Gedanken zur
Bibel
Ein bedingungsloses Ja
2 Korinther 1,18–20Oft heißt es, dass sich der Mensch im Leben am meisten danach sehnt, zu lieben und geliebt zu werden. Aber was heißt Liebe?
Obwohl auch Gefühle in der Liebe vorkommen, ist Liebe an sich kein Gefühl. Ich weiß mich geliebt, wenn jemand sieht wer ich bin und das bestätigt. Ich bin geliebt, wenn mich ein anderer Mensch über meine Qualitäten und Fehler hinaus als einzigartigen Menschen erkennt und bejaht.
Geliebt zu werden heißt somit, ein „Ja“ zu vernehmen, das ich mir nicht verdienen muss, ein „Ja“, das nicht zurückgenommen wird oder von den Lebensumständen abhängt. Ein solches „Ja“ zu sagen fiel Menschen nie leicht; heutzutage scheint es beinahe unmöglich.
Im obigen Text versichert Paulus uns, dass Gott zu jedem von uns dieses „Ja“ gesprochen hat. Unser ganzes Sein wurzelt in Gottes bedingungslosem „Ja“ zu dem, der wir sind; es macht uns erst zu lebendigen Menschen.
Gottes Ja zeigt sich zunächst in der Tatsache, dass es uns überhaupt gibt. Indem er uns erschaffen und ins Leben gerufen hat, sagt Gott zu jedem von uns: Ich will, dass du bist, du bist mir wichtig. Die ganze Geschichte der Bibel hindurch zeigt Gott sein Ja; er hört nicht auf, seinem Volk die Fülle des Lebens anzubieten, obwohl es ihm immer wieder untreu wird.
Man könnte sich fragen, ob Gott angesichts unserer ablehnenden Haltung nicht eines Tages die Geduld verliert? Wird Gottes Zusage eines Tages an ihre Grenzen stoßen? Paulus verneint dies; Gott hat seinen Sohn gesandt, der sein Leben für uns aus Liebe hingegeben hat, und zeigt damit, dass sein Ja bis ganz ans Ende gilt. Wer sein Leben für einen anderen hingibt, hat für immer alles gegeben (s. Johannes 15,13).
Durch dieses endgültige, bedingungslose Ja Gottes zu uns in Christus sind auch wir in der Lage, durch unser Leben „Ja“ zu sagen. Darum fährt Paulus fort: Durch Christus können wir „Amen“, das heißt „Ja“ sagen zu Gott für seine Herrlichkeit. Und wir sagen „Ja“ zu Gott indem wir zu unseren Mitmenschen Ja sagen, indem wir sich durch unsere Worte und Taten in ihrem Dasein bestärken.
Wenn wir Gottes „Ja“ in uns entdecken, lassen wir unsere Illusionen hinter uns und treten in die Wirklichkeit des Lebens ein. Wir finden eine Grundlage, von der aus wir in das einwilligen können, was wir sind oder nicht sind, wie der Brief aus Kenia sagt. Wir werden außerdem zu Frauen und Männern, die andere dauerhaft lieben können. Wir können über die Grenzen unserer Mitmenschen hinaus sehen und auf das „Ja“ vertrauen, das Gott in ihnen gesprochen hat. Wir werden fähig, diese außergewöhnliche Form der Liebe zu realisieren, die Vergebung heißt.
In unserer heutigen Welt zu leben kommt einem oft wie ein Gang auf Treibsand vor. Wir sind mehr denn je auf Frauen und Männer angewiesen, die uns festen Grund zeigen, indem sie ein „Ja“ bezeugen, das kein Ja und Nein zugleich ist. Wenn wir uns im „Ja“ verwurzeln, das Gott in Christus zu uns gesprochen hat, so können wir zu solchen Menschen werden; zusammen können wir aus unserem Planeten einen Ort machen, an dem sich jeder Mensch zu Hause fühlt.