Ein gemeinsames Gebet vorbereiten

Pantin (©Taizé)

Wie können wir auch weiterhin gemeinsam beten? Diese Frage taucht oft nach einem Aufenthalt in Taizé oder nach der Teilnahme an einem Treffen außerhalb von Taizé auf.

Die „Gesänge aus Taizé” sind einfach; sie können dennoch nicht ohne Vorbereitung bei gemeinsamen Gebeten verwendet werden. Was zur Vorbereitung nötig ist, geschieht außerhalb des Gebets, um dessen meditativen Charakter nicht zu beeinträchtigen.

Während des Gebets soll nicht dirigiert werden, damit alle ungestört zum Kreuz, den Ikonen oder in den Altarraum schauen können. (Nur bei großen Versammlungen kann es von Nutzen sein, einen kleinen Chor oder einige Instrumente außerhalb des zentralen Blickfelds zu dirigieren.) 

Wer die Gesänge anstimmt, setzt sich nach vorne zu denen, die vorlesen, und wendet sich – wie alle anderen – dem Altar bzw. den aufgestellten Ikonen zu. Es ist ratsam, sich beim Anstimmen mit einer Stimmgabel oder einem Musikinstrument zu behelfen. Ferner gilt es darauf zu achten, dass im richtigen und gleichbleibenden Tempo gesungen wird.

Da die Gesänge dazu einladen möchten, in Gottes Gegenwart zu verweilen, ist es wichtig, jeden Gesang einige Minuten lang zu singen, üblicherweise zwischen drei und fünf Minuten. Beendet werden können die Gesänge mit einem improvisierten, als Solo gesungenen Amen oder einem Ritardando der Begleitinstrumente bzw. des Chores.

Wenn sehr viele Leute zusammenkommen, sollte man sich nicht scheuen, zum Anstimmen und Beenden der Gesänge ein Mikrofon ohne Ständer zu verwenden, und während des Gesangs eventuell eine Grundstimme zur Unterstützung nicht zu laut in das Mikrophon zu singen. In diesem Fall bedarf es einer guten Lautsprecheranlage sowie einer Sprech- und Singprobe vor dem Gebet.

Ansagen zwischen den Gesängen können die Gebetsatmosphäre stören. Es ist daher besser, die Nummern der Gesänge für alle gut sichtbar anzuzeigen oder vorab Blätter mit dem Ablauf der Gesänge zu verteilen.

Die Gesänge in den unterschiedlichsten Sprachen sind vor allem für internationale Treffen geeignet. Zuhause ist es mit Rücksicht auf die Teilnehmenden passender, vor allem auf Deutsch oder Lateinisch zu singen, bzw. in der Muttersprache eventueller anderssprachiger Gäste. Um die ruhige Gebetsatmosphäre nicht zu stören, wird jeder Gesang nur in einer Sprache gesungen, auf die man sich vorab geeinigt hat. Alle sollten nach Möglichkeit die Noten der Gesänge vor sich haben. Es kann auch schön sein, das ein oder andere sonst übliche  und allen bekannte Lied zu verwenden.

Eine Gitarre oder eine Querflöte können – bei Bedarf über Mikrofon – Tempo und Melodie des Gesangs mittragen. Die Gitarre sollte möglichst klassisch gespielt werden. Entsprechende Noten, die auch für Keyboard mit Gitarrenklang geeignet sind, wurden in „Die Gesänge aus Taizé. Gitarrenstimmen” veröffentlicht. Das Buch „Die Gesänge aus Taizé. Instrumentalstimmen” enthält neben näheren Hinweisen weitere Begleitstimmen für Instrumente. Soloverse für einige Gesänge finden sich in „Die Gesänge aus Taizé. Solo-Singstimmen”.

Hier einige der wichtigsten Elemente für die Vorbereitung eines meditativen Gebets, das „weder Anfang noch Ende hat”.

Ablauf des Gebets

Für den Anfang des Gebets ein oder zwei Loblieder auswählen.

Psalm

Jesus selbst sprach diese uralten Gebete seines Volkes. Christen haben in ihnen stets eine Quelle des Lebens gefunden. Die Psalmen versetzen uns in die große Gemeinschaft aller Glaubenender. Unsere Freude und unser Leid, unser Vertrauen auf Gott, unser Durst und sogar unsere Qualen finden in den Psalmen Ausdruck.

Ein oder zwei Personen abwechselnd können die Verse eines Psalms lesen oder singen. Nach jedem Vers antworten alle mit einem Halleluja oder einer anderen gesungenen Akklamation. Zum Singen sollten die Verse kurz sein, in der Regel zwei Zeilen. In einigen Fällen kann die Gemeinde den Schlussakkord der Akklamation summen, während die Soloversen darüber gesungen werden. Wenn die Verse gelesen und nicht gesungen werden, können sie auch länger sein. Es ist nicht nötig, einen ganzen Psalm zu lesen. Ruhig nur ein paar Verse auswählen, am besten die am leichtesten verständlichen.

