Gedanken zur
Bibel
Ein inneres Licht
Johannes 1,1–12
In der Einleitung seines Evangeliums konfrontiert uns Johannes gleich zu Beginn mit dem Geheimnis Christi und zeigt ihn uns so, wie er sich nach seiner Auferstehung in seiner ganzen Fülle offenbaren wird. Jesus offenbart sich als das Licht der Welt. Licht ist einerseits etwas sehr Mächtiges (denken wir nur an die Lichtstrahlen, die uns nach Milliarden von Jahren erreichen), andererseits aber auch sehr zerbrechlich – um das Licht aufzuhalten, müssen wir lediglich unsere Hand vor die Augen halten. Licht und Dunkelheit können nebeneinander existieren. Licht kann die Dunkelheit nicht vertreiben, aber bereits die kleinste Öffnung genügt, damit sich das Licht im Raum ausbreitet.
Dieses Licht schenkt Leben. Es spendet nicht nur Wärme und ermöglicht uns, unseren Weg zu finden, sondern versetzt uns auch in die Mitte der Schöpfung und lässt uns entdecken, wer Gott ist. Es anzunehmen bedeutet, in die Wirklichkeit des Lebens und der Liebe Gottes einzutreten, die sich in der Auferstehung als stärker erweisen als Hass und Ablehnung. Dieses Licht anzunehmen bedeutet auch, unsere Sichtweise zu ändern – nicht mehr unser eigenes Licht sein zu wollen, nicht mehr um jeden Preis Widerstände und blinde Flecken aus eigener Kraft überwinden zu wollen, sondern das Licht hereinzulassen, das dem, was verhärtet schien, neues Leben schenkt.
Wir brauchen keine Angst vor dieser scheinbar so anspruchsvollen Berufung zu haben – Zeugen des Lichts zu sein, wie Johannes der Täufer es war, und selbst Licht der Welt zu sein, wie Jesus uns auffordert (vgl. Matthäus 5,14). Das können wir nicht aus eigener Kraft erreichen; vielmehr müssen wir zulassen, dass Gottes Liebe durch uns hindurchscheint und auf diejenigen ausstrahlt, die sich dessen nicht bewusst sind.