Die Liedblätter und die Kopien des „Briefes aus Kenia‟ reichten nicht; auch befürchteten wir, dass die vielen Jüngeren den „Brief aus Kenia‟ nicht verstehen würden. Genau das Gegenteil war der Fall: es kamen so viele persönliche Zeugnisse gelebten Glaubens einzelner, dass wir abbrechen mussten, um noch zum gemeinsamen Gebet zu kommen.

Im Jahr 2007 war es in Venilale noch zu gewalttätigen Ausschreitungen gekommen. Zu Beginn des Treffens sprach der Pfarrer über die dringend notwendige Versöhnung. Selbst für Kinder gehören Szenen der Gewalt zum Alltag. Nachdem wir den ersten Abschnitt des Briefes gelesen hatten, teilten sich die Jugendlichen in Kleingruppen auf, um später vor allen anderen aus den verschiedenen zu berichten. Es war beeindruckend, wie viele etwas beitragen wollten.

Einer der Organisatoren fasst den Besuch folgendermaßen zusammen:

„Sie kommen nach jahrelanger Gewalt und politischer Instabilität in Osttimor zu uns auf Besuch. Das bestärkt uns in unsere Hoffnung für dieses Land. Durch das Programm und die Gebete haben wir gemerkt, dass sie unsere Jugend ein „fruchtbarer Boden‟ ist, auf dem Gutes gepflanzt werden kann. Wir tragen eine große Verantwortung und sind glücklich, Ihre Solidarität zu erleben, und auf Ihre Unterstützung und Ihr Gebet vertrauen zu können, um dieses verwundete, aber von uns so geliebte Land wieder aufzubauen… Alles was wir vorbereitet hatten, ist gelungen… Dies ist ein wichtiges Zeichen für uns, da wir oft den Eindruck haben, dass selbst noch so kleine Schritte viel Kraft und Anstrengung kosten… Ihre Aufenthalt unter uns verlief eigenartig leicht und voller Freude… Wir danken Ihnen, dass Sie diese Hoffnung mit uns teilen und diesen Schritt auf dem „Pilgerweg des Vertrauens‟ mit uns gegangen sind. Die Jugendlichen sprechen noch viel davon, wie sehr ihnen die Stille und das einfache Gebet geholfen haben, ihre Quellen in Jesus Christus zu entdecken… Für die meisten von ihnen war dies etwas grundlegend Neues in ihrem Leben, das ihnen ermöglicht inmitten des Leidens und der Hoffnungslosigkeit in ihren Leben und ihrem Land, den Kopf über Wasser zu halten…“

„Ist Hoffnung möglich?“

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Während eines Besuchs in Osttimor im Februar geschah der Anschlag auf den Staatspräsidenten.

Ein Bruder der Communauté schreibt: Vor mehr als zwei Jahren war ich das letzte Mal in Osttimor. Die Krise im Jahre 2006, die Gewalt, die Tausenden von Flüchtlingen aus den Bergregionen und der Wahlkampf zu den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen hatten ein Kommen in der Zwischenzeit unmöglich gemacht.

Gleich nach der Landung der erste Schock: überall kaputte Häuser und Flüchtlinge, die in den öffentlichen Parks leben, in Gemeindesälen, Schulen, Seminaren, in Zelten und Hütten, bis auf die Veranda und in den Fluren des Diözesanbüros.

Das erste Treffen war in Bazartete geplant, anderthalb Stunden außerhalb der Hauptstadt Dili. Nach den starken Regenfällen sind die Strassen kaum befahrbar. Zwei junge Ordensschwestern aus einem Dorf mussten allen Mut zusammennehmen, um sich auf den Weg zu machen. An manchen Stellen wird die Strasse gefährlich und wir müssen Leute bitten, unseren Kleinbus aus dem Matsch zu ziehen. Trotzdem sind 250 Jugendliche gekommen, manche von ihnen bis aus Maliana und Liquiça… Wer will, kann über Nacht bleiben. Leute aus der Gemeinde haben ein einfaches Abendessen hergerichtet. Wir haben also Zeit. Die Jugendlichen schauen gespannt den Film über das Leben in Taizé und die Beiträge der Jugendlichen an; sie stellen viele Fragen. Der „Brief aus Cochabamba“ – auf Tetun übersetzt – wird gelesen, danach folgt eine Zeit der Stille und ein Gespräch. Jede der Kleingruppen ist eingeladen, eine Fürbitte vorzubereiten, die während des Abendgebets vorgelesen werden soll. Die Kirche ist wunderbar dekoriert, ganz einfach; das allein ist schon eine Einladung, mit Christus in eine persönliche Beziehung zu treten.

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An jeder meiner Stationen folgt mehr oder weniger das gleiche Programm. Mit jeweils anderthalb Tagen an jedem Ort ist genügend Zeit, mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. Es war sehr bewegend, als einer von ihnen sagte: „Ich habe den Eindruck, dieser Brief wurde für uns geschrieben.“ Viele sagten Ähnliches: der Brief scheint in die momentane Situation zu passen.

In Baucau erreichte uns die Nachricht vom Mordanschlags auf den Präsidenten und vom Tod Major Alfredos. Diese Nachrichten erzeugten natürlich große Nervosität. Was würde passieren? „In Timor weiß man nie, was morgen passiert.“ Aber alles blieb ruhig und wir konnte weiter gemeinsam überlegen.

Später kam die Nachricht, dass es auch in Dili ruhig geblieben war. So brachen wir nach Fuiloro auf, wo uns 400 Jugendliche erwarteten, teils von den zwei großen Don-Bosco-Schulen, aber auch aus Los Palos und anderen Orten, von denen es zu weit nach Baucau war. Unter solchen Umständen konnte das Treffen eigentlich nur mit dem Gebet um das Kreuz zu Ende gehen. Jeder konnte einen Zettel mit einer Bitte in einen Korb neben dem Kreuz legen.

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Zum Schluss gab es auch in Dili noch mehrere Treffen: ein ökumenisches, eines in einer Jugendherberge, mit jungen Ordensleuten in Becora, im Priesterseminar und schließlich ein Treffen mit Jugendlichen aus der ganzen Diözese. Selten erlebt man eine so tiefe Atmosphäre im Gebet. In der Stille, beim Singen, durch das Gebet vor dem Kreuz, brachte jeder Einzelne etwas von seinem Kampf zum Ausdruck.

In einer der kleinen Gesprächsgruppen sagte ein Jugendlicher: „Wir beten und beten und nichts geschieht.“ Dann fügte er hinzu: „Ist Hoffnung wirklich möglich?“ Das traf mich zutiefst. Aber seine Frage bestärkt uns in dem, was wir gemeinsam zu leben versuchen: ein einfaches Gebet, in dem wir unser Herz öffnen, so wie es ist, mit seiner Gewalt und seiner Sehnsucht nach Frieden. Christus lässt die Hoffnung neu aufleuchten.

Letzte Aktualisierung: 14. September 2010