Hoffnung hat mit Wahrheit und Gerechtigkeit zu tun
Donnerstag, 28. August 2025 | Besondere Woche 2025
Der Herr hört die Schreie der Gerechten; er entreißt sie all ihren Ängsten. Nahe ist der Herr den zerbrochenen Herzen, er hilft denen auf, die zerknirscht sind. Der Gerechte muss viel leiden, doch allem wird der Herr ihn entreißen. Er behütet all seine Glieder, nicht eines von ihnen wird zerbrochen. Den Frevler wird seine Bosheit töten; wer den Gerechten hasst, muss es büßen. Der Herr erlöst seine Knechte; straflos bleibt, wer zu ihm sich flüchtet. (Psalm 34,18–23)
Dieser Psalm kann uns beruhigen, aber auch erschrecken.
Beruhigend ist zu wissen, dass Gott gütig ist und an unserer Seite gegen das Böse kämpft. Der Psalm bekräftigt: Gott ist nicht nur in unserem Leben gegenwärtig, er wacht über die gebrochenen Herzen und ist ihnen nahe. Gott hört unsere Schreie der Angst, er antwortet darauf und befreit uns vom Bösen. Gott steht also eindeutig aufseiten der Wahrheit und Gerechtigkeit – hier und jetzt.
Dennoch kommt man um Vers 20 nicht herum, wo es heißt: „Der Gerechte muss viel leiden.“ Dieser Vers kann uns erstarren lassen, uns gegen Gott aufbringen, so wie Ijob oder Jesus, der die Psalmen betete und flehte: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Die Figur des Gerechten, der „vom Leiden zermalmt“ wird, zieht sich durch die gesamte Bibel: Erinnern wir uns an das Lied vom Gottesknecht beim Propheten Jesaja, aus dem hier zitiert wird: „Er wurde misshandelt und niedergedrückt, aber er tat seinen Mund nicht auf. Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt, und wie ein Schaf angesichts seiner Scherer, so tat auch er seinen Mund nicht auf. Durch Haft und Gericht wurde er dahingerafft, doch wen kümmerte sein Geschick? Er wurde vom Land der Lebenden abgeschnitten und wegen der Verbrechen seines Volkes zu Tode getroffen“ (Jesaja 53,7-8)
Gestern wie heute sterben Unschuldige, Völker werden auf schreckliche Weise zu Tode geprügelt! Einige von euch kennen das aus eigener Erfahrung, haben es am eigenen Leib, am eigenen Herzen oder der eigenen Seele erfahren: Das Unglück trifft ungerecht, es trifft die Bösen, aber auch die Gerechten. Wir stoßen hier auf das Geheimnis des Bösen und müssen zugeben: Diese tragische Realität kann unser Vertrauen in die von Gott verheißene Wahrheit und Gerechtigkeit erschüttern. Daher ist die Versuchung groß zu fliehen, sich zu betäuben oder auf sich selbst zurückzuziehen. Doch wie es im Jahresbrief „Hoffen über alle Hoffnung hinaus” heißt: „Hoffnung hat mit Wahrheit und mit Gerechtigkeit zu tun. Ist dem so, weil es sich dabei um Wesenszüge Gottes handelt? Sehen wir sie nicht in Jesu Leben, Tod und Auferstehung? Um Hoffnung zu nähren, muss man sich der Wirklichkeit stellen, und sie im Licht der Verheißung Gottes sehen.” Was bliebe von Wahrheit und Gerechtigkeit, wenn die Besiegten der Geschichte nicht geehrt, getröstet und gerechtfertigt würden?
Dann ist die Versuchung groß zu fliehen, abzustumpfen oder sich in sich selbst zurückzuziehen. Doch wie der Brief „Hoffnung wider alle Hoffnung“ uns erinnert: „Hoffnung zu nähren heißt, der Wirklichkeit zu begegnen, wie sie ist, und sie im Licht der Verheißungen Gottes zu sehen.“ Denn was bliebe von Wahrheit und Gerechtigkeit, wenn die Besiegten der Geschichte nicht geehrt, getröstet und gerechtfertigt würden?
Geben wir also unsere Sehnsucht nach Gerechtigkeit und Wahrheit nicht auf; bewahren wir sie und erinnern wir uns an die Verheißungen, die uns geschenkt wurden: „Gott wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen.“ (Offenbarung 21,4).
Fragen für den Austausch
- Habe ich schon einmal das Leiden eines Gerechten erlebt? Wie habe ich reagiert?
- Wie schaffe ich es, Hoffnung zu bewahren und dennoch den Tatsachen ins Auge zu sehen?
- Lebt mein Verlangen nach Gerechtigkeit und Wahrheit noch? Teile ich es mit anderen?
Besondere Woche für 18- bis 35-Jährige
Veröffentlicht am 28.08.2025