Frère Matthew

Aus dem leben, was du verstanden hast

Donnerstag, 9. April 2026
Jean-Pierre Nguyen

Viele von euch sind diese Woche aus verschiedenen Teilen Deutschlands, aber auch aus mehreren Diözesen Frankreichs sowie aus Schweden und Litauen. Aber auch aus anderen Länder. Vergessen wir nicht die Jugendlichen, die aus Afrika, Asien und Amerika, insbesondere unter den Freiwilligen, die für längere Zeit hier mitleben und die Jugendtreffen mittragen. Herzlich willkommen euch allen!

Gleich werden mir zwei von euch Fragen stellen, und ich versuche, zu antworten, aber zuvor kurz ein paar Worte.

Wir befinden uns in der Osterzeit, in der wir – nach 40 Tagen Fastenzeit – 40 Tage lang die Auferstehung Jesu feiern. Was bedeutet es, dass Gott Jesus von den Toten auferweckt hat? Kein Evangelium berichtet uns, was dabei genau passiert ist. Wir haben nur Zeugnisse von Menschen, die nach seinem schmählichen Tod am Kreuz dem lebendigen Jesus begegnet sind.

Diese Zeugnisse sprechen davon, wie Jesus unter seinen Freunden anwesend war und diese ihn nicht immer gleich erkannten. Seine Gegenwart ist diskret, er drängt sich niemals auf. Jesus machte ihnen wegen ihres Verhaltens vor seinem Tod keine Vorwürfe – einige hatten ihn verlassen, und einer leugnete sogar, ihn zu kennen. Er grüßt sie mit den Worten: „Friede sei mit euch“, er haucht ihnen den Heiligen Geist, seinen eigenen Geist, ein und sendet sie, allen, denen sie begegnen, die Vergebung zu verkünden und aus dem zu leben, was sie von ihm verstanden haben.

Zunächst erschien Jesus den Frauen: Maria von Magdala sandte er zu seinen Jüngern, die frohe Botschaft zu verkünden. So wird sie zur „Apostelin der Apostel“.

Die Auferstehungsberichte haben nichts Triumphalistisches. Die Freunde Jesu haben immer noch Angst, ihr Zweifel bleibt, und doch kommt Jesus und geht auf sie zu. Erst später werden sie verwandelt, und nach der Apostelgeschichte gibt ihnen der Heilige Geist zu Pfingsten die Kraft, im Alltag aus ihrem Vertrauen auf Jesus zu leben, wo immer Gott sie aufruft, Zeugnis abzulegen.

Unser Vertrauen auf diese Zeugnisse kann auch unser Leben verändern. Wir müssen nicht alles verstehen, sondern aus dem leben, was wir verstanden haben. Die Auferstehung Jesu macht uns nicht zu Gefangenen unserer Gewissheiten, sondern offen für eine Gemeinschaft, in der wir denen Schwestern und Brüder sein können, denen wir begegnen, in der der Friede ein Geschenk ist, das wir annehmen und mit anderen teilen müssen. Dieses Vertrauen sagt uns, dass sich auch Situationen ändern können, in denen Stillstand und Tod herrschten.

Letzte Woche waren junge Menschen aus dem Libanon und der Ukraine unter uns. Ihre Anwesenheit bedeutet uns sehr viel. Wir dürfen die Menschen nicht vergessen, die unter Krieg leiden, die unschuldig in einen Kreislauf geraten sind, den sie nicht selbst in Gang gesetzt haben. Ein Ukrainer, Myroslav Marynovytch, hat uns Folgendes geschrieben:

