Gedanken von Frère Claudio

Der Mut, zu hoffen

Montag, 25. August 2025 | Besondere Woche 2025
Taizé

Gott sprach zu Abraham: „Deine Frau Sarai sollst du nicht mehr Sarai nennen, sondern sie soll Sara (Herrin) heißen. Ich will sie segnen und dir auch von ihr einen Sohn geben. Ich segne sie, so dass Völker aus ihr hervorgehen; Könige über Völker sollen ihr entstammen.“ Da fiel Abraham auf sein Gesicht nieder und lachte. Er dachte: ‚Können einem Hundertjährigen noch Kinder geboren werden, und kann Sara als Neunzigjährige noch gebären?‘ Dann sagte Abraham zu Gott: „Wenn nur Ismael vor dir am Leben bleibt!“ Gott entgegnete: „Nein, deine Frau Sara wird dir einen Sohn gebären, und du sollst ihn Isaak nennen. Ich werde meinen Bund mit ihm schließen als einen ewigen Bund für seine Nachkommen. Auch was Ismael angeht, erhöre ich dich. Ja, ich segne ihn, ich lasse ihn fruchtbar und sehr zahlreich werden. Zwölf Fürsten wird er zeugen, und ich mache ihn zu einem großen Volk. Meinen Bund aber schließe ich mit Isaak, den dir Sara im nächsten Jahr um diese Zeit gebären wird.“ Als Gott das Gespräch beendet hatte, verließ er Abraham und fuhr zur Höhe auf. (Genesis 17,15–22)

 

Zu Beginn dieser „Besonderen Woche“ in Taizé haben wir soeben einen Text aus dem Buch der Anfänge – der Genesis – gehört. Es handelt sich um einen Dialog zwischen Gott und Abraham. Gott bekräftigt zum vierten Mal sein Versprechen an Abraham und dessen Frau Sara: einen Sohn und zahlreiche Nachkommen.

Zu diesem Zeitpunkt waren bereits 20 bis 25 Jahre vergangen, seit sie das Versprechen zum ersten Mal gehört hatten. Ist da Frustration zu spüren? Ist es nicht töricht, einem Gott zu vertrauen, der Dinge verspricht, aber nicht sagt, wann er sein Versprechen einlösen wird? Verschwenden die beiden nicht ihre Kraft – und sogar ihr Vertrauen?

Abraham und Sara werden als Vater und Mutter des Glaubens bezeichnet (vgl. Hebräer 11,8–12), weil sie Gott nicht nur einmal vertraut haben. Sie haben gelernt, in verschiedenen Situationen immer wieder zu vertrauen, und aus ihrem Vertrauen wurde Hoffnung. Der vorliegende Text lädt uns auf verschiedene Weise ein, selbst zu wachsen.

Ein erstes Element ist der Name „Sara“. In der Bibel bedeutet ein Name Zugehörigkeit und offenbart die Identität einer Person. In diesem Abschnitt könnte es so aussehen, als würde Gott Sara einen neuen Namen geben. Aber im Originaltext sagt Gott zu Abraham einfach nur: „Nenne sie nicht mehr Sarai, sondern ihr Name ist Sara.“ Dies ist keine Änderung, sondern vielmehr die Offenbarung ihres wahren Namens – Sara, was soviel wie „Prinzessin“ bedeutet, diejenige, die herrscht. Gott offenbart sie Abraham als vollwertige Partnerin in Gottes Plan. Es ist, als wolle Gott sicherstellen, dass Abraham Sara so sieht, wie sie wirklich ist.

Ein zweites Element ist Abrahams Lachen. Er lacht über die Vorstellung, in ihrem Alter noch Eltern zu werden, und schlägt einen realistischeren Plan vor – Nachkommen durch seinen und Hagars Sohn Ismael zu bekommen. Gott akzeptiert dies. Ismaels Familie wird zahlreich und von Gott gesegnet sein. Dennoch bekräftigt Gott, dass seine Verheißung an Sara in Erfüllung geht – und er geht eine Verpflichtung ein. Das Wort „Bund“ zeigt, dass Gott die volle Verantwortung für seinen Plan übernimmt. Abrahams Realismus wird nicht als Mangel an Glauben angesehen, sondern ermöglicht ihm, auf die gesamte Verheißung Gottes zu hören.

Mit anderen Worten: Wenn wir aufmerksam hinhören, verstehen wir, dass Abraham nicht nur dieselbe Verheißung ein weiteres Mal hört, sondern dass er herausgefordert wird – herausgefordert, Sara so zu sehen, wie sie wirklich ist, und einem Gott zu vertrauen, der unter Berücksichtigung seiner Perspektive fest zu diesem Plan steht.

Im Denken des Philosophen José Andrés Murillo wird Abraham zu einem „klaren Vertrauen“ herausgefordert – einer Klarheit in menschlichen Beziehungen, einem „Vertrauen, das aktiv ist und sich den Bedingungen verpflichtet fühlt, die es möglich machen“. Auf den Glauben angewendet, umfasst dieses Vertrauen unsere individuellen Perspektiven, während es gleichzeitig aufmerksam und empfänglich für Gottes Licht bleibt. So bringt es uns dazu, das, was wir zu wissen glauben, zu überdenken.

Ich verstehe diesen Text daher als Aufforderung, mein Vertrauen zu erneuern: mich erneut auf einen Dialog mit Gott einzulassen; andere so zu sehen, wie sie wirklich sind; meine Meinung in Frieden zu äußern und Gottes Verheißungen des Lebens neu zu hören, ohne mich zu verschließen, nur weil ich glaube, sie schon einmal gehört zu haben.

 

Fragen für den Austausch

 

Besondere Woche für 18- bis 35-Jährige
Gedanken und Meditationen

Veröffentlicht am 25.08.2025