Das Wenige, das wir haben, darbringen
Donnerstag, 9. Juli 2026
In diesen Wochen lesen wir aus dem Matthäusevangelium, und was wir heute Abend gehört haben (16,5–12), ist nicht ohne weiteres verständlich. Jesus fordert diejenigen, die ihm nachfolgen, auf, sich vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer zu hüten. Wer waren diese Personen? – Es waren Menschen, die auf verschiedene Weise Sicherheit im Leben suchten: sei es durch eine Hinwendung zu strengen religiösen Regeln, oder durch politische oder institutionelle Macht. Jesu Weg war anders.
Es heißt, dass die Jünger Jesu das Zeichen der Brotvermehrung nicht verstanden haben. Dennoch fordert er sie auf, sich vor der Lehre der Pharisäer und Sadduzäer zu hüten. Was kann das bedeuten?
Mit sehr begrenzten Mitteln – mit dem, was seine Freunde auftreiben konnten – speiste Jesus beide Male eine große Menschenmenge. Er nahm ganz einfach das Vorhandene und brachte es in Dankbarkeit vor Gott. Ohne irgendjemandem eine Lehre oder einen politischen Standpunkt aufzuzwingen, setzte er diese Zeichen des Reiches Gottes. Hungrige wurden satt, und dabei blieb sogar noch Essen übrig.
Wenn wir Jesus nachfolgen, folgen wir einem Menschen, der sanft und von Herzen demütig ist. Wir folgen ihm nach, nicht weil wir nach menschlicher Vollkommenheit streben oder nach dem, wie wir uns Gottes Vollkommenheit vorstellen, sondern indem wir annehmen, dass er mit uns geht, so wie wir sind, und es wagen, das Wenige darzubringen, was wir haben. Dabei entdecken wir oft, dass wir mit ihm viel tun können.
Ist das nicht ein Weg wahrer Freiheit? Jesus befreit uns, damit wir ganz wir selbst sein können, nicht länger eingeschränkt durch das, was wir meinen, dass von uns erwartet wird. Wwährend wir mit ihm unterwegs sind, verwandelt uns der Heilige Geist nach und nach, sodass auch wir sanft und von Herzen demütig werden.
Ja, das kann bedeuten, bestimmte geistliche oder gesellschaftliche Gewissheiten hinter uns zu lassen. Aber das ist das Abenteuer des Glaubens: ein Weg, alles zu riskieren, um auf die Liebe zu antworten, mit der Gott uns geliebt hat – ein Weg des Vertrauens.
Am Samstagabend werden wir während des Gebets einen neuen Bruder in unsere Gemeinschaft aufnehmen; das ist eine große Freude. Er heißt Paul und kommt aus der Schweiz. Nach einer Zeit als Freiwilliger in Taizé lebt er nun schon ein paar Monaten mit uns Brüdern. Jetzt ist der Moment für den nächsten Schritt auf seinem Weg mit Christus gekommen. Betet für ihn und für uns!
Was nehmt ihr von dieser Erfahrung aus Taizé mit? Wie habt ihr die Frage „Was sucht ihr?“ verstanden? Es wäre schön, wenn jede/r von euch einen Aspekt des Lebens hier benennen könnte, den ihr im Alltag integrieren möchtet.
Wie könnt ihr euer Engagement in euren Ortsgemeinden und in der Gesellschaft entdecken oder vertiefen? Taizé ist oft nicht wichtig; was zählt, ist was passiert, wenn ihr wieder nach Hause fahrt.
Ich möchte euch alle noch bitten, euch Zeit zu nehmen und für den Frieden auf der Welt zu beten – in unseren Familien und unter Freunden, in der Nachbarschaft und besonders in Ländern, in denen Krieg herrscht. Unter uns sind junge Menschen aus der Ukraine und aus dem Nahen Osten.
Ihnen möchte ich unser Gebet und unsere Solidarität anbieten. Brüder von uns werden im Herbst in diese Länder fahren. Wir vergessen euch nicht!
Mit diesem Gebet könnt ihr bereits morgen anfangen, wenn wir um 20 Uhr hier in der Kirche, wie jede Woche, gemeinsam in Stille für den Frieden beten.
Veröffentlicht am 14.07.2026