Gedanken von Frère Simon

Nach Hoffnung suchen

Mittwoch, 27. August 2025 | Besondere Woche 2025
Taizé

Jesus sagte zu seinen Jüngern: „Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott, und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: ‚Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten?‘ Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. Und wohin ich gehe – den Weg dorthin kennt ihr.“ Thomas antwortete ihm: „Herr, wir wissen nicht, wohin die gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen?“ Jesus sagte zu ihm: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich. (Johannes 14,1–6)

 

Einige Stunden vor seiner Festnahme spricht Jesus mit seinen Jüngern. Schon bald werden sie durch Gewalt, Grausamkeit, Lügen, Ungerechtigkeit und Tod voneinander getrennt. Dennoch werden sie sich wiedersehen und den Weg, den sie gemeinsam begonnen haben, auf unerwartete Weise fortsetzen.

Jesus spricht zu ihnen in bildhaften Worten über die Auferstehung, aber seine Worte machen ihnen keine Hoffnung und verwirren sie nur noch mehr. Thomas scheint sogar verärgert zu sein. Er fragt Jesus: „Wir wissen nicht einmal, wohin du gehst, wie sollen wir dir dann folgen?“ Er scheint zu glauben, dass Jesus vielleicht aus Jerusalem fliehen, nach Galiläa zurückkehren oder vielleicht triumphierend in die Stadt einziehen und König werden wird.

Er scheint Jesus tatsächlich nicht zu verstehen, aber seine Frage drückt mehr als nur Verärgerung aus: Er, der alles verlassen hat, um Jesus nachzufolgen, nach all der Zeit, die sie zusammen verbracht haben, von Ort zu Ort gewandert sind und Hoffnung gehegt haben – wie könnte er weitermachen, wenn ihm alles genommen würde, was seinem Leben Sinn gibt? Die bevorstehende Trennung ist für ihn eine unvorstellbar.

Jesus geht in seiner Antwort auf die Not seines Jüngers ein. Er versucht, sich in seine Position zu begeben: Thomas sucht eine Gegenwart, die niemals verschwindet, die ihn voranbringt und überall dort ist, wo Menschen Gott kennenlernen. Diese Gegenwart ist Jesus Christus selbst.

Thomas, der sich ganz konkret fragt, ob er bald kein Jünger mehr ist, überhört, was Jesus ihnen sagt. Doch Jesus macht ihm keine Vorwürfe. Im Gegenteil, er setzt das Gespräch fort, er hält die Verbindung aufrecht. Jesus versteht Thomas, er hört seine Angst. Er fordert ihn nicht auf, sich zusammenzureißen, hart zu sein, sich von seinen Gefühlen zu lösen, eine optimistischere Sicht auf die Zukunft anzunehmen oder weniger konkret zu sein.

Alles, was Jesus von ihm und seinen Jüngern verlangt, ist, sich nicht beunruhigen zu lassen (V. 1) und so vertrauensvoll wie möglich im Augenblick zu leben. So können seine Worte in ihr Herz dringen und einen Weg bahnen, damit sie eines Tages selbst diese Gegenwart entdecken, die sie im Leben voranbringt und lebendige Formen der Wahrheit für andere verwirklicht.

Leben wir dieses Vertrauen nicht schon, wenn wir den Dialog mit Christus wagen und uns bemühen, sein Wort anzunehmen, auch wenn es geheimnisvoll bleibt? Und wenn uns diese Beziehung durch viel Unverständnis oder sogar Leid eingeschränkt scheint – so wenig wir uns auch auf Gott einlassen, für Gott ist es genug, um uns auf die Auferstehung vorzubereiten. Es entsteht eine Hoffnung, die alle Hoffnung übersteigt und die die Jünger und so viele Menschen nach ihnen auf unerwartete Wege geführt hat. Wir erwarten, dass Christus auch uns bei sich aufnehmen wird (V. 3).

 

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Besondere Woche für 18- bis 35-Jährige
Gedanken und Meditationen

Veröffentlicht am 27.08.2025