Zeugen der Hoffnung
Donnerstag, 14. August 2025
Angesichts der Temperaturen diese Woche möchte ich allen herzlich danken, dass ihr die Treffen und Gebete durchgehalten habt. Ihr habt euch mit den einfachen Bedingungen abgefunden, die wir bieten können. Wir denken darüber nach, wie wir uns dem Klimawandel noch besser anpassen können.
Leon aus Simbabwe, der derzeit als Freiwilliger in Taizé ist, wird gleich etwas sagen, aber zuvor möchte ich kurz auf zwei Dinge eingehen.
Morgen ist das Fest Mariä Himmelfahrt. Dabei geht es um unsere Zukunft: Dieses Fest richtet unseren Blick nach oben und verkündet den neuen Himmel und die neue Erde, die durch die Auferstehung Jesu entstehen. Maria nimmt diese Hoffnung vorweg, die uns alle erwartet.
Während der Eucharistiefeier morgen werden wir die Geschichte ihres Besuchs bei ihrer Cousine Elisabeth lesen, kurz nachdem sie erfahren hat, dass sie Jesus zur Welt bringen wird. Denkt daran, dass Maria ein verunsichertes junges Mädchen war. Elisabeth dagegen war bereits recht betagt und erwartete selbst noch ein Kind: Johannes den Täufer.
Als Elisabeth Maria kommen sieht, hüpft Johannes in ihrem Bauch, und sie begrüßt Maria mit den Worten: „Du bist gesegnet unter den Frauen, und gesegnet ist das Kind in deinem Leib! … Gesegnet ist sie, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr gesagt hat!“
Maria glaubte dem Wort, das Gott zu ihr gesprochen hat. Auf diese Weise ist sie uns allen Vorbild. Auch wir möchten verstehen, was der Heilige Geist uns heute sagt; wir möchten Gottes Wort in unserem Herzen aufnehmen, damit es unser Leben verwandeln und Frucht bringt. Das kann jeden Tag geschehen, aber es vollzieht sich in der Treue eines ganzen Lebens.
Wenn wir also morgen das Fest Maria Himmelfahrt feiern, fragen wir uns: Was ist das Wort, das Gott mir heute durch den Heiligen Geist sagt? Wie fordert Gott mich auf, dieses Wort anzunehmen? Was möchte Gott durch Christus und das Evangelium in mir entstehen lassen, damit ich es anderen weitergeben kann?
Noch etwas: Am kommenden Samstag, den 16. August, jährt sich zum zwanzigsten Mal der gewaltsame Tod von Frère Roger, der unser gemeinsames Leben in Taizé begonnen hat.
Ich denke besonders an die Kinder und Jugendlichen – viele davon waren als Freiwillige da –,die miterlebt haben, wie er getötet wurde. Vielleicht tragen sie dieses Bild noch heute in sich. Mit einigen von ihnen konnten wir in den Jahren danach sprechen, mit anderen nicht. Aber allen möchte ich sagen, dass wir uns immer freuen, wenn ihr nach Taizé kommt; und wenn ihr reden möchtet, sind wir für euch da.
Frère Roger war erst 25 Jahre alt, als er nach Taizé kam. Er wollte dort, wo Menschen leiden, ein gemeinsames Leben beginnen. Er verließ seine neutrale Schweiz, wo er geboren wurde, und kam 1940 nach Frankreich, wo der Zweite Weltkrieg herrscht. Er nahm Flüchtlinge auf, darunter Juden, und lebte zunächst allein. Nach dem Krieg stießen die ersten Brüder dazu, und er konnte deutschen Kriegsgefangenen, die in einem Lager unten im Tal festgehalten wurden, beistehen.
Frère Roger war in vielerlei Hinsicht ein Zeuge der Hoffnung. Er hat in der Kirche unter den Christen und unter den Menschen guten Willens, unabhängig von ihrem Glauben, oft ungeahnte Wege geöffnet. Seine Vision, sich leidenschaftlich für die Einheit aller Christen einzusetzen und Ferment des Friedens und der Versöhnung in der Menschheitsfamilie zu sein, ist noch immer das Herz der Berufung von uns Brüdern.
