Gedanken zur
Bibel

Juni 2009

Ein bedingungsloses Ja

2 Korinther 1,18–20
Gott ist treu, er bürgt dafür, dass unser Wort euch gegenüber nicht Ja und Nein zugleich ist. Denn Gottes Sohn Jesus Christus, der euch durch uns verkündigt wurde - durch mich, Silvanus und Timotheus -, ist nicht als Ja und Nein zugleich gekommen; in ihm ist das Ja verwirklicht. Er ist das Ja zu allem, was Gott verheißen hat. Darum rufen wir durch ihn zu Gottes Lobpreis auch das Amen.

Oft heißt es, dass sich der Mensch im Leben am meisten danach sehnt, zu lieben und geliebt zu werden. Aber was heißt Liebe?

Obwohl auch Gefühle in der Liebe vorkommen, ist Liebe an sich kein Gefühl. Ich weiß mich geliebt, wenn jemand sieht wer ich bin und das bestätigt. Ich bin geliebt, wenn mich ein anderer Mensch über meine Qualitäten und Fehler hinaus als einzigartigen Menschen erkennt und bejaht.

Geliebt zu werden heißt somit, ein „Ja“ zu vernehmen, das ich mir nicht verdienen muss, ein „Ja“, das nicht zurückgenommen wird oder von den Lebensumständen abhängt. Ein solches „Ja“ zu sagen fiel Menschen nie leicht; heutzutage scheint es beinahe unmöglich.

Im obigen Text versichert Paulus uns, dass Gott zu jedem von uns dieses „Ja“ gesprochen hat. Unser ganzes Sein wurzelt in Gottes bedingungslosem „Ja“ zu dem, der wir sind; es macht uns erst zu lebendigen Menschen.

Gottes Ja zeigt sich zunächst in der Tatsache, dass es uns überhaupt gibt. Indem er uns erschaffen und ins Leben gerufen hat, sagt Gott zu jedem von uns: Ich will, dass du bist, du bist mir wichtig. Die ganze Geschichte der Bibel hindurch zeigt Gott sein Ja; er hört nicht auf, seinem Volk die Fülle des Lebens anzubieten, obwohl es ihm immer wieder untreu wird.

Man könnte sich fragen, ob Gott angesichts unserer ablehnenden Haltung nicht eines Tages die Geduld verliert? Wird Gottes Zusage eines Tages an ihre Grenzen stoßen? Paulus verneint dies; Gott hat seinen Sohn gesandt, der sein Leben für uns aus Liebe hingegeben hat, und zeigt damit, dass sein Ja bis ganz ans Ende gilt. Wer sein Leben für einen anderen hingibt, hat für immer alles gegeben (s. Johannes 15,13).

Durch dieses endgültige, bedingungslose Ja Gottes zu uns in Christus sind auch wir in der Lage, durch unser Leben „Ja“ zu sagen. Darum fährt Paulus fort: Durch Christus können wir „Amen“, das heißt „Ja“ sagen zu Gott für seine Herrlichkeit. Und wir sagen „Ja“ zu Gott indem wir zu unseren Mitmenschen Ja sagen, indem wir sich durch unsere Worte und Taten in ihrem Dasein bestärken.

Wenn wir Gottes „Ja“ in uns entdecken, lassen wir unsere Illusionen hinter uns und treten in die Wirklichkeit des Lebens ein. Wir finden eine Grundlage, von der aus wir in das einwilligen können, was wir sind oder nicht sind, wie der Brief aus Kenia sagt. Wir werden außerdem zu Frauen und Männern, die andere dauerhaft lieben können. Wir können über die Grenzen unserer Mitmenschen hinaus sehen und auf das „Ja“ vertrauen, das Gott in ihnen gesprochen hat. Wir werden fähig, diese außergewöhnliche Form der Liebe zu realisieren, die Vergebung heißt.

In unserer heutigen Welt zu leben kommt einem oft wie ein Gang auf Treibsand vor. Wir sind mehr denn je auf Frauen und Männer angewiesen, die uns festen Grund zeigen, indem sie ein „Ja“ bezeugen, das kein Ja und Nein zugleich ist. Wenn wir uns im „Ja“ verwurzeln, das Gott in Christus zu uns gesprochen hat, so können wir zu solchen Menschen werden; zusammen können wir aus unserem Planeten einen Ort machen, an dem sich jeder Mensch zu Hause fühlt.

01
Gibt es Menschen, die mich bedingungslos annehmen und die mir dadurch das Leben ermöglicht haben? Gibt es Menschen, die ich meinerseits so annehme wie sie sind, und die sich damit selbst besser annehmen können?
02
Wodurch kann ich das bedingungslose Ja erkennen, das Gott zu mir gesagt hat?
03
Auf welche verschiedenen Weisen können wir Gottes „Ja“ anderen weitergeben?

... der vergangenen Monate:

Januar 2026

„Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht ...“

Johannes 4,5–15

Jesus kam zu einem Ort in Samarien, der Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag, das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte. Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde. Da kam eine samaritische Frau, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: „Gib mir zu trinken!“ Seine Jünger waren nämlich in den Ort gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen. Die samaritische Frau sagte zu ihm: „Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten?“ (Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern.) Jesus antwortete ihr: „Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: ‚Gib mir zu trinken!’, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.“ Sie sagte zu ihm: „Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief; woher hast du also das lebendige Wasser? Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, wie seine Söhne und seine Herden?“ Jesus antwortete ihr: „Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.“ Da sagte die Frau zu ihm: „Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierherkommen muss, um Wasser zu schöpfen.“

November 2025

Unseren Weg finden

1 Samuel 3,1-10

Der junge Samuel versah den Dienst des Herrn unter der Aufsicht Elis. In jenen Tagen waren Worte des Herrn selten; Visionen waren nicht häufig. Eines Tages geschah es: Eli schlief auf seinem Platz; seine Augen waren schwach geworden, und er konnte nicht mehr sehen. Die Lampe Gottes war noch nicht erloschen, und Samuel schlief im Tempel des Herrn, wo die Lade Gottes stand. Da rief der Herr den Samuel, und Samuel antwortete: „Hier bin ich.“ Dann lief er zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Eli erwiderte: „Ich habe dich nicht gerufen. Geh wieder schlafen!“ Da ging er und legte sich wieder schlafen. Der Herr rief noch einmal: „Samuel!“ Samuel stand auf und ging zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Eli erwiderte: „Ich habe dich nicht gerufen, mein Sohn. Geh wieder schlafen!“ Samuel kannte den Herrn noch nicht, und das Wort des Herrn war ihm noch nicht offenbart worden. Da rief der Herr den Samuel wieder, zum dritten Mal. Er stand auf und ging zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Da merkte Eli, dass der Herr den Knaben gerufen hatte. Eli sagte zu Samuel: „Geh, leg dich schlafen! Wenn er dich (wieder) ruft, dann antworte: 'Rede, Herr; denn dein Diener hört.'“ Samuel ging und legte sich an seinem Platz nieder. Da kam der Herr, trat (zu ihm) heran und rief wie die vorigen Male: „Samuel, Samuel!“ Und Samuel antwortete: „Rede, denn dein Diener hört.“