Lesung

Das Lesen der Heiligen Schrift ist ein Weg, um zu „der unerschöpflichen Quelle zu gelangen, aus der sich Gott dem dürstenden Menschen schenkt“ (Origenes, 3. Jahrhundert). Die Bibel ist ein „Brief Gottes an seine Geschöpfe“, der es ermöglicht, „Gottes Herz in Gottes Worten zu entdecken“ (Gregor der Große, 6. Jahrhundert).

In Gemeinschaften, die regelmäßig beten, ist es üblich, die Bücher der Bibel systematisch zu lesen. Für ein wöchentliches oder monatliches Gebet sollten jedoch leichter zugängliche Texte ausgewählt werden, die zum Thema des Gebets oder zur Jahreszeit passen. Jede Lesung kann mit den Worten „Lesung aus ...” oder „Aus dem Evangelium nach ...” begonnen werden. Wenn es zwei Lesungen gibt, kann die erste aus dem Alten Testament, den Briefen, der Apostelgeschichte oder der Offenbarung ausgewählt werden; die zweite sollte immer aus einem der Evangelien sein. In diesem Fall kann zwischen den Lesungen ein meditatives Lied gesungen werden.

Vor oder nach der Lesung empfiehlt es sich, ein Lied zu wählen, das das Licht Christi besingt. Während dieses Liedes können Kinder oder Jugendliche mit Kerzen nach vorne kommen, um eine Öllampe auf einem Leuchter anzuzünden. Dieses Symbol erinnert uns daran, dass selbst im Dunkel der Nacht, sei es in unserem eigenen Leben oder im Leben der Menschheit, die Liebe Christi ein Feuer ist, das niemals erlischt.

Gesang

Stille

Wenn wir versuchen, die Gemeinschaft mit Gott in Worte zu fassen, stoßen wir schnell an die Grenzen unseres Verstandes. Aber tief in uns betet Christus durch den Heiligen Geist weit mehr, als wir uns vorstellen können.

Obwohl Gott unermüdlich mit uns zu kommunizieren versucht, geschieht dies niemals, um sich aufzudrängen. Die Stimme Gottes ist oft nur in einem Flüstern zu vernehmen, in einem Hauch der Stille. Stille in Gottes Gegenwart, offen für den Heiligen Geist, ist bereits Gebet.

Der Weg zur Kontemplation besteht nicht darin, um jeden Preis innere Stille zu erlangen, indem man einer Technik folgt, die eine Art Leere im Inneren erzeugt. Wenn wir stattdessen mit kindlichem Vertrauen Christus still in uns beten lassen, werden wir eines Tages entdecken, dass die Tiefe unseres Wesens von einer Gegenwart bewohnt ist.

Im gemeinsamen Gebet ist es besser, nur eine längere Stille (5–10 Minuten) zu haben als mehrere kurze. Wenn die Anwesenden nicht an die Stille gewöhnt sind, kann es helfen, diese vorher kurz zu erklären. Oder jemand sagt nach dem Lied, das der Stille vorausgeht: „Das Gebet geht jetzt mit ein paar Minuten in Stille weiter.“

Fürbitten oder Dankgebete

Ein Gebet aus kurzen Fürbitten oder Lobgebeten, begleitet von einem leisen Summen, bei dem auf jede Fürbitte eine von allen gesungene Antwort folgt, kann wie eine Art „Feuersäule” den Mittelpunkt des Gebets bilden. Das Beten für andere erweitert unser Gebet auf die gesamte Menschheitsfamilie; wir vertrauen Gott die Freuden und Hoffnungen, die Sorgen und Leiden aller Menschen an, insbesondere derjenigen, die vergessen sind. Im Lobgebet feiern wir alles, was Gott für uns ist.

Eine oder zwei Personen abwechselnd können die Fürbitten oder Lobgebete vortragen, die mit einem Antwortruf wie „Kyrie eleison“, „Gospodi pomiluj“ („Herr, erbarme dich“) oder „Lob sei dir, Herr“ eingeleitet und abgeschlossen werden. Nachdem die vorformulierten Bitten oder Lobgebete gesprochen wurden, können spontane Gebete der Anwesenden folgen, in denen sie ihre persönlichen Anliegen zum Ausdruck bringen. Diese spontanen Gebete sollten kurz und an Gott gerichtet sein; sie sollten nicht dazu dienen, anderen Menschen die eigenen Ideen und Ansichten in Form eines Gebets mitzuteilen. Auf jedes dieser spontanen Gebete folgt die gleiche Antwort, die von allen gesungen wird.

Vaterunser

Schlussgebet

Gesänge

Am Ende können die Gesänge noch eine Weile weitergehen. Eine kleine Gruppe kann dablieben, um diejenigen zu begleiten, die noch beten möchten.

Die anderen können zu einem Gespräch in Kleingruppen in einem nahe gelegenen Raum eingeladen werden, zum Beispiel, um gemeinsam über einen Bibeltext nachzudenken, vielleicht unter Verwendung der monatlich „Gedanken zur Bibel“.

Die Gesänge kennenlernen Ikonen im Gottesdienst Den Ort für ein meditatives Gebet einladend gestalten Vorschläge für ein gemeinsames Gebet