Die Hoffnung von Ostern
Freitag, 29. August 2025 | Besondere Woche 2025
Jesus kam mit seinen Jüngern zu einem Grundstück, das man Getsemani nennt, und sagte zu ihnen: „Setzt euch und wartet hier, während ich dort bete.“ Und er nahm Petrus und die beiden Söhne des Zebedäus mit sich. Da ergriff ihn Angst und Traurigkeit, und er sagte zu ihnen: „Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht mit mir!“ Und er ging ein Stück weiter, warf sich zu Boden und betete: „Mein Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber. Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst.“ Und er ging zu den Jüngern zurück und fand sie schlafend. Da sagte er zu Petrus: „Konntet ihr nicht einmal eine Stunde mit mir wachen? Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.“ Dann ging er zum zweiten Mal weg und betete: „Mein Vater, wenn dieser Kelch an mir nicht vorübergehen kann, ohne dass ich ihn trinke, geschehe dein Wille.“ Als er zurückkam, fand er sie wieder schlafend, denn die Augen waren ihnen zugefallen. Und er ging wieder von ihnen weg und betete zum dritten Mal mit den gleichen Worten. Danach kehrte er zu den Jüngern zurück und sagte zu ihnen: „Schlaft ihr immer noch und ruht euch aus? Die Stunde ist gekommen; jetzt wird der Menschensohn den Sündern ausgeliefert. Steht auf, wir wollen gehen! Seht, der Verräter, der mich ausliefert, ist da.“ (Matthäus 26,36–46)
Der heutige Text stammt aus dem sogenannten „Gebet im Garten“. Nach dem letzten Abendmahl und vor seiner Gefangennahme geht Jesus beten. Die „Stunde“ rückt näher; die Stunde der Offenbarung, wer Jesus und was seine Mission wirklich ist.
Die Szene, die uns der Evangelist Matthäus beschreibt, spielt sich im schwierigsten Moment im Leben Jesu ab. Mehrmals hat er seinen Jüngern erklärt, dass er von seinen Feinden getötet und am dritten Tag auferstehen werde, aber sie haben ihn nicht verstanden.
Die Jünger hatten eine andere Vorstellung: Der Messias sollte in ihrer Vorstellung über seine Feinde triumphieren. Im Volk herrschte die starke Erwartung einer revolutionären Bewegung, die die Dinge mit Gewalt verändern würde.
Jesus hingegen war überzeugt, dass er leiden und sterben musste. Er verstand sich selbst nicht als sozial-politisch-militärischer Messias, sondern als den leidenden Knecht, den er beim Propheten Jesaja gefunden und über den er nachgedacht hatte, der sein Volk durch Hingabe und Leiden und nicht durch Macht und Triumph befreien würde.
Jesus weiß, dass die Stunde seiner Offenbarung gekommen ist, in der er jeglicher Macht entledigt als Gottesknecht leiden würde. Er hat diesen, seinen Weg bewusst gewählt. Dennoch spürt er auch die menschliche Angst vor Leid und Tod.
Jesus begibt sich in die Hände des Vaters und weiß, dass dieser ihn nicht verlassen wird, obwohl er im Moment Verlassenheit und Traurigkeit empfindet. Aber darin liegt seine HOFFNUNG. Es gibt Zeiten, in denen wir uns allein und verlassen fühlen. Wahre Hoffnung gründet auf der Gewissheit, dass wir, was auch immer geschieht, in den Händen des Vaters, des Abba, sind. Es ist nicht die Gewissheit, durch Gewalt zu siegen, sondern dass Gott, der Vater unseres Herrn Jesus, uns in dieser schwierigen Situation, die wir persönlich oder gemeinsam erleben, niemals verlässt.
Auch im gesellschaftlichen Leben in der Welt mit ihren Kriegen und ihrem Streben nach Herrschaft und Macht brauchen wir diese Hoffnung. Auch in den Kirchen und Religionen brauchen wir diese Hoffnung, die sich manchmal wie eine Hoffnung gegen alle Hoffnung anfühlt.
Die neue Welt, die aus einfachem Dienen und Nächstenliebe besteht, ist BEREITS gegenwärtig. In jener Stunde der Verlassenheit und Bewusstlosigkeit der Jünger, in der die Feinde Jesu sich geschworen hatten, ihn zu beseitigen, in jener Stunde hatte sich Jesus bereits in die Hände seines Vaters begeben und war seiner Überzeugung treu geblieben: Dienen und Demut besiegen das Böse – nicht Herrschaft, Überheblichkeit und Macht.
Das Gebet Jesu im Moment seines Todeskampfes, als er weiß, dass er sich der Macht des Bösen allein stellen muss, lehrt auch uns, unseren Überzeugungen treu zu bleiben, vor allem der Überzeugung, dass Gott unser Vater ist, auf den wir immer vertrauen können.
Fragen für den Austausch
- Verstehe ich, was „die Stunde” für Jesus bedeutet? Gibt es oder gab es in meinem Leben ähnliche Momente?
- Sind Macht und Herrschaft über andere oder über die Wirklichkeit für mich eine Versuchung?
- Kenne ich Erfahrungen demütigen Dienens, die mir Hoffnung geben?
Besondere Woche für 18- bis 35-Jährige
Veröffentlicht am 29.08.2025