Im Gedenken an Papst Franziskus
Während des gemeinsamen Morgengebets am Ostermontag in Taizé kam die Nachricht, dass Papst Franziskus in das ewige Leben eingegangen ist. Am Ende des Gottesdienstes sprach Frère Matthew folgendes Gebet – dann läuteten die Glocken:
Gebet
Treuer Gott, wir danken dir für das Leben des geliebten Papstes Franziskus, den du heute Morgen zu dir gerufen hast. Er hat sein Leben in den Dienst des Evangeliums gestellt, im Geheimnis der Gemeinschaft, dem Leib Christi, der Kirche. Er ruht nun in deinem Licht. Mutig hat er uns aufgefordert, auf die Stimme des Heiligen Geistes zu hören und an die Ränder der Kirche und der Gesellschaft zu gehen, um ein Zeichen einer größeren Liebe zu sein. Gelobt seist du!
Zum Ausdruck unserer Dankbarkeit
In großer Dankbarkeit für sein Leben beten wir für ihn.
Die Wahl dieses Papstes aus Argentinien am 13. März 2013 und seine ersten Worte auf dem Petersplatz haben auch unter uns große Freude ausgelöst. Mehrere Brüder waren damals gerade in Rom, ich selbst in Nischni Nowgorod in Russland, zu Gast bei einem argentinischen katholischen Priester, den der damalige Erzbischof von Buenos Aires, Jorge Mario Bergoglio, Jahre zuvor dorthin entsandt hatte.
Während der Übertragung rief der Priester aus: „Ich bin Katholik, Sie sind Anglikaner, wir befinden uns in einem orthodoxen Land – ist das nicht ein Zeichen, dass dieses Pontifikat ökumenisch sein wird!“ Im Rückblick kann ich diese Worte nur bestätigen.
Wir sind Papst Franziskus dankbar für alles, was er für die Einheit der Christen getan hat. Dazu machte er Besuche, die Spuren hinterlassen haben. Und er vollzog konkrete Gesten, die Gemeinschaft stifteten. So sagte er im November 2014 in Istanbul: „Ich denke an die unzähligen orthodoxen, katholischen und evangelischen Jugendlichen, die an den von der Communauté von Taizé organisierten internationalen Treffen teilnehmen. Sie fordern uns heute auf, Schritte in Richtung einer vollen Gemeinschaft zu tun – nicht, weil sie die Bedeutung der Unterschiede, die uns noch trennen, nicht kennen, sondern weil sie weiter blicken, weil sie das Wesentliche erfassen, das uns bereits eint.“
Ich denke bei seinem Pontifikat besonders an seine Freundschaft mit Patriarch Bartholomäus, an seine Nähe zu vielen orthodoxen und evangelischen Kirchenverantwortlichen, an den brüderlichen Empfang von Papst Tawadros im Mai 2013 in Rom, an seine Reise in den Südsudan, gemeinsam mit dem Erzbischof von Canterbury und dem Moderator der Kirche von Schottland sowie an seine Teilnahme an der Gedenkfeier zu 500 Jahren Reformation in Schweden, bei denen er in Lund seine Dankbarkeit „für die spirituellen und theologischen Gaben der Reformation“ zum Ausdruck brachte.
Besonders lebendig erinnere ich mich an das ökumenische Abendgebet „Together“. Die Initiative dazu kam von Frère Alois anlässlich der Eröffnung der Synode über die Synodalität. Der Papst unterstützte dieses Projekt aktiv und lud im Januar 2023 persönlich mit den Worten ein: „Der Weg der Einheit der Christen und der Weg der synodalen Umkehr der Kirche sind miteinander verbunden. (…) Ab heute lade ich unsere Brüder und Schwestern aller christlichen Konfessionen ein, an dieser Versammlung des Volkes Gottes teilzunehmen.“ Seine Anwesenheit auf dem Petersplatz am 30. September 2023 und die Begrüßung der Vertreter sämtlicher Kirchen zeigten seinen tiefen Wunsch nach brüderlicher Gemeinschaft in der Liebe.
Seit Beginn seines Pontifikats geht uns in Taizé sein Aufruf zu Herzen, zu den Schwächsten zu gehen, Migranten und Flüchtlinge aufzunehmen, den Schrei der Erde und den Schrei der Armen zu hören. Er hat all jenen Würde zugesprochen, die selbst keine zu haben glauben. Ich weiß, wie viele Menschen seine Enzyklika „Laudato si’“ berührt hat – ebenso wie sein Einsatz für den interreligiösen Dialog, durch den er Freundschaften über christliche Kreise hinaus geknüpft hat.
Sein Vertrauen in unsere Communauté und mich als Prior bleibt ein Geschenk Gottes, für das wir heute besonders dankbar sind. Vor wenigen Wochen noch war eine Audienz mit ihm geplant, die wegen seines Krankenhausaufenthalts nicht mehr stattfinden konnte. Am Tag danach kamen wir mit Kirchenvertretern in Rom zu einem ökumenischen Gebet zusammen und waren froh, dass er am Tag danach das Krankenhaus verlassen konnte.
Nun ist am heutigen Ostermontag sein Pontifikat zu Ende gegangen. Zusammen mit den Brüdern und den vielen Jugendlichen, die in diesen Tagen in Taizé versammelt sind, beten wir für ihn – erfüllt von tiefer Dankbarkeit für sein Leben und seinen Dienst am Evangelium und an der Kirche.
Frère Matthew, Prior der Communauté von Taizé
Ostermontag, 21. April 2025
Veröffentlicht am 05.11.2025