Pilger der Hoffnung, Pilger des Friedens
Samstag, 30. August 2025 | Besondere Woche 2025
Als sich [der Geheilte] Petrus und Johannes anschloss, lief das ganze Volk bei ihnen in der sogenannten Halle Salomos zusammen, außer sich vor Staunen. Als Petrus das sah, wandte er sich an das Volk: Israeliten, was wundert ihr euch darüber? Was starrt ihr uns an, als hätten wir aus eigener Kraft oder Frömmigkeit bewirkt, dass dieser gehen kann? Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Gott unserer Väter, hat seinen Knecht Jesus verherrlicht, den ihr verraten und vor Pilatus verleugnet habt, obwohl dieser entschieden hatte, ihn freizulassen. Ihr aber habt den Heiligen und Gerechten verleugnet und die Freilassung eines Mörders gefordert. Den Urheber des Lebens habt ihr getötet, aber Gott hat ihn von den Toten auferweckt. Dafür sind wir Zeugen. Und weil er an seinen Namen geglaubt hat, hat dieser Name den Mann hier, den ihr seht und kennt, zu Kräften gebracht; der Glaube, der durch ihn kommt, hat ihm vor euer aller Augen die volle Gesundheit geschenkt. (Apostelgeschichte 3,11—16)
Seit Anfang der Woche denken wir über die Hoffnung nach. Der Schriftsteller Charles Péguy schrieb einmal: „Die Hoffnung ist ein kleines Kind, ganz klein ... Und doch ist es dieses kleine Kind, das die Welt tragen wird. Es allein wird die Tugenden und die Welt leiten. Eine Flamme wird die ewigen Schatten durchdringen.“
Die heutige Lesung aus der Apostelgeschichte lädt uns ein, Pilger der Hoffnung zu sein. Die Szene ist ungewöhnlich: Ein Mann, der seit seiner Geburt gelähmt war und am Tempeltor um Almosen bat, wird geheilt und klammert sich an Petrus und Johannes. Die Umstehenden sind voller Staunen – doch Petrus fragt sie: „Was wundert ihr euch darüber?“, als wäre das Geschehene etwas ganz Natürliches. Dann erklärt er, was mit Jesus geschehen war: sein Prozess, das Todesurteil, seine Hinrichtung und seine Auferstehung – das Herzstück unseres Glaubens, das wir „Kerygma“ nennen. Und er fügt hinzu: „Dafür sind wir Zeugen.“ (V. 15)
Petrus erinnert sie daran, dass die Israeliten Jesus verleugnet und ausgeliefert hatten, um ihn töten zu lassen. Derselbe Petrus, der nun mutig und klar auftritt, hatte an Jesus gezweifelt, als dieser über das Wasser ging, und begann zu versinken (Mt 14,30); er war eingeschlafen und hatte Jesus in seiner schwersten Stunde alleingelassen (Mt 26,40); er war aus Angst geflohen, als Jesus verhaftet wurde (Mk 14,50); er hatte Jesus dreimal verleugnet, als er sich selbst in Gefahr sah (Mt 26,69-74; Lk 22,54-60).
Und nun sagt Petrus, sie seien Zeugen dafür, wie Gottes durch Jesus handelt. Wie kann ein solches Zeugnis glaubwürdig sein?
Petrus stand – wie wir und die anderen Jünger – auf seinem Weg mit Jesus vor schwierigen Momenten. Es war für ihn angesichts der Widrigkeiten nicht immer leicht zu glauben. Petrus musste sich seinen eigenen Ängsten und Dämonen stellen, um ein wahrer Zeuge der Kraft Gottes zu sein.
Er weiß wohl, dass er den Namen Jesu anrufen musste, um nicht zu ertrinken (Mt 14,30). Und Jesus reichte Petrus die Hand und hielt ihn fest. Petrus denkt mit Trauer daran, dass er Jesus dreimal verleugnet hat. Aber er kann seine Tränen der Freude nicht zurückhalten, als er dreimal seine Liebe zum auferstandenen Christus bekundete: „Herr, du weißt, dass ich dich liebe!“ (Joh 21,15-19) Petrus ist sich zutiefst bewusst, dass er nicht Gott ist. Er hat keine eigene Macht. Aber er nimmt den Ruf an, Zeugnis abzulegen für Gottes Macht in seinem Leben und im Leben anderer.
Wie er brauchen auch wir nicht perfekt sein oder übermenschliche Kräfte besitzen, um die frohe Botschaft der Hoffnung weiterzugeben. In einer Welt voller Gewalt, Krieg und Ungerechtigkeit können wir am Glauben und an der Hoffnung auf Jesus festhalten. Mit unseren eigenen Geschichten – mit all ihren Höhen und Tiefen – können wir Zeugen der Kraft der Liebe sein. Wir müssen dazu keine großen Taten vollbringen.
Heute Abend, während des Abendgebets, bekommt jede/r eine kleine Kerze, und dann das Licht von jemand anderem weitergereicht. Jede/r ist eingeladen, die Flamme an einen anderen weiterzugeben. Und wenn die Kerze schließlich ausgeht – aus Sicherheitsgründen –, sollen wir selbst zu einem kleinen Licht werden. Es mag unbedeutend erscheinen, das Licht an eine einzige Person weiterzugeben. Aber wenn jeder von uns dies tut, wird die ganze Kirche hell – und ebenso die Welt, wenn wir unsere kleine Flamme der Hoffnung teilen.
Fragen zum Austausch
- Habe ich jemals eine Verwandlung durch den Glauben erlebt – etwas, das mich von Angst befreit oder mir geholfen hat, ein Gefühl der Lähmung zu überwinden?
- Wie kann ich in meiner Umgebung ein greifbares Zeugnis von Hoffnung und Liebe ablegen?
- Mit welchen Worten oder Taten kann ich in das Leben anderer Menschen Licht bringen?
Besondere Woche für 18- bis 35-Jährige
Veröffentlicht am 30.08.2025