Frère Roger war noch sehr jung, als er dem Ruf Christi in seinem Leben folgte. Das kann uns Mut machen, zu verstehen versuchen, was Gott von uns erwartet!
Am Samstag werden wir während des Mittags- und Abendgebets unsere Dankbarkeit für das Leben von Frère Roger zum Ausdruck bringen. Am Samstagnachmittag um 17.30 Uhr findet außerdem eine Diskussionsrunde statt, in der verschiedene Aspekte seines Lebens angesprochen werden.
Und nun wird Leon zu uns sprechen:
Mein Name ist Leon Chiponda. Ich bin Freiwilliger und komme aus Simbabwe. Ich habe acht Jahre lang in Algerien studiert, einem muslimischen Land, in dem ich als Christ meinen Glauben nicht immer offen leben kann. Als Christ einer Pfingstkirche war es schwierig, einen Ort zu finden, an dem wir uns treffen und gemeinsam beten konnten. Dann entdeckte ich die Gebete von Taizé durch ein Treffen in einer Stadt namens Tlemcen, und Taizé wurde für mich zu einem Beispiel für Ökumene.
Ich schätzte die Einfachheit und Universalität der Gebete – die Lieder, die Stille und die Art und Weise, wie wir über Gottes Wort meditieren konnten, ohne dass jemand seine eigene Lehre oder Interpretation hinzufügte. Die Taizé-Gebete vereinten uns als Christen verschiedener Konfessionen, und jeder fühlte sich dazugehörig, unabhängig von den Unterschieden in Glaubensfragen. Die Schriftstelle aus dem Johannesevangelium, in der Jesus betet: „Vater, sie sollen eins sein, wie du und ich eins sind“, wurde zum Ausgangspunkt unserer Gemeinschaft als Brüder und Schwestern in Christus. Gemeinsam teilten wir die Freude und das Dienen, das Gebet und die Stille als ein Leib.
Im Jahr 2022 hatte ich dann die Gelegenheit, einen Monat lang als Freiwilliger in Taizé mitzuarbeiten, und seit dieser Erfahrung wollte ich wiederkommen und mich für längere Zeit freiwillig engagieren. Jetzt bin ich durch Gottes Hilfe wieder hier und bereit, diese Freude und Liebe des Zusammenlebens in Einigkeit zu teilen. So wie Maria antwortete: „Herr, mir geschehe nach deinem Willen“, können wir unser Herz öffnen und diesen Ruf zu dienen und Gemeinschaft zu leben in all unserer Vielfalt annehmen.
Unsere Communauté entstand während des Kriegs. Auch heute ist unser Verlangen nach einem gerechtem und dauerhaftem Frieden und nach wahrer Versöhnung in den vom Krieg zerstörten Ländern unserer Erde sehr lebendig. Wir denken an die Situation in der Ukraine, im Gazastreifen, im Sudan, in Nicaragua, in Myanmar und anderen Ländern sowie an Menschen, die gegen ihren Willen festgehalten werden. Wir denken an den Mut derer, die sich unter unterdrückerischen Regimes für Gerechtigkeit einsetzen.
Bitte kommt morgen und betet mit uns wie jeden Freitagabend für den Frieden in unserer Welt. Wir beten um 20 Uhr vor dem Abendgebet in Stille für diesen Frieden, der oft so weit weg zu sein scheint.
Wer zwischen 18 und 35 Jahre alt ist, sollte sich den 28. Dezember im Kalender vormerken: Alle sind herzlich eingeladen, Europäischen Treffen in Paris und Umgebung zu kommen. Wir werden dort von den katholischen Diözesen, aber auch von den evangelischen und orthodoxen Kirchen sehr herzlich empfangen.
In einer Welt, in der unterschiedliche Überzeugungen, Standpunkte und Hintergründe oft zu Polarisierung und Hass führen, kann dieses Treffen ein Zeichen der Hoffnung sein, ein Zeichen dafür, dass Frieden und ein Zusammenleben als Brüder und Schwestern durch Christus und das Evangelium möglich sind? Kommt mit uns nach Paris!
Veröffentlicht am 20.08.2025