Besuche im Libanon
April - Mai 2025
Am Tag nach unserer Ankunft in Beirut besuchten wir eine Gruppe junger maronitisch-katholischer Christen in einem Stadtteil von Beirut namens Hadath. Es war eine sehr bewegende Begegnung mit diesen jungen Menschen, die viel getan haben, um muslimischen und christlichen Familien in ihrem Stadtteil zu helfen, in dem im vergangenen Herbst durch israelische Bombenangriffe Menschen gestorben waren. Seit einigen Monaten schien endlich Ruhe in ihrem Viertel eingekehrt zu sein, doch zwei Tage später, als wir gerade eine Gruppe griechisch-orthodoxer Jgendlicher besuchten, erfuhren wir mit Bestürzung, dass am Morgen ein erneuter Raketenangriff ein Gebäude in Hadath ganz in der Nähe der Kirche erfolgt war. In diesem Klima allgemeiner Unsicherheit und allgegenwärtiger Angst, auch wenn es nach außen hin nicht so zu sein scheint, leben viele Familien im Libanon. Für einige ist es unmöglich, in ihre zerstörten Dörfer im Süden des Landes zurückzukehren; für andere bleibt die Sorge, dass ihr Heimatort erneut bombardiert wird und sie nirgendwohin fliehen können.
Während unseres Aufenthalts im Libanon haben wir zahlreiche Jugendgruppen der verschiedenen in diesem Land vertretenen Kirchen besucht. So sind wir Maroniten, griechisch-orthodoxen, griechisch-katholischen, armenisch-orthodoxen, armenisch-katholischen, evangelischen Jugendlichen aus verschiedenen Kirchen, römisch-katholischen, syrisch-katholischen, syrisch-orthodoxen, assyrischen und chaldäischen Christen begegnet. Überall wurden wir herzlich empfangen und hatten gute Gespräche. In Tripoli erfuhren wir die gleiche herzliche Aufnahme bei zwei jungen sunnitischen Muslimen, die uns ihr Engagement für muslimische Familien zeigten, die unter schwierigen Bedingungen leben. Während der letzten Monate des Krieges haben sie zusammen mit sunnitischen Freunden viele schiitische Muslime aufgenommen, die aus dem bombardierten Südlibanon geflohen waren. Wenn man weiß, wie groß die Spannungen zwischen Sunniten und Schiiten in Tripoli seit Jahrhunderten sind, dann sind diese Zeugnisse der Solidarität ganz außergewöhnlich!
Am 30. April nahmen wir in Beirut an einem Treffen von 200 Muslimen und Christen teil. Die Anwesenden kamen, um von der Solidarität und Freundschaft zu berichten, die in all diesen letzten Monaten des Krieges unter den israelischen Bombardierungen zwischen libanesischen Muslimen und Christen konkret gelebt wird. Dort trafen wir auch den muslimischen Imam von Sidon im Südlibanon, dessen Moschee völlig zerstört worden war und dem der katholische Priester des Ortes beistand. Unter den verschiedenen Beiträgen gaben zwei Mütter Zeugnis von ihrer neuen und tiefen Freundschaft: Ihre Töchter hatten sich im vergangenen Sommer in Taizé kennengelernt. Als im vergangenen Herbst die Bomben auf den Südlibanon fielen, rief die junge Muslimin ihre christliche Freundin an und bat sie um Hilfe. Sofort sprach die christliche Mutter mit der Mutter der jungen Muslimin und sagte ihr, sie solle schnell mit ihrer ganzen Familie zu ihnen nach Beirut kommen, auch wenn ihre Wohnung nicht sehr groß sei. Sie waren ganze zwei Monate dort, weil sie nicht in den Südlibanon zurückkehren konnten.
Am 1. Mai: Mit etwa dreißig Verantwortlichen für junge Menschen aus verschiedenen christlichen Konfessionen fahren wir mit dem Bus in den Südlibanon, wo Dörfer seit den verschiedenen Angriffen israelischer Truppen in Trümmern liegen. Überall werden wir von den Pfarrern dieser Dörfer empfangen. Wir beten in ihren zerstörten Kirchen. Ich bin erstaunt, dass an jedem Ort die Pfarrer der verschiedenen christlichen Konfessionen darauf bestanden, die Auferstehung Christi zu besingen … Was für eine Widerstandskraft und was für ein Mut des libanesischen Volkes angesichts des Leids, das die Menschen seit vielen Jahren ertragen!
Am 3. Mai: Eine schöne ökumenische Begegnung bringt einen halben Tag lang 300 junge Menschen der verschiedenen in Beirut und Umgebung vertretenen Kirchen zusammen.
Im Mittelpunkt dieser Begegnung stand das Thema Hoffnung. Ein schönes Gebet mit den Gesängen aus Taizé beschloss den Tag.
Die letzte Woche unseres Aufenthalts im Libanon war Besuchen in der Stadt Zahle und in der Region der Bekaa-Ebene gewidmet. Wir trafen alle vier Bischöfe von Zahle: den griechisch-katholischen Bischof, den maronitischen, den griechisch-orthodoxen und den syrisch-orthodoxen Bischof. Sie kennen einander sehr gut und treffen sich regelmäßig. Eines Tages entdecken wir in Begleitung eines armenischen Priesters Anjar, ein armenisches Dorf, das nach dem großen Völkermord von 1915 Tausende von Armeniern aufgenommen hat. Schließlich hat uns am Ende unseres Aufenthalts im Libanon der Besuch im christlichen Dorf Deir el Ahmar in der nördlichen Bekaa besonders beeindruckt. Dort haben die Christen des Dorfes im vergangenen Herbst Tausende schiitische Muslime aus den umliegenden Dörfern aufgenommen, als das Bekaa-Tal von Israel schwer bombardiert wurde.
Veröffentlicht am 28.03.2026