Die Geschichte

der Communauté von Taizé

1940

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs verlässt der 25-jährige Roger Schutz-Marsauche, Sohn eines reformierten Pfarrers, seine Heimat in der Schweiz, um den Menschen in Frankreich beizustehen, die unter dem Krieg leiden. In Taizé, einem Dorf nahe der Demarkationslinie, die das Land damals teilte, nimmt er Flüchtlinge auf, darunter Juden. Gleichzeitig reift in ihm der Wunsch, eine Gemeinschaft zu gründen – ein Traum, der während einer langen Tuberkulose-Erkrankung in seiner Jugend in ihm gewachsen war.

1942-1944

Frère Roger wird denunziert und muss, nachdem ganz Frankreich im Herbst 1942 besetzt wird, vorübergehend in der Schweiz bleiben. In Genf lernt er seine ersten Brüder kennen und beginnt mit ihnen ein gemeinsames Leben, getragen vom täglichen Gebet, zu dem sie in der Kathedrale zusammenkommen.

1944

Ende 1944 können die Brüder nach Taizé zurückkehren. Sie beten dreimal am Tag, zunächst im Haus, später in der romanischen Dorfkirche. Mit Unterstützung von Rogers Schwester kümmern sie sich um Kinder, die im Krieg ihre Familie verloren haben. Sonntags laden sie deutsche Kriegsgefangene aus einem nahegelegenen Lager ein. Sie bringen die Landwirtschaft in Gang und richten eine Töpferwerkstatt ein. Erste ökumenische Kontakte entstehen, Treffen und Einkehrtage werden organisiert und die theologische Arbeit fortgesetzt.

1949

Nach und nach stoßen weitere junge Brüder zur Communauté. An Ostern schließen sich sieben Brüder für ihr ganzes Leben zusammen – in Ehelosigkeit, Gemeinschaft und einem einfachen Lebensstil. Das erste Mal seit der Reformation gehen Männer evangelischer Herkunft ein solches Engagement ein. Frère Roger wird Prior. Gemeinsam mit Frère Max besucht er Rom, wo sie von Papst Pius XII. empfangen werden.

1951-1952

Frère Roger schreibt die „Regel von Taizé“, die das Wesentliche des gemeinsamen Lebens zum Ausdruck bringt. Als die Gemeinschaft zwölf Brüder zählt, wird die erste Fraternität außerhalb von Taizé gegründet: Zwei Brüder lassen sich bei Montceau-les-Mines nieder und arbeiten als Maurer. 1954 ziehen sie nach Marseille, in ein Viertel mit einer vorwiegend nordafrikanischen Bevölkerung (1954-1961), während zwei weitere Brüder in Algerien leben (1953-1963).

1953-1955

Frère Roger zu Besuchen und ökumenischen Begegnungen im Heiligen Land, in Rom, den Niederlanden, Tunesien, Algerien und in den Vereinigten Staaten.

1958

Gespräche in Genf beim Weltkirchenrat. Papst Johannes XXIII. wird gewählt und empfängt die Brüder von Taizé. In Rom entstehen erste Kontakte zu lateinamerikanischen Bischöfen.

1959

Fraternitäten in Abidjan (Elfenbeinküste, 1959-1968) und Boston (USA, 1959-1960). Frère Roger veröffentlicht das Buch Im Heute Gottes leben.

1960

Mission in England in der anglikanischen Kirche. In Cormatin, 4 km von Taizé entfernt, werden Unterkünfte für Teilnehmer an den Treffen errichtet. Am ersten „Kolloquium von Taizé“ nehmen neun katholische Bischöfe und 65 evangelische Pfarrer teil.

1962-1965

1962: Besuch bei Patriarch Athenagoras von Konstantinopel. Erste Reise eines Bruders der Communauté in die DDR. Einweihung der großen Versöhnungskirche in Taizé. 1962-1965: Frère Roger und Frère Max nehmen als Beobachter am Zweite Vatikanischen Konzil teil. Die „Operation Hoffnung“ wird ins Leben gerufen, um landwirtschaftliche Genossenschaften in Lateinamerika zu unterstützen und eine Million Neuer Testamente auf Spanisch und 500.000 auf Portugiesisch drucken zu lassen. 1963: Teilnahme an der Tausendjahrfeier des Klosterbergs Athos. 1964: Erster Besuch eines Bruders in Ungarn und Bau der Gästeunterkünfte „El Abiodh“ in Taizé. Eine kleine Gemeinschaft von Franziskanern (1964-1972) und ein kleines orthodoxes Zentrum (1965-1969) entstehen in Taizé. Eine Fraternität von Brüdern in den Vereinigten Staaten (1965-1966: Madison; 1965-1966: Boston; 1966-1971: Chicago).

