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Für diesen Monat

Gedanken zur Bibel

Mit den „Gedanken zur Bibel“ kann man mitten im Alltag Gott suchen. Jeder nimmt sich eine Zeit der Stille mit dem vorgeschlagenen Text, dem Kommentar und den Fragen. Danach treffen sich alle und tragen ihre Gedanken zusammen. Davor oder danach kann ein gemeinsames Gebet stehen.
2012

Februar

Matthäus 6,12: TDie Vergebung der Armen
Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. (Matthäus 6,12)

Diese Bitte des Vaterunsers unterscheidet sich von den anderen. Es ist ein Gebet zu Gott, erwähnt aber auch unser Tun: „wie auch wir vergeben haben“ oder „wie auch wir vergeben“. Die erste Übersetzung wird von Exegeten bevorzugt, die zweite ist gängige Praxis.

Wer so betet „präsentiert sich – mit Verlaub gesagt – als besonders tugendhaft, und fordert von Gott, dem nichts fernerliegt als irgendjemanden nachzuahmen, es ihm gleichzutun“, stellte im siebten Jahrhundert Maximus der Bekenner mit Erstaunen fest.

Aber wer könnte von sich behaupten, im Verzeihen so weit gegangen zu sein, dass Gott seinem Beispiel folgen sollte? Im Übrigen betont die Bibel, dass wir die Vergebung erst annehmen müssen, bevor wir vergeben: „Der Herr hat euch vergeben, tut ihr das Gleiche“ (Kolosser 3,13). Die unendliche Liebe, mit der uns Gott erfüllt, kann in das Leben anderer übergehen, wenn wir anderen verzeihen.

Warum also kehrt das Vaterunser diese Reihenfolge um: erst wir, dann Gott? Schauen wir, was wörtlich gesagt ist: „Schulden vergeben“ heißt arm werden. Wenn vergeben so viel heißt wie Schulden erlassen, dann bedeutet es in erster Linie einen Verlust.

Im Kolosserbrief wird von der Vergebung wie von einem unverdienten und überwältigenden Geschenk gesprochen: „Der Herr hat euch Gnade erwiesen“. Jesus gebraucht, wenn er von Vergebung spricht, ein sehr schlichtes und banales Wort, das so viel heißt wie „(er)lassen“, so wie in „lass das“ oder „lass etwas los“.

Mit den Worten „Vergib uns unsere Schuld“ bitten wir Gott, die Schulden, die auf uns lasten, „loszulassen“ und uns frei „gehen zu lassen“. In unserer Armut bitten wir Gott, nichts zu fordern, weil wir in Wirklichkeit gar nichts haben, was wir ihm geben könnten.

Es steht nicht in unserer Macht, unsere Vergangenheit vom Bösen zu befreien, das uns angetan wurde. Auch darin zeigt sich unsere Armut: Wir spüren immer wieder einen bisweilen starken Schmerz über das, was uns angetan wurde.

Wenn wir zu Gott sagen „wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“, dann heißt das nicht, dass wir ihm stolz vorhalten: „Schau, wie großzügig ich vergebe“. Es bedeutet nur, dass wir als arme Menschen zu Gott kommen, die nicht länger auf dem bestehen, was ihnen zusteht.

Denn es kommt vor, dass wir insgeheim Buch führen über das Unrecht, das uns angetan wurde, um zur gegebenen Zeit Schadensersatz fordern zu können, mit Ausfallszinsen. Obwohl es uns Sicherheit vorgaukelt, lähmt uns ein solches Buchführen. Um zur Freiheit der Vergebung zu finden, müssen wir hinter uns lassen, was uns traurig macht.

- Was hindert mich daran, zu vergeben?

- Gibt es Dinge, die ich einfach nicht loslassen kann? Was kann ich da tun?

- Bin ich bereit, arm zu werden, um die Freiheit und Freude der Vergebung zu finden?



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