„Dies ist das fünfte Osterfest, das die Ukrainer im Krieg begehen –das fünfte Ostern, das die Völker inmitten einer zerbrechenden Weltordnung feiern. Immer mehr Menschen tragen das schwere Kreuz des Kriegs und würden am liebsten rufen: Wie lange zögerst du noch, Herr, du Heiliger und Wahrhaftiger, Gericht zu halten und unser Blut an den Bewohnern der Erde zu rächen?‘ (Offenbarung 6,10). Doch das Wunder von Ostern verheißt weit mehr als Vergeltung für Verbrechen: ‚Siehe, ich mache alles neu‘ (Offenbarung 21,5). Aus dem Blut der Märtyrer, dem Opfer der Mütter und sogar der Torheit der politischen Führer dieser Welt entsteht eine neue Welt. Wir sehen sie noch nicht deutlich, aber wir glauben daran, denn wir sehen ihr Urbild im Leiden und in der Auferstehung Jesu. Möge der Glaube an diese bevorstehende Verwandlung der Welt uns in diesen Ostertagen inspirieren!“

  Myroslav Marynovytch

„Wäre Christus nicht auferstanden“, sagte Frère Roger, der unser gemeinsames Leben hier in Taizé begonnen hatte, „wären wir heute nicht hier. Wäre er nicht auferstanden, könnten wir nicht im Geheimnis der Gemeinschaft leben, die sein Leib, die Kirche, ist. Wäre er nicht auferstanden, wo wäre dann unsere Hoffnung auf Frieden in dieser Welt, die er so sehr geliebt hat?“

Angesichts der Situation der Welt möchte ich euch aufrufen, für den Frieden zu beten – zunächst morgen Abend um 20 Uhr, wenn wir, wie jeden Freitagabend in Taizé, in Stille alle Völker, die unter dem Krieg leiden, Gott anvertrauen. Und am Samstag wird auch das Abendgebet dem Frieden gewidmet sein, einem Aufruf von Papst Leo folgend, der am Samstagabend im Petersdom für den Frieden betet. Auch die Oberhäupter anderer Kirchen haben ähnliche Aufrufe veröffentlicht.

Diese Gebete sind ein Zeichen unserer Solidarität mit den Opfern des Krieges und bringen unseren Wunsch zum Ausdruck, dass die Staats- und Regierungschefs einen Weg des Dialogs und nicht bewaffneter Auseinandersetzung wählen, um einen gerechten und dauerhaften Frieden zu ermöglichen. Vergessen wir auch nicht die jungen Menschen, die sich unter unterdrückerischen Regimen für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen.

Sie sind auch ein Zeichen unserer Hoffnung, dass der Friede der Auferstehung unsere Herzen und unser Leben verwandelt, damit wir zu Friedensstiftern werden. Jeder einzelne von uns kann für den Frieden beten. Werdet ihr dies auch zu Hause weitermachen?

Letzte Woche traf ich eine 17-jährige junge Frau aus den Vereinigten Staaten, die sich entschlossen hat, Arabisch und Arabistik zu studieren. Ein älterer Bekannter aus der Umgebung hat sein ganzes Leben dem Studium der Sprache und Kultur des Iran gewidmet. Ein Italiener beginnt gerade, Partnerschaften zwischen Schulen in Italien und in Kriegsgebieten anderswo aufzubauen. Mir scheinen dies prophetische Gesten zu sein, die den Weg in eine Zukunft des Friedens ebnen.

Wozu können uns diese Gesten anregen? Das Gebet für den Frieden führt uns auch zum Handeln, jeder nach seinen eigenen Möglichkeiten. Werden wir zu „Pilgern des Friedens“, wenn wir von hier wieder aufbrechen?

Schließlich findet Ende des Jahres unser Europäisches Jugendtreffen in Łódź, Polen, statt – einer Stadt mit vier Wurzeln: katholischen, evangelischen, orthodoxen und jüdischen. Ist das nicht auch ein Zeichen der Hoffnung auf Frieden, das anschaulich ist? Wer zwischen 18 und 35 Jahre alt ist, ist vom 28. Dezember bis zum 1. Januar herzlich eingeladen!

Frère Matthew Gedanken und Meditationen

Veröffentlicht am 17.04.2026