1966-1967

Frère Roger wird jährlich von Papst Paul VI. empfangen. 1966: Die Schwestern von Saint André kommen nach Taizé. Ende August 1966 und 1967: Erste internationale Jugendtreffen in Taizé und ein erster Besuch eines Bruders in der Tschechoslowakei und in Rumänien. Fraternitäten in Brasilien (1966-1972: Olinda-Recife; 1972-1978: Vitoria und seit 1978: Alagoinhas), im Niger (1966-1998) und Ruanda (1966-1972).

1969

Der erste katholische Bruder tritt in die Communauté ein. Die Jugendtreffen finden nun wöchentlich im Sommer und zunehmend das ganze Jahr über statt.

1970

Ostern: Ankündigung eines „Konzils der Jugend“

1973

Frère Roger reist nach Polen. Besuch des Erzbischofs von Canterbury, Michael Ramsay, in Taizé.

1974

Verleihung des Templeton-Preises in London. Eröffnung des „Konzils der Jugend“ in Taizé, danach in Osteuropa und auf den anderen Kontinenten. Friedenspreis des Deutschen Buchhandels in Frankfurt. Fraternität in Bangladesch (1974-1987: Chittagong; 1987-2023: Mymensingh und seit 2021 in Tharnarbaid).

1976-1979

Frère Roger mit Brüdern und einem interkontinentalen Team Jugendlicher in Kalkutta (1976), Hongkong (1977), Kenia und Südafrika (1978), Chile (1979), wo jeweils eine Botschaft an die Jugendlichen verfasst wird. Fraternitäten auf den Philippinen (1977-1979), in New York (1978-2003), in Hongkong (1977-1980), in Japan (1978-1987), in Kenia (1978-1989) und Südkorea (ab 1979).

1978

Frère Roger besucht die Sowjetunion. Er wird jährlich von Papst Johannes Paul II. empfangen. Das erste Europäische Jugendtreffen findet in Paris statt, danach jedes Jahr in einer großen westeuropäischen Stadt.

1980-1983

Das „Konzil der Jugend“ wird ausgesetzt und geht in einen „Pilgerweg“ über. Erste größere Etappen in Spanien, Belgien, Ostdeutschland, den USA, Kanada (1980), der Tschechoslowakei, Polen, Jugoslawien (1981), dem Libanon (1982) und Ungarn (1983). Das Europäische Jugendtreffen 1980 erstmals in Rom und 1981 in London.

1983-1985

Friedensinitiativen bei den Botschaftern der UdSSR und der USA in Madrid (1983) sowie beim Generalsekretär der Vereinten Nationen (1985). 1983: Teilnahme an der Versammlung des Weltkirchenrats in Vancouver. Mutter Teresa besucht Taizé. Frère Roger mit Brüdern in Haiti und Santo Domingo (1983), in Mauretanien (1984). Erstes interkontinentales Jugendtreffen in Madras (1985).

1986-1988

Papst Johannes Paul II. in Taizé (1986). Erstes Ost-West-Jugendtreffen in Ljubljana (1987). Die wöchentlichen Jugendtreffen in Taizé werden interkontinental.

1988-1989

1988: Frère Rogers zweiter Besuch in der UdSSR. UNESCO-Preis für Friedenserziehung. 1989: Eine Million Neuer Testamente in russischer Sprache von der „Operation Hoffnung“ in die UdSSR geschickt. Karlspreis der Stadt Aachen. Erstes Europäisches Jugendtreffen in Osteuropa: Breslau, Polen.

1990

Frère Roger in Rumänien. 50 Jahre Taizé. Mit dem Fall der Berliner Mauer steigt die Zahl der jungen Pilger in Taizé sprunghaft an. Europäisches Jugendtreffen in Prag.

