Ein hörendes Herz verändert uns
Donnerstag, 6. August 2026
Gleich wird Pamela etwas über das Zuhören sagen, doch zunächst ein paar Gedanken zum Fest der Verklärung Christi, das wir heute feiern.
Heute Vormittag habe ich am Lebensengagement von zwei Schwestern der Communauté von Grandchamp in der Schweiz teilgenommen – eine der Schwester stammt aus Lettland, die andere aus Schweden. Es war sehr schön, wie sie ihr „Ja“ zu Christus sprachen, um ihr ganzes Leben in Gemeinschaft zu leben.
Während des Gottesdienstes sollte ich etwas sagen, und wollte etwas Originelles über die Verklärung Christi sagen. So hatte ich letzten Donnerstag eine Familienmutter, die auch Theologin ist, um eine Ideen gebeten, worauf sie zurückfragte: „Was berührt Sie an diesem Text?“ Ich antwortete nur: „Die Worte: Hört auf ihn!“
Einer der Kirchenväter hat einmal gesagt, dass auf dem Berg letztlich die drei Jünger verklärt wurden – vielleicht, weil sie auf besondere Weise begriffen, wie wichtig das Zuhören ist, vor allem auf Jesus.
Zuhören ist ein Akt der Liebe, der im Zentrum jeder vertrauensvollen Beziehung steht. Wenn wir uns nicht zuhören, kann nichts wachsen. Doch wenn wir dem anderen unvoreingenommen zuhören, geben wir ihm Raum, einfach zu sein und auszudrücken, was sich nicht in Worte fassen lässt.
Beim Zuhören steht die Stille im Mittelpunkt. Elija begegnet Gott in einem sanften Windhauch – nicht in Erdbeben, Wind oder Feuer (1 Könige 19,11–13). Heute scheinen sich oft durchzusetzen, die am lautesten schreien; überall scheint Gewalt zu herrschen. Doch Gewalt kommt nie von Gott. Er drängt sich nicht auf. „Lass mich hören, was der Herr spricht; Frieden verkündet Gott seinem Volk.“ (Psalm 85,8)
Geht es nicht darum, dem anderen zuzuhören und ihn zu verstehen suchen? Ein „hörendes Herz“ (1 Könige 3,9) macht uns nicht fügsam; es macht uns vielmehr zu mutigen Entscheidungen fähig, die in unseren tiefsten Überzeugungen wurzeln – wo Gott uns näher ist, als wir uns vorstellen können.
Zuhören macht uns in Christus zu von Gott geliebten Töchtern und Söhnen, und untereinander zu Schwestern und Brüder – wir werden ein Zeichen der Liebe Gottes und ein Ferment des Friedens in der Menschheit.
Ihr alle habt diese Woche erfahren, was Zuhören bedeuten kann. Geht diesen Weg auch zu Hause weiter: Hört Christus in seinem Wort zu, hört auf die Menschen und die alltäglichen Ereignisse, und im Gebet auf das, was tief in uns wohnt, wo der Heilige Geist lebt.
Dieses treue Zuhören verwandelt uns nach und nach. Und wenn Angst aufkommt, dann denkt daran, wie Jesus auf dem Berg auf die drei Jünger zuging, wie er sie berührte und ihnen sagte, sie sollen aufstehen.
Wir können nicht auf dem Berg bleiben. Christus fordert uns auf, wieder hinabzusteigen. Im Tal ist unser Zuhören ein Dienst am anderen – in Treue und Hoffnung. Was ihr in dieser Woche erlebt habt, vergeht nicht – ihr tragt es in euch wie „ein Licht, das an einem finsteren Ort scheint, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in eurem Herzen“ (2 Petrus 1,19).
Pamela:
Ich komme aus dem Libanon, einem wunderschönen Land, in dem Krieg, Angst und Unsicherheit herrschen. Lange trug ich dies wie Wunden in meinem Herzen. Es gibt Tage, an denen der Lärm der Gewalt die Stimme Gottes übertönt. Doch auf dem Berg Tabor, als die Jünger Angst hatten und die Wolke sie überschattete, sagte der Vater nicht, sie sollten auf ihre Angst schauen, sondern: „Hört auf ihn!“ Sich zu entscheiden, auf Christus zu hören, bedeutet, seiner Stimme auch im Chaos zu vertrauen und zu glauben, dass die Liebe stärker ist als der Hass.
Auf Jesus zu hören bedeutet auch, vom Berg herabzusteigen und sich dem Leiden der Menschen zu stellen. Während des Kriegs besuchte ich Kranke, Flüchtlinge und Menschen, die unvorstellbare Verluste zu beklagen hatten. In jedem verwundeten Gesicht begegnete ich dem gekreuzigten Christus. Ein gemeinsames Gebet, ein offenes Ohr oder eine Geste der Güte waren kraftvolle Zeichen, dass die Dunkelheit nicht das letzte Wort hat.
Ich bin Lehrerin und unterrichtete auch während der Luftangriffe. Unser Klassenzimmer wurde zu einem Ort des Friedens, wo gemeinsames Lernen, Lachen und Beten das Licht vom Tabor in die dunklen Schatten des Krieges brachten. Indem wir den Kindern beibringen, Liebe zu wählen statt Verbitterung, zeigen wir ihnen, dass die Dunkelheit nicht das letzte Wort hat und dass wir alle durch kleine Zeichen der Liebe seine Hoffnung bezeugen, die uns verwandelt.
Woher wir auch kommen, mit welchen Wunden wir auch leben – wir können gewiss sein: Wenn wir uns entscheiden, auf Christus zu hören, können wir für andere ein kleines Licht sein.