Ein Bruder der Communauté in Palästina, Israel und Jordanien

im Februar 2026

Die Gefahr eines Krieges mit dem Iran hing bereits in der Luft, als ich am 31. Januar in Tel Aviv ankam. Würde ich von hier wieder nach Hause kommen? Man durfte nicht zu sehr daran denken. Am ersten Abend traf ich das Team vom Ökumenischen Institut Tantur wieder. Viele junge Menschen erinnern sich noch gut an das Treffen im Mai 2022 im Heiligen Land, bei dem dort der erste Empfang stattfand – nur wenige hundert Meter von der Mauer entfernt, die Israel von Palästina trennt. Am nächsten Tag überquerte ich den Checkpoint nach Bethlehem. Die Brüder von La Salle, die dort eine Universität führen, nahmen mich für zehn Tage herzlich in der Stadt auf, in der Jesus geboren wurde. Was für eine Freude, die jungen Menschen an der Universität wiederzusehen, die 2025 mit ihrem Seelsorger, einem Jesuiten, während der Karwoche in Taizé waren. Sie erinnern sich noch sehr bewegt daran, wie sie am Karfreitag in Taizé die Kreuzikone und am Ostermorgen die Auferstehungsikone getragen haben. Seit einiger Zeit gestalten sie nun ein monatliches Gebet mit Gesängen aus Taizé. Ein gemeinsames Gebet in der Universitätskapelle war ein bewegender Moment und für sie eine Möglichkeit, ihre Erfahrungen in Taizé mit anderen zu teilen. Allein schon ihre Gesichter zeigten, wie sehr ihnen dieser Austausch am Herzen lag.

Die Studentengemeinde ist ein Ort des Lebens. Jeder fühlt sich dort willkommen, unabhängig von seiner Religion. Pater Garrett, der Seelsorger, hat ein Bibelgespräch über das Tagesevangelium organisiert. Mich hat beeindruckt, mit welchem Vertrauen jeder das Wort ergriff und den Text kommentierte. Auf dem Campus fragt man sich, wie es kommt, dass diese jungen Menschen so voller Freude sind. Viele stammen aus Regionen, in denen extreme Spannungen herrschen. Sie werden fast täglich gedemütigt. Woher nehmen sie diese Widerstandskraft? Ich erinnere mich an die Bemerkung einer Bekannten, die in Bethlehem lebt. Sie wollte mich das arabische Wort „sumud“ verstehen lassen. Man übersetzt es manchmal mit „Beharrlichkeit“ oder „Standhaftigkeit“. Doch diese Frau ist überzeugt, dass in dem Wort eine tiefere Weisheit liegt: Man bittet niemanden um Erlaubnis, sich zu freuen.

Einige Tage nach unserem Gebet an der Universität lud das Tantur-Institut alle zu einem Gebet mit Gesängen aus Taizé in der Kapelle des Instituts ein. Ich sollte die Lesungstexte auswählen und ich musste im gegenwärtigen Kontext an diesen Text aus dem Buch des Propheten Jesaja denken:

„Weißt du es nicht, hörst du es nicht? Der Herr ist ein ewiger Gott, der die weite Erde erschuf. Er wird nicht müde und matt, unergründlich ist seine Einsicht. Er gibt dem Müden Kraft, dem Kraftlosen verleiht er große Stärke. Die Jungen werden müde und matt, junge Männer stolpern und stürzen. Die aber, die dem Herrn vertrauen, schöpfen neue Kraft, sie bekommen Flügel wie Adler. Sie laufen und werden nicht müde, sie gehen und werden nicht matt.“

(Jesaja 40,27–31)

Der Text wurde auf Englisch gelesen, dann von einem palästinensischen Christen auf Arabisch sowie von einem der drei anwesenden Rabbiner auf Hebräisch. Katholische, orthodoxe und evangelische Christen nahmen an dem Gebet teil. Angesichts unserer Erschöpfung brauchten wir alle einen solchen Text!

Ich konnte auch den neuen evangelisch-lutherischen Pfarrer in Bethlehem besuchen. Wir möchten beim nächsten Mal gemeinsam ein Gebet vorbereiten. Daoud und Jihane Nasser gehören zu seiner Gemeinde. Unermüdlich verfolgen sie ihr Projekt „Zelt der Nationen“, auf ihrem Grund, der von Siedlungen umgeben ist. Es zeigt auf bewundernswerte Weise, wie man vorangehen kann: daran zu glauben, dass es einen Platz für alle gibt, unermüdlich nach Gerechtigkeit zu suchen und doch niemals dem Hass nachzugeben.

Sie kamen im vergangenen Herbst zu Besuch nach Taizé. Doch diesmal sind sie während meines Aufenthalts in den Niederlanden.

Zwei weitere Gebete fanden in einem Dorf in der Nähe von Ramallah statt, in dem ich schon oft war und von wo zwei junge palästinensische Frauen im Sommer 2024 nach Taizé gekommen waren. Der Kontakt wird tiefer. Sie hoffen, bald mit einer Gruppe nach Taizé kommen zu können.

Das letzte Gebet fand in Nazareth statt, in der Kapelle, in der Charles de Foucauld gebetet hatte, als er seine Berufung verstehen wollte. Mit Gitarre und Querflöte begleiteten zwei Jugendliche aus Nain das Gebet. Ihr Vater aus Nazareth war vor 30 Jahren in Taizé. Einige der Kleinen Brüder Jesu, die seit langem dort leben, beteten mit uns. 

Am nächsten Tag ging es über Beit-Sche'an, dem Grenzübergang, nach Amman, der Hauptstadt Jordaniens, wo mich ein Franziskaner aus Syrien erwartete, der dort eine Schule leitet. Der herzliche Empfang beim lateinisch-katholischen Bischof und seinem Jugendpfarrer wecken Ideen für gemeinsame Projekte. Auch die Fahrt einer Gruppe nach Taizé wird besprochen. Während meines Aufenthalts findet ein Abendgebet mit Gesängen aus Taizé statt, begleitet und gestaltet von sehr begabten Musikern. Nach dem Gebet entsteht ein gutes Gespräch mit den Jugendlichen; außerdem mit einem anglikanischen und einem lutherischen Pfarrer. Dasselbe geschieht in der sehr lebendigen christlichen Gemeinde von Madaba.

Beten wir für alle, die sich in dieser Region der Welt, die in diesen Tagen Schweres durchmacht, für den Frieden einsetzen.

Besuche

Veröffentlicht am 28.03.2026