1991-1999

Jugendtreffen in
Manila (Philippinen, 1991), in Dayton (USA), in Johannesburg (Südafrika, 1995).
Fortsetzung der Europäischen Jugendtreffen in Osteuropa (1991: Budapest; 1995:
Wrocław und 1999: Warschau).

1992-1994

Der Erzbischof von
Canterbury, George Carey, kommt mit eintausend
jungen Anglikanern nach Taizé (1992), sowie
die 14 lutherischen Bischöfe Schwedens 1994. 1992: Robert-Schuman-Preis in
Straßburg. Seit 1993: Fraternität von Brüdern im Senegal.

1998-1999

Erste humanitäre Hilfslieferung
im Rahmen der „Operation Hoffnung“ nach Nordkorea: 1000 Tonnen Mais zur
Linderung der Hungersnot; erster Besuch eines Bruders der Communauté in
Nordkorea. Frère Roger als Gast bei der Bischofssynode über Europa in Rom.

2000

Zum Heiligen Jahr
sind die Brüder eingeladen, das ganze Jahr über Gebete in Rom vorzubereiten.

2005

Gewaltsamer Tod von
Frère Roger. Frère Alois, den er zu seinem Nachfolger ernannt hatte, wird
Prior.

2006

Frère Alois trifft
Papst Benedikt XVI., die Patriarchen Bartholomäus von Konstantinopel und
Alexis II. von Moskau, Erzbischof Rowan Williams von Canterbury und nimmt an
der Generalversammlung des Weltkirchenrats in Porto Alegre (Brasilien) teil.
Preis der „Vier Freiheiten“ 2006 in den Niederlanden. Jugendtreffen in
Kalkutta (Indien), danach weitere Jugendtreffen in Nairobi (Kenia, 2008), Kigali
(Ruanda, 2012), Cotonou (Benin, 2016) und Kapstadt (Südafrika, 2018) sowie in
Yogyakarta (Indonesien, 2007), Manila (Philippinen, 2010), in Cochabamba (Bolivien,
2007), Santiago (Chile, 2010), Chicago (USA, 2012), South Dakota (USA, 2013) Mexico
City und Santo Domingo (2014) sowie Australien und Neuseeland (2015).

2008-2009

Frère Alois ist Gast bei
der Bischofssynode zum Thema Wort Gottes (2008), Neuevangelisierung (2012), Jugend
(2018) und Synodalität (2023 und 2024). Eine Million Bibeln durch die „Operation
Hoffnung“ für China gedruckt und verteilt. Frère Alois in China.

2011-2012

Besuch von zehn
koreanischen buddhistischen Mönchen in Taizé. Mehrere Pilgerwege von Brüdern
mit Jugendlichen an Orte mit orthodoxer Tradition: Moskau (2011),
Konstantinopel (2012), Moskau, Minsk und Kiew (2015), Bukarest (2016). Mit
Brüdern und jungen Freiwilligen aus Taizé zu Besuch beim Weltkirchenrat in
Genf (2012 und 2023).

2013

Frère Alois in
Nordkorea.

2015-2017

2015: 100. Geburtstag
von Frère Roger, 10. Jahrestag seines Todes und 75 Jahre seit den Anfängen
der Communauté. Seit 2015: Fraternität von Brüdern auf Kuba. 2016:
Europäisches Treffen in Riga (Lettland). 2017: Patriarch Bartholomäus besucht
Taizé. Erstes „Christlich-islamisches Freundschaftstreffen“ in Taizé. Erstes
Jugendtreffen im Nahen Osten, in Ägypten, später in Beirut (2019) und im
Heiligen Land (2022).

2019-2021

„Unser Bemühen um
Wahrhaftigkeit“ – Beginn der Aufarbeitung von Missbrauch und sexueller Gewalt.
Seit 2020: Fraternität in Pantin bei Paris. 2021: Die wöchentlichen
Jugendtreffen in Taizé gehen nach der Covid-19-Pandemie weiter.

2023

Vorbereitung der „Versammlung
des Volkes Gottes – Together“ in Rom und auf der ganzen Welt. Frère Alois
übergibt sein Amt als Prior an Frère Matthew.

2024

Brüder der Communauté
sind für sechs Wochen in der Ukraine. Europäisches Jugendtreffen in Tallinn